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Krefeld: Cafe del Sol – als Krefeld sich fast blamierte

Krefeld : Cafe del Sol – als Krefeld sich fast blamierte

Es gab im Vorfeld Befürchtungen und Proteste von Anwohnern gegen die Neuansiedlung. Ein Jahr nach Eröffnung des Gastronomiebetriebes hat sich gezeigt: Das Konzept des Cafe del Sol geht auf, und es gibt keine Bürgerbeschwerden.

Der Investor nahm drei Millionen Euro in die Hand, wollte 50 Arbeitsplätze schaffen, doch statt eines dicken Dankeschöns für die Investition in den Standort Krefeld diskutierte der Stadtrat — fast zwei Jahre lang. Anwohner befürchteten zu viel Lärm und Verkehr rund um die Violstraße. Und so zögerte sich das Bauvorhaben der "Gastro & Soul" GmbH mit Sitz in Hildesheim hinaus.

"Aber alle Bedenken haben sich inzwischen als wenig gehaltvoll erwiesen. Wir haben seit der Eröffnung des Restaurants bei der Stadt keine Beschwerden bekommen — weder wegen Verkehr noch wegen erhöhter Lärmbelastung", erklärt Manuel Kölker von der Pressestelle der Stadt Krefeld. Vor einem Jahr — am 30. August 2012 — hat das Restaurant eröffnet.

Die Debatte um die Investition hat seltsame Blüten getrieben. Dass Krefeld so lange zögerte, einer Millioneninvestition Raum zu geben, sorgte für Unmut und Sarkasmus. SPD-Ratsherr Jürgen Hengst, planungspolitischer Sprecher seiner Partei, warnte schließlich, Krefeld mache sich in der ganzen Republik lächerlich. Im Rat hat Planungsdezernent Martin Linne einmal — was ungewöhnlich für einen Dezernenten ist — entnervt und hochironisch reagiert: Als Befürchtungen geäußert wurden, die in den Verwaltungsunterlagen beantwortet waren, sagte: "Wer lesen kann, ist im Vorteil."

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Ungewöhnlich deutlich hat sich auch der "Cafe del Sol"-Investor Delf Neumann geäußert — normalerweise halten sich Unternehmer in solchen Debatten strikt zurück. Neumann aber trat den Weg nach vorn an und reagierte wie Linne sarkastisch, als er mit Blick auf das Zögern Krefelds fragte: "Was können wir dafür tun, dass wir rund 50 Arbeitsplätze in dieser Stadt schaffen, Gewerbesteuer zahlen und der Stadt einen mittleren sechsstelligen Betrag für das Grundstück zahlen dürfen?" Am Ende durfte er — bauen nämlich.

Nach der Eröffnung kündigte die Stadt an, verstärkt den Verkehr rund um das Restaurant zu beobachten. Diskutiert wurde zwischendurch auch ein Kreisverkehr zur Entzerrung des zusätzlichen Verkehrs, so dass die Anwohner in den benachbarten Wohngebieten nicht die Last der neuen Ansiedlung durch die Gastronomiekette zu tragen hätten.

Doch auch der Bauausschuss wollte das tatsächliche Verkehrsaufkommen erst genau beobachten, bevor eine Million für den Bau eines Kreisels ausgegeben werden sollte. Doch trotz widriger Umstände in Krefeld glaubte der Investor von Anfang an an den Standort — und bewies während des Entscheidungsprozesses im Stadtrat einen langen Atem.

"Bezüglich der Realisierung war Krefeld für uns, aufgrund externer Umstände, sicherlich einer der schwierigsten Standorte in Deutschland", erklärt Unternehmenssprecherin Ariane Bahlmann und ergänzt: "Der Erfolg in Krefeld und die Rückmeldungen unserer Gäste bestätigen unsere Standortwahl täglich." Besonders Frühstücks- und Mittagsgeschäft boomten in der Kolonialvilla. Auch die Auslastung zum Feierabend hin sei sehr hoch. "Das Cafe del Sol ist in Krefeld sehr positiv angenommen worden. Auch wir haben nie Beschwerden über Lärm oder parkende Autos bekommen", sagt Bahlmann. Dennoch plane das Unternehmen derzeit keine weiteren Investitionen in Krefeld.

26 Cafés betreibt der Investor aus Hildesheim in ganz Deutschland. Alle Restaurants im Stil einer Kolonialvilla sehen gleich aus, bieten die gleichen Speisen an und sind gleich strukturiert. Außer Krefeld — aufgrund der massiven Bürgerproteste mussten in Bockum vor dem Café sogar eine Lärmschutzwand angebracht werden, um die Anwohner vor dem Lärm der auf den Parkplatz des Cafe del Sol fahrenden Autos zu schützen. Lediglich in Krefeld ist die Zahl der Sitzplätze im Restaurant beschränkt worden.

Im mediterranen Innenbereich dürfen höchstens 235 Gäste und auf der überdachten sowie beheizbaren Außenterrasse höchstens 130 Gäste Platz nehmen.

Die Bewohner machten sich darüber hinaus auch massive Sorgen um die Verkehrsbelastung, die für Schüler der Grotenburgschule Risiken bergen könnte.

(RP)