1. NRW
  2. Städte
  3. Krefeld

Caritas fordert für Krefeld: Potenzial älterer Arbeitsloser ausschöpfen

Kritik an Statistik : Caritas fordert Einsatz gegen  Altersarmut

Insgesamt 941 Hartz IV-Bezieher in Krefeld, die das 58. Lebensjahr vollendet haben, fehlen in der Statistik der Arbeitslosen komplett. Die Betroffenen werden aufgrund einer Sonderregelung nicht mehr erfasst.

Politik und Wirtschaft müssen mehr dafür tun, damit das Potenzial älterer Arbeitsloser auch in Krefeld ausgeschöpft und Altersarmut vorgebeugt wird. Das fordert der Caritasverband für das Bistum Aachen unter Berufung auf den jüngsten Arbeitslosenreport der Freien Wohlfahrtspflege NRW. Positiv sieht die Caritas das neue Teilhabenchancengesetz, das ab Januar 2019 in Kraft tritt.

Der Report, den das Institut für Sozialpolitik und Arbeitsmarktforschung (ISAM) der Hochschule Koblenz im Auftrag der Freien Wohlfahrtspflege NRW herausgibt, zeigt unter Berufung auf die offizielle Arbeitsmarktstatistik der Bundesagentur für Arbeit: Rund 84 Prozent der Hartz IV-Bezieher ab 55 Jahren in Krefeld erhalten seit mindestens zwei Jahren Hartz IV-Leistungen. In der jüngeren Vergleichsgruppe unter 55 Jahren in Krefeld sind dagegen rund 63 Prozent seit mindestens zwei Jahren auf diese staatliche Unterstützung angewiesen. 941 Hartz IV-Bezieher in der Stadt Krefeld, die das 58. Lebensjahr vollendet haben, fehlen in der Statistik der Arbeitslosen komplett. Sie werden aufgrund einer Sonderregelung nicht mehr erfasst. „Die Zahlen zeigen, dass mit zunehmendem Alter das Risiko des dauerhaften Hartz IV-Bezuges und damit das der Altersarmut steigt“, sagt Diözesancaritasdirektor Burkard Schröders. Wer sich mit 55 Jahren neu bewerben müsse, finde nur schwer einen Job. Das sei die Erfahrung vieler Arbeitssuchender, obwohl ältere Arbeitnehmer dringend gebraucht würden und Fachkräfte fehlten. „Selbst in diesem Alter haben die allermeisten Menschen noch fast zehn Berufsjahre bis zum Erreichen der gesetzlichen Altersgrenze vor sich. Es ist unwürdig, ihnen keine Chance mehr auf einen Job zu geben. Wir müssen alles daransetzen, ihnen so lange wie möglich den Zugang zu sinnstiftender, guter Arbeit offenzuhalten“, so Schröders.

Fehlende oder veraltete berufliche Qualifikationen, aber auch Vorbehalte von Arbeitgebern gelten als Hauptgründe für die Schwierigkeiten älterer Menschen bei der Jobsuche. Rund 20 Prozent der Hartz IV-Empfänger ab 50 Jahren werden in Krefeld mit Maßnahmen zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung gefördert, in denen gezielt Vermittlungshemmnisse abgebaut werden sollen. Damit liegen sie unter dem Wert der jüngeren Vergleichsgruppe (25 Prozent). „Es ist wichtig, dass spezifische Weiterbildungs- und Förderangebote für ältere Arbeitslose entwickelt und finanziert werden“, sagt Roman Schlag, beim Caritasverband für das Bistum zuständig für arbeitsmarktpolitische Fragen. Zudem sei für die Beratung mehr Zeit nötig, was wiederum einen besseren Betreuungsschlüssel bei den Jobcentern erfordere.

Der Arbeitslosenreport zeigt aber auch, dass ältere Menschen in Krefeld häufiger in Arbeitsgelegenheiten oder in geförderten sozialversicherungspflichtigen Stellen beschäftigt sind (annähernd 43 Prozent der Fördermaßnahmen). „Für ältere Langzeitarbeitslose, die große gesundheitliche Probleme oder besondere soziale Schwierigkeiten haben, ist ein solcher Arbeitsplatz oft die einzige realistische Chance, ihr Menschenrecht auf Arbeit zu verwirklichen“, sagt Roman Schlag. „Deshalb freuen wir uns über den Ausbau öffentlich geförderter Arbeitsplätze mit Sozialversicherungspflicht und Arbeitsvertrag, den das Teilhabenchancengesetz ab Januar 2019 möglich machen wird.“

Der Kern des Gesetzes: Wenn Langzeitarbeitslose in eine Arbeitsstelle vermittelt werden, zahlt der Staat zunächst einen Teil des Gehaltes oder übernimmt sogar die kompletten Lohnkosten. Außerdem wird ein neues Instrument „Teilhabe am Arbeitsmarkt“ eingeführt. Damit können Arbeitsverhältnisse von Menschen gefördert werden, die das 25. Lebensjahr überschritten haben. Voraussetzung: Die betroffene Person muss in mindestens sechs der vergangenen sieben Jahre Hartz IV-Leistungen bezogen haben und in diesem Zeitraum weitgehend erwerbslos gewesen sein.

Nimmt die Person ein neues Arbeitsverhältnis auf, zahlt der Staat künftig einen kräftigen Lohnkostenzuschuss. In den ersten zwei Jahren beträgt er sogar 100 Prozent – wobei der Tariflohn innerhalb der Firma als maßgeblich gilt. Danach schmilzt der Zuschuss pro Jahr um zehn Prozent ab. Die Förderdauer beträgt bis zu fünf Jahre. Während dieser Zeit werden die Betroffenen weiter vom Jobcenter betreut.

Der Caritasverband für das Bistum Aachen fordert, in besonderen Härtefällen den betroffenen Menschen auf Wunsch eine entfristete Fortsetzung ihrer öffentlich geförderten Beschäftigung bis zum Erreichen der gesetzlichen Regelaltersgrenze zu ermöglichen. „Arbeit bedeutet Wert-schätzung, soziale Teilhabe und Tagesstruktur“, betont Roman Schlag. Ältere Menschen hätten ein Recht darauf, eines Tages aus der Arbeit und nicht aus der Arbeitslosigkeit in Rente zu gehen.