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Krefeld: Casino: Denkmalschutz unter Druck

Krefeld : Casino: Denkmalschutz unter Druck

Vor allem an dem Punkt "Denkmalwürdig wegen getrennter Essensräume von Chefs und Arbeitern" hatte sich Spott und Kritik entzündet: Nun wird das Denkmal-Gutachten überarbeitet; es enthalte "Arabesken", räumen auch Fachleute ein.

Die Krefelder Denkmalschützer reagieren auf die massive Kritik an dem vorläufigen Gutachten des Landschaftsverbandes Rheinland über die Denkmalwürdigkeit des Bayer-Casinos: Das Gutachten werde überarbeitet, unter anderem deshalb, weil es einige "Arabesken" enthalte, räumte gestern die Leiterin der Krefelder Unteren Denkmalbehörde, Monika Risse-Richter, ein. Gemeint ist der Teil der Expertise, in dem die sozialgeschichtliche Bedeutung des Casinos betont wird: Der Bau sei bei seiner Fertigstellung 1961 einerseits modern und zukunftsweisend gewesen, im Inneren aber noch rückwärtsgewandt, weil streng hierarchisch gegliedert mit getrennten Essenbereichen für Chefs, Angestellte und Arbeiter. Besonders an diesem Punkt hatten sich Spott und Kritik entzündet.

Immerhin hängt für Bayer Real Estate (BRE) als Eigentümer des Casinos viel daran, ob solche "Arabesken" aus solch einem Gutachten getilgt werden oder eben stehenbleiben. Eine Komplettsanierung des Gebäudes würde mehr als zehn Millionen Euro kosten, sagte gestern BRE-Sprecher Johannes Schöllhorn, als er die Mitglieder des Denkmalausschusses zum Rundgang im Casino begrüßte. Dazu kämen jährlich 300 000 Euro Energiekosten — solche Zahlen sind es, die BRE sagen lassen: Die Erhaltung ist wirtschaftlich unzumutbar (wir berichteten ausführlich). Schöllhorn übte aber auch Kritik an der Plausibilität des Gutachtens: "Uns erschließt sich daraus nicht, dass wir hier in einem Denkmal stehen." Denkmalpflegerin Risse-Richter erwiderte, dass man es sich mit einem solchen Gebäude, das von einem berühmten Sohn der Stadt, dem Architekten Helmut Hentrich, stamme, nicht einfach machen dürfe. Sie kündigte neben der Überarbeitung des Gutachtens auch eine sorgfältige Prüfung der BRE-Argumente an. Später in der Ausschusssitzung bescheinigte CDU-Ratsherr Hans-Peter Kreuzberg der Verwaltung, in den vergangenen Jahren bei Verhandlungen mit Denkmal-Eigentümern hervorragende Arbeit und meist mit Erfolg am Ausgleich der Interessen gearbeitet zu haben. Kreuzberg ist quasi unverdächtiger Zeuge: Er hat im Zusammenhang mit dem Casino entschieden ökonomischen Realismus eingefordert: "Die Fahne 'Denkmalschutz über alles' vorwegzutragen geht nur, wenn ich einen Investor habe, der das bezahlt." Er bezeichnete das Denkmalschutzgesetz als "mit Fehlern behaftet". Die Grüne Heidi Matthias widersprach und brach eine Lanze für das Gesetz: In Deutschland seien über Jahrzehnte viele denkmalwürdige Gebäude abgerissen worden; da sei es "richtig, dass das Gesetz zunächst einmal rigide ist".

Eine Lanze dafür, "sich zu ereifern" für schöne Gebäude, brach auch die Ausschussvorsitzende und SPD-Ratsfrau Gerda Schnell: Sie nannte als Beispiel die Sanierung des Lichtenthäler-Gebäudes zu einem der schönsten Loft-Häuser Krefelds: Auch bei diesem Gebäude habe es anfangs geheißen, eine Sanierung sei unwirtschaftlich. "Die Hartnäckigkeit hat sich gelohnt; nun bin ich glücklich, dass dieses schöne Gebäude erhalten bleibt."

Weitere Mitteilungen aus dem Denkmalausschuss:

Ev. Gemeindehaus Uerdingen/ Meistermann-Fenster: Für das nicht mehr genutzte Gemeindehaus an der Kronenstraße zeichnen sich große Fortschritte und damit die Rettung der wertvollen Meistermann-Fenster ab: Der planende Architekt habe sich mit den Nachbarn ins Benehmen gesetzt (was aus rechtlichen Gründen notwendig war) und eine Planung vorgelegt, wonach die Fenster im Haus belassen werden — wenn auch nicht durchweg an ihrem jetzigen Ort, teilte Krefelds oberste Denkmalschützerin Risse-Richter mit. Olbrich-Atelierhaus (Hüttenallee 150): Die Sanierung des Daches für 68 000 Euro und die Erneuerung der Fenster für 38 000 Euro können starten; 10 000 Euro werden von der Krefelder Baudenkmal-Stiftung beigetragen.

Krefelder Denkmalpreis: In diesem Jahr soll kein Denkmalpreis verliehen werden.

Klärwerk Uerdingen: Das Gelände soll baurechtlich für Mischnutzung entwickelt werden, um die Nutzung des Klärwerks als Konzertraum und Musikschule zu ermöglichen.

Bahnhofssäulen Uerdingen: Der Ausschuss würdigte dankbar, dass zehn der verschollenen Säulen aus dem historischen Bestand des Uerdinger Bahnhofs im Freilichtmuseum Kommern entdeckt wurden; sie sind dort Teil der Rekonstruktion einer Kleinstadt. Eine Säule wurde von Uerdinger Bürgern gerettet und soll am Bahnhof im Tunnelbereich bleiben.

Hafendrehbrücke: Es zeichnet sich ab, dass es keinen schnellen Abriss, sondern eine mittelfristige Nutzung für etwa ein Jahrzehnt geben soll; geprüft werden soll unter anderem, ob man Zweispurigkeit auf der Brücke herstellen kann.

Stadtbad Neusser Straße: Der Bund hat 300 000 Euro zur Ertüchtigung des Bades in Aussicht gestellt.

(RP)