Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zu Gast in Krefeld

Bundespräsident zu Gast in Krefeld : Freude, Selfies, Politik: Das war der Besuch

Fast wichtiger als die ausdrückliche politische Botschaft waren die vielen freundlichen, erfrischenden Begegnungen mit Menschen: Der Besuch von Bundespräsident Steinmeier und seiner Frau hat gerade darin für die Stärke der Demokratie geworben.

Da war zum Beispiel die Begegnung mit Anni Liedgens, eine ältere Dame, die aus der Gegend kam, in der auch Frank Walter Steinmeier aufgewachsen ist: in Ostwestfalen. Der Bundespräsident strahlte, sofort hagelte es Namen wie Falkenhagen, Brakelsiek oder Niese, wo es in Steinmeiers Jugendtagen  einen  schlechten Fußballplatz gegeben haben muss. Es waren heitere Minuten, die charakteristisch waren für diesen Tag, an dem der Bundespräsident und seine Frau Elke Büdenbender Krefeld besuchten  – es war der erste Besuch eines Staatsoberhauptes seit der Visite von Karl Carstens im Jahr 1983.

Das Wetter  war schlecht, es regnete und schneite, und so gehörte dem Wetter auch der erste Ruf des Bundespräsidenten, als er bei seiner Ankunft vor dem Rathaus ausstieg und den Wartenden zurief. „Schönes Wetter habt ihr hier!“ Dennoch  fanden sich an allen Punkten, wo man den Bundespräsidenten sehen konnte, je bis zu 100 Menschen ein, und dreimal war das Präsidentenpaar dicht umringt von Menschen: am Rathaus, als Steinmeier zum Fußweg durch die City zur Lewerentzstraße aufbrach, dort am Eingang zur Shedhalle und am Museum Haus Lange/ Haus Esters.

Freundlicher Applaus, Aufgeschlossenheit, Zugewandtheit: Alle Begegnungen waren erfreulich. Vor der Shedhalle sagte eine Frau: „Danke, dass Sie nach Krefeld gekommen sind.“ Vor Haus Lange/ Haus Esters versuchte Ulla Seegers, eine ehrenamtliche Mitarbeiterin des gegenüberliegenden Seniorenwohnheims, den Bundespräsidenten zu einem Kurztrip in die Seniorenresidenz zu überreden. Das hätte man früher besprechen müssen, sagte Steinmeier und lud sie ein, ein Foto von sich und ihm zu machen, als Gruß für die Bewohner. So wurde ein vergebliches Ansinnen zum guten Ende geführt.

Schön waren Gesten der Wertschätzung im Besuchsprogramm. Der Bundespräsident nahm sich im Rathaus Zeit, um eine Stunde mit Kommunalpolitikern zu reden. CDU-Fraktionschef Philibert Reuters zeigte sich später angetan von der „ungezwungenen, angenehmen Atmosphäre“; der Präsident und seine Frau seien „sehr, sehr interessiert“ gewesen.  Man habe über den Wert der Demokratie gesprochen, über fehlende Begeisterung zum Mitwirken. Elke Büdenbender habe sich besonders nach der Bildungslandschaft Krefelds erkundigt.

Ein wichtiges Thema war die hohe Arbeitslosigkeit, berichtet Ratsherr Paul Hoffmann, der für die FDP-Fraktion an dem Gespräch teilnahm. Die Steinmeiers seien „unkompliziert, zugewandt, interessiert, sensibel und aufmerksam“ gewesen. „Mich begrüßte der Bundespräsident mit den Worten, ‚Sie sind der Hals-, Nasen-, Ohrenarzt’; offensichtlich hatte er sich auf das Gespräch gut vorbereitet“. Heidi Matthias (Grüne) fasste die Begegnung so zusammen: Sie habe die Steinmeiers „als höchst aufmerksame Zuhörer und kluge Gesprächspartner erlebt, die dem Gegenüber stets das Gefühl geben, auf gleicher Ebene zu stehen. Die beste Voraussetzung für ihr Vorhaben, Menschen aufzusuchen, die sich von der Politik nicht wahrgenommen fühlen.“

Trotz des schlechten Wetters hielt das Präsidentenpaar daran fest, den Weg vom Rathaus zur alten Samtweberei an der Lewerentzstraße zu Fuß anzutreten. Elke Büdenbender war vorbereitet: Sie trug beim Besuch im Rathaus  ein elegantes schwarzes, knielanges Kleid mit Glockenschnitt und dazu schwarze Pumps. Zum Spaziergang wechselte sie zu flachen, bequemen Stiefeln.

Das war auch nötig, denn Büdenbender und ihr Mann waren ordentlich zu Fuß unterwegs, etwa in der weiträumigen Shedhalle und vom Haus Lange /Haus Esters zum Kaiserpark mit dem Pavillon von Thomas Schüttte. Der Künstler und die Kunsthistorikerin und MIK-Begründerin Christiane Lange (MIK: Mies in Krefeld)  nahmen Steinmeier und seine Frau in Empfang und erläuterten das Pavillon-Projekt. „Wir haben darüber gesprochen, dass der Pavillon eine Referenz an die Kunst ist, und über die  Bedeutung, die sie im Bauhaus und auch für die Seidenindustriellen  hatte“, berichtet Lange später.  Elke Büdenbender fragte, warum der Pavillon achteckig sei. Schütte habe erwidert, er halte das Achteck für eine gute Form. Eine echte Künstlerantwort: Mehr Rätsel als Antwort. Insofern ganz prima.

Thematisch dicht wurde es beim Empfang in der Fabrik Heeder ab 17 Uhr: Steinmeier hielt eine kurze Rede über sein politisches Ansinnen, bevor Experten der politischen Bildung in Deutschland Podiumsrunden bildeten. Erörtert wurde das Ziel, eine „aufsuchende Bildungsarbeit“ zu konzipieren – mit Blick darauf, dass sich viele Menschen für Politik nicht mehr interessierten.