Cargill in Krefeld will neues Werk bauen: Umweltschützer haben Bedenken

200 Millionen-Dollar-Invest : Cargill will neues Werk bauen: Gellep fordert mehr Lebensqualität

Die Bezirksregierung lud für gestern zum Erörterungstermin in die Museumsscheune nach Linn: Der Bürgerverein Gellep-Stratum erwartet Verbesserungen der Lebensqualität.

Cargill erfindet sich neu und will dafür am Standort Krefeld rund 200 Millionen US-Dollar in die Hand nehmen. Der Konzern baut dafür gleichsam ein neues Werk. Nach knapp 70 Jahren endet die Ära der Verarbeitung von Mais zu Stärke und Süßungsmittel für die Lebensmittel- und die technische Industrie im Rheinhafen. Im September 2021 soll der nächste Abschnitt mit der Inbetriebnahme der neuen und der umgebauten Anlagen beginnen. Dann wird die Maisverarbeitung sukzessive beendet und durch die Veredelung von Weizen ersetzt.

Bis zum Baubeginn sind noch einige Hürden zu nehmen. Die Bezirksregierung Düsseldorf ist die Genehmigungsbehörde nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz. In der Museumsscheune in Linn fand gestern unter ihrer Leitung der so genannte Erörterungstermin statt, um das Vorhaben von Cargill in seinen Auswirkungen auf Menschen, Natur und Umwelt zu beurteilen.

Kritik kam vor allem von den Natur- und Umweltverbänden sowie vom Bürgerverein Gellep-Stratum. Dessen Vorsitzender Gregor Roosen betonte eine grundsätzliche Sympathie für die Pläne des Industriebetriebs mit rund 550 Beschäftigten. Parallel bekräftigte er die Hoffnung, dass mit der  neuen Anlage auch Verbesserungen in der Lebensqualität der in Luftlinie rund 200 Meter entfernt wohnenden Menschen im Südosten Krefelds einhergehen.

An einigen Stellen fehle dem Bürgerverein der Glaube, dass es tatsächlich zu Verbesserungen, die man mit einem neuen Produktionsbetrieb verbinde, komme. Aus den Antragsunterlagen werde zum Beispiel nicht eindeutig klar, ob die auch zukünftig genutzten Altanlagen einer neuen Beurteilung zum Stand der Technik unterzogen würden, schreibt Roosen.

Die Nachbarn Cargill – und vormals Cerestar und Maizena – verbinde mit den Menschen in Gellep-Stratum eine längere Geschichte, die von Geruchsbelästigungen, Lärm und Staubemissionen sowie Gefahren durch  Legionellen begleitet worden sei. Roosen machte deutlich, dass der Stadtteil es für unzureichend halte, wenn Cargill  lediglich Mindeststandards  einhalten wolle.  Die Gemengelage im Hafen sei komplex und werde in Zukunft noch komplexer.  Klimabedingungen und Hauptwindrichtungen  veränderten sich.  Niedrigwasser im Rhein habe Auswirkungen auf die Logistik. All das sei in den Antragsunterlagen und Gutachten nur unzureichend bis gar nicht berücksichtigt, klagte Roosen.

Darüber hinaus sei es Mitgliedern des Bürgervereins verwehrt worden, die kompletten Unterlagen in Uerdingen bei der Stadtverwaltung einzusehen. Roosen hält das für einen Verfahrensfehler und bittet um einen Rechtsbehelf. Es scheint, als sammele der Vorsitzende an der Stelle Munition für ein etwaiges Klageverfahren vor Gericht. Denn auch in Sachen Wasserrechte will er über seine rechtlichen Möglichkeiten informiert werden.

Einen Schritt weiter gehen die Naturschutzverbände. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), der Naturschutzbund (Nabu) und die Landesgemeinschaft Naturschutz (LNU) lehnen den Antrag von Cargill komplett ab. Aus 800.000 Tonnen Weizen sollen Flüssigfutter, Kleiepellets, Vitalkleber und Stärke hergestellt werden. „Mit solchen Produkten werden Massentierhaltung, Gentechnik, Monokultur und Nahrungsdefizite zementiert“, urteilt Regine Becker  für das Landesbüro der Naturschutzverbände. Über Seiten werden vermeintliche Mängel wie  Ungereimtheiten und fehlende Angaben formuliert.

Da sich der Verarbeitungsprozess zur Herstellung von Stärkemilch bei Einsatz von Weizen deutlich von dem beim Einsatz von Mais unterscheide, plane die Cargill Deutschland GmbH die Errichtung und den Betrieb einer neuen Anlage nach dem neusten Stand der Technik, versichert Cargill. Die erforderlichen Anlagenteile würden auf einer Freifläche innerhalb des Betriebsgeländes neu errichtet.

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