Krefeld: "Burglind" bricht Grünspecht den Flügel

Krefeld: "Burglind" bricht Grünspecht den Flügel

Orkanartige Böen, die Bäume entwurzelten, hielten gestern Polizei und Feuerwehr auf Trab. Besonders schwer traf es den Nahverkehr.

Der erste Sturm des Jahres hatte es in sich: Am Mittwoch war die Feuerwehr Krefeld um 10 Uhr morgens bereits 25 Einsätze gefahren. Äste flogen über die Straßen, an einigen Dächern lösten sich die Ziegel. In Oppum stürzte ein achtzehn Meter hoher Baum auf drei Autos, in Fischeln fiel eine Tanne auf einen Wintergarten. Das ist die Bilanz der Feuerwehr Krefeld, die seit fünf Uhr mit allen Einheiten im Einsatz war. Verletzte gab es keine - bis auf einen Grünspecht am Campus Fichtenhain. Ihm brach der Sturm den Flügel. "Für einen Wintersturm ist der Schaden in Krefeld ganz ordentlich", sagt ein Sprecher der Feuerwehr.

Ein Feuerwehrmann zersägt einen umgestürzten Baum in Forstwald. Foto: LS

In der Nacht zu Mittwoch traf das Sturmtief "Burglind" auf die Region. Orkanartige Böen wehten mit bis zu 120 Kilometern pro Stunde über Nordrhein-Westfalen, brachen Äste von den Bäumen und rissen ganze Stämme aus dem Boden, auch in Krefeld. Vielerorts kam es zu Verspätungen sowie Ausfällen im Nahverkehr und Staus auf den Straßen, besonders während den frühen Morgenstunden.

Ein Grünspecht am Campus Fichtenhain kann nicht mehr weiter fliegen und nur noch den Baum hochklettern. Der Sturm hat ihm den Flügel gebrochen. Foto: TL
Sturmtief "Burglind" fegt über NRW

Auf der Gladbacher Straße, Höhe Anrather Straße, wurde gegen 8 Uhr ein Lkw durch den starken Wind gegen die Leitplanke gedrückt. Dabei kippte der Anhänger des Fahrzeugs kurz vor der Kurve um und blockierte die gesamte Fahrbahn. Die Polizei musste die Auffahrt zur A 44 Richtung Mönchengladbach für zwei Stunden komplett sperren, während ein Abschlepper den Anhänger wieder aufstellte. Der Fahrer des Lkws blieb unverletzt, wie die Polizei mitteilt. "Ansonsten gab es keine weiteren Einsätze im Zusammenhang mit dem Sturm", sagt eine Sprecherin des Präsidiums.

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Ganz anders sah es im öffentlichen Nahverkehr aus, wo vor allem Pendler mit massiven Verspätungen und Ausfällen rechnen mussten. An der Haltestelle Prinzenallee in Düsseldorf schlug gegen 8.40 Uhr ein Blitz in die Oberleitung ein. Die Linien U 76 und U 74 waren in Richtung Krefeld und Meerbusch für mehr als zwei Stunden unterbrochen. "Wir haben sofort ein Spezialteam rausgeschickt, konnten den Verkehr aber erst gegen 10.30 Uhr wieder aufnehmen", sagt ein Sprecher der Rheinbahn. Auch der Zugverkehr in der Region war betroffen. Der RE 7 nach Köln fiel zwischen Krefeld und Neuss bis zum Nachmittag aus und wurde durch Busse ersetzt, wie die National Express Rail mitteilt. Auf der Strecke Duisburg nach Aachen fielen mehrere Äste und Bäume ins Gleisbett. Die Rhein-Niers-Bahn fuhr am Morgen von Krefeld aus nur bis Mönchengladbach. Gleiches gilt für den RE 10, der von Krefeld in beide Richtungen immer wieder Verspätung hatte. Passagiere, die nach Kleve oder Düsseldorf wollten, mussten bis zu einer Stunde warten.

Der Bahnverkehr der SWK in Krefeld blieb weitgehend von "Burglind" verschont. Zu Verzögerungen kam es hier nicht. Auch um die Stromversorgung musste man bei den Stadtwerken nicht bangen. "Alle unsere Leitungen liegen unterirdisch, da kann uns ein Sturm nichts anhaben", sagt Dorothee Winkmann von der SWK. Arbeit gab es trotzdem: An der Mündelheimer Straße mussten Mitarbeiter der Stadt eine Laterne von einem umgestürzten Baum befreien. Bis zum Mittag waren außerdem dutzende Saugwagen im Einsatz, weil Blätter und Äste die Krefelder Gullys verstopft hatten.

(atrie)