Krefeld: CDU-Chef Blondin: "Wir sind schockiert"

Krefeld : CDU-Chef Blondin: "Wir sind schockiert"

Der langjährige Krefelder CDU-Parteigeschäftsführer Jürgen Schick (65) hat von 2005 bis 2012 Geld vom Krefelder Parteikonto auf eigene Konten gebucht. Der Krefelder CDU ist nach derzeitigem Stand ein Schaden von 90.000 Euro entstanden, allein 18.000 Euro aus Kassen der Seniorenunion.

Der neue Krefelder CDU-Vorsitzende Marc Blondin und seine Schatzmeisterin Anja Peters machten den Griff in die Parteikasse am Dienstag öffentlich. Man habe am 31. Mai 2013 die Staatsanwaltschaft eingeschaltet und alle Unterlagen übergeben.

Schick war 30 Jahre Geschäftsführer der Krefelder CDU und hat sich nach Erkenntnissen der neuen Führung mit einem "ausgeklügelten und undurchsichtigen System von Buchungen" bereichert. Aufgefallen war die Entnahme Ende 2012, nachdem Blondin das Amt des langjährigen Krefelder CDU-Chefs Winfried Schittges übernommen hatte. Als eine der ersten Amtshandlungen prüfte der 41-Jährige mit seiner neuen Schatzmeisterin das Inventar der CDU-Geschäftsstelle. Dabei bemerkte er, dass Computer und Beamer fehlen.

Er veranlasste daraufhin eine Prüfung aller Konten: Buchungen bis 2005 wurden zurückverfolgt; alle Geschäftsberichte vor 2003 sind nicht mehr aufbewahrungspflichtig und offenbar verschwunden. Jürgen Schick, der inzwischen aus der CDU ausgetreten ist, zeigte sich bereits geständig. Er habe private Schulden, erklärte er. Bisher hat er allerdings noch kein Geld zurückgezahlt, jedoch eine notarielle Schuldanerkenntnisurkunde unterzeichnet, in der der Schaden vorbehaltlich einer juristischen Prüfung auf 72.000 Euro taxiert wird. Inzwischen geht die CDU aber von besagten 90.000 Euro Schaden aus.

Der Schock bei der Krefelder CDU sitzt tief, nachdem Dienstagmorgen bei 1500 Parteimitgliedern Briefe eingingen, in denen der Vorstand den Parteigeldskandal öffentlich machte. "Wir sind schockiert und verärgert", erklärte der CDU-Vorsitzende Marc Blondin. Er sehe seine Rolle darin, den Fall lückenlos aufzuklären. "Die Partei muss wegen der nächsten Wahlen schnell auf Kurs gebracht werden."

Überraschend hat sich am Dienstag der gelernte Bankkaufmann Jürgen Schick auf Anfrage erklärt. "Ich hatte offenbar einen Vertrauensvorschuss, dem ich aber nicht entsprochen habe", erklärte der 65-jährige Fischelner. "Jetzt bin ich im Schlamassel drin und weiß nicht, wie ich raus komme. Mit der heutigen Kenntnis würde ich das nicht mehr machen." Er sei alleine verantwortlich, betonte der verheiratete Vater einer Tochter, der vor 20 Jahren in Fischeln ein Haus gekauft hat. Dieses sei noch nicht abbezahlt.

Vom Amt des Sprechers der Fischelner Schützen trat er am Dienstag zurück, auch CDU-Mitglied ist er nicht mehr. Geboren wurde Schick in Menden/Sauerland, lebte in Köln, bewarb sich dort auf die Stelle als Kreisgeschäftsführer. Dort wurde ein anderer Kandidat bevorzugt, Schick kam 1981 nach Krefeld. Zu seinem 25. Dienstjubiläum würdigte der frühere Parteichef Schittges noch öffentlich "das große Engagement unseres Geschäftsführers". Er zeichne sich aus durch "Klugheit in der politischen Beurteilung, verbunden mit einem außerordentlichen Organisationstalent". Schittges hob auch die "enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit" hervor.

Jetzt das Schuldeingeständnis des einst so Gelobten: Das Geld habe er auf eigene Konten gebucht, allerdings hätten dort immer andere Kontoinhaber gestanden, sagte Schick. Den Schaden wolle er begleichen. Schick, seit 2008 auch Schatzmeister der Seniorenunion, erklärte, dass einer der Gründe für den Griff in die Parteikasse der Ärger über den Vorschlag eines vorgezogenen Ruhestands gewesen sei. Hintergrund: Der CDU-Geschäftsführer wird aus Mitteln der Landespartei finanziert — da die Krefelder CDU bei dieser Schulden hat, wollte sie einige Zeit auf einen Parteigeschäftsführer verzichten, um Schulden abzubezahlen. Der heute 65-jährige Schick sollte früher in Rente gehen; der schob dies auf und ging erst im August 2012 offiziell. Erst danach begann die Ermittlung.

"Wir haben uns schnell gesagt, dass wir jeden Stein umdrehen wollen", sagte Anja Peters, die ehrenamtlich ungezählte Stunden die Konten geprüft und von einem Fachmann hat kontrollieren lassen. Auch Gespräche mit Schick habe man gesucht. "Aber er hat über Wochen und Monate nicht reinen Tisch gemacht", sagte Blondin. Eine Schuldanerkenntnisurkunde, in der der Schaden auf 72.000 Euro taxiert wird, hat Schick unterzeichnet. Auf 90.000 Euro schätzt die CDU den Schaden derzeit. Kommt da mehr?

140.000 Euro nimmt die Krefelder CDU pro Jahr an Beiträgen von den 1500 Mitgliedern ein. Marc Blondin hat aufgrund der Kassenlage reagiert, "überteuerte Leasing-Verträge" gekündigt, Druckkosten gespart, Arbeit auf Ehrenamtliche aufgeteilt. "Wir müssen nach Aussage der Landespartei nicht mit Strafmaßnahmen rechnen", betonte Blondin. Künftig werde die CDU Rechenschaftsberichte und Jahresabschlüsse außer Haus erstellen.

Auch führende CDU-Repräsentanten meldeten sich. Oberbürgermeister Gregor Kathstede erklärte: "Der Vorfall ist absolut bedauerlich. Insofern ist es wichtig und richtig, dass der neue Parteivorstand hier lückenlos aufklärt." CDU-Fraktionschef Wilfrid Fabel: "Ich habe der neuen Parteiführung früh empfohlen, reinen Tisch zu machen. Ich verspüre große Enttäuschung." Fabel und Kathstede sind nur Kraft Amtes Mitglied des Vorstandes.

(RP/anch/top/rl)