Casino: Covestro AG darf Denkmal in Krefeld abreißen

Rechtsstreit beendet : Casino: Covestro darf Denkmal abreißen

Außergerichtlich einigten sich Stadt und Covestro AG über den Abriss des denkmalgeschützten Casinos in Uerdingen am Rheinufer. Der Chemiekonzern muss nun eine Dokumentation über das bedeutsame Gebäude erstellen, ehe die Bagger ihre Arbeit beginnen dürfen.

Die Covestro AG hat sich mit ihrer Absicht, das denkmalgeschützte Casino am Rheinufer auf dem Gelände des Chemparks abzureißen, durchgesetzt. Die Stadt habe am 16. Juli eine Abbruchgenehmigung erteilt, informierte Stadtsprecher Timo Bauermeister am Dienstag. Ehe die Dax-notierte Aktiengesellschaft zur Tat schreiten darf, muss sie auf eigene Kosten eine Dokumentation herstellen lassen, die den Anforderungen des Denkmalschutzgesetzes genügt. Erst nach erfolgter fachlicher Prüfung der Dokumentation durch den Landschaftsverband dürfe mit dem Abbruch begonnen werden, betonte die Stadt gestern.

Auf dieses Vorgehen hätten sich die Beteiligten in einem außergerichtlichen Vergleich geeinigt. Die Firma Covestro habe darstellen können, dass das Gebäude ihrerseits nicht mehr rentabel nutzbar und somit nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben sei, so der Stadtsprecher weiter.

Die Stadt Krefeld hatte im Mai das Verfahren um die Eintragung des Casinos in die Denkmalliste auch in der zweiten Instanz vor dem Oberverwaltungsgericht Münster gewonnen. Das bedeutet, die Eintragung des Casinos in die Denkmalliste ist rechtskräftig. Mit diesem Urteil war die erste Stufe des Denkmalverfahrens abgeschlossen.

Das Verfahren auf Erteilung einer Abbruchgenehmigung als Teil der zweite Stufe des Denkmalverfahrens, in deren Rahmen über den weiteren Umgang mit dem Denkmal zu entscheiden ist, wurde damals mit Beschluss vertagt - wobei das Gericht den Beteiligten geraten hat, die Frage der Erteilung einer Abbruchgenehmigung nochmals in Gesprächen zu diskutieren. Beim Senat hätten „gewisse Zweifel“ daran bestanden, dass die Erteilung der Abbruchgenehmigung zu Recht versagt worden sei „Auch für ein denkmalgeschütztes Gebäude kann unter bestimmten Voraussetzung eine Abbruchgenehmigung erteilt werden. Dies ist entsprechend rechtskonform erfolgt“, erklärte der Stadtsprecher.

Das Bayer-Casino wurde von dem aus Krefeld stammenden Architekten Helmut Hentrich geplant und 1961 eingeweiht. In dem Gutachten der Denkmalpflege vom Landschaftsverband Rheinland heißt es, an der Erhaltung des Casinos bestehe „aus architekturgeschichtlichen und geschichtswissenschaftlichen Gründen ein öffentliches Interesse“. Neben der architektonischen Qualität veranschauliche das Casino ein Stück Sozialgeschichte: Die Modernität der Architektur kontrastiert eigentümlich mit der strikten Hierarchisierung zwischen Direktion, Angestellten und Arbeitern, die im Inneren des Gebäudes zum Ausdruck kommt: „Die innere Struktur des Casinos veranschaulicht die soziale Trennung der Werksangehörigen und ist daher sozialgeschichtlich bedeutend“, heißt es in dem Gutachten.