Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zu Gast in Krefeld

Bundespräsident Steinmeier zu Gast : Ein historischer Tag für Krefeld

Bundespräsident Steinmeier und seine Frau starteten von Krefeld aus ihre Kampagne „Demokratie ganz nah“.

Seinen Besuch in Krefeld hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mit dem Appell verbunden, den demokratischen Dialog zu beleben. Politiker rief er dazu auf, den Bürgern auf Augenhöhe zu begegnen. „Einladungen aussprechen reicht nicht mehr“, sagte er, Bürger wollten nicht belehrt, sondern gehört, ernstgenommen und beteiligt werden. Trotz des kalten, von Regen und Schnee geprägten Tages sind der Bundespräsident und seine Frau Elke Büdenbender an den Punkten, an denen Kontakt möglich war, von jeweils bis zu hundert Menschen freundlich und mit Applaus begrüßt worden. Umgekehrt suchte das Paar die Nähe zu den Menschen, begrüßte sie mit Handschlag und wechselte ein paar Worte mit ihnen. Der Besuch in Krefeld war der Start für einen vom Bundespräsidenten initiierten Wettbewerb mit dem Thema „Demokratie ganz nah – Ideen für ein gelebtes Grundgesetz“; Steinmeier besuchte dazu eine „Demokratiewerkstatt“ in der Alten Samtweberei.

Der Besuch begann mit einem Eintrag im Goldenen Buch der Stadt im Rathaus; danach traf er sich mit Fraktionsspitzen aus dem Rat sowie den Bürgermeisterinnen Gisela Klaer und Karin Meincke zum Gedankenaustausch. Teilnehmer berichten, das Thema Arbeitslosigkeit und die Schwierigkeiten, Langzeitarbeitslose wieder in Lohn und Brot zu bringen, habe breiten Raum eingenommen.

Gegen 13.30 Uhr machte sich der Bundespräsident zu Fuß auf den Weg durch die Innenstadt zur Samtweberei an der Lewerentzstraße; die Minuten vor dem Rathaus nutzten er und seine Frau für ein Bad in der Besucherschar, die bei Regen und Kälte auf den Bundespräsidenten gewartet hatte. Es gab Selfies, Hände wurden geschüttelt, eine Frau lobte Elke Büdenbender für ihr soziales Engagement, für das sie am Vortag in der Dresdener Semperoper mit dem St. Georgs Orden geehrt worden war.

Der Weg durch die City führte über die Hochstraße, die Marktstraße und den Westwall. In der zur Alten Samtweberei gehörenden Shedhalle hatte die Urbane Nachbarschaft Samtweberei eine „Demokratiewerkstatt“ eingerichtet – einen Parcours von Tischen, an denen Menschen miteinander ins Gespräch kommen sollten. Der Bundespräsident wünschte sich in seinem Grußwort an die rund 200 Gäste ein unkompliziertes Miteinander: „Am liebsten wäre mir, dass Sie uns gar nicht bemerken“, sagte er; die Teilnehmer sollten sich nicht auf Promis konzentrieren.

Steinmeier und seine Frau nahmen an dem „Demokratiespaziergang“ von Tisch zu Tisch teil. „Wir wollen“, sagte er dazu, „mit Bürgerinnen und Bürgern der Stadt ins Gespräch kommen“; dabei gehe es nicht um Höhenflüge über die Funktionsweise des Grundgesetzes. „Wir wollen mit Ihnen darüber sprechen, was gefällt Ihnen im Alltag in Krefeld und in der Bundesrepublik, wo stört Sie etwas, wo müsste Politik mehr tun, was sind Ihre Erwartungen.“ Es gehe darum, neue Erkenntnisse mit nach Hause zu nehmen. Die Gespräche sollten „ohne Rücksicht auf Amt, auf Herkunft oder was die Menschen sonst so auszeichnet und was sie mitbringen“, verlaufen. Demokratie sei „nix, was man bei Amazon bestellen kann, und, wenn’s nicht gefällt, zurückgibt. Ob Demokratie besteht und bestehen bleibt, das hängt davon ab, ob wir uns einmischen.“

Steinmeier und seine Frau besuchten auch das zum Komplex gehörende Café Pause für Obdachlose und unterhielten sich mit den Gästen über ihre Situation.

Gegen 15.30 Uhr ging es für das Präsidentenpaar weiter zum Museum Haus Lange / Haus Esters. Obwohl es mittlerweile zu schneien begonnen hatte, warteten auch dort knapp hundert Menschen, um den Bundespräsidenten zu begrüßen. Auch bei dieser Gelegenheit waren Steinmeier und seine Frau rasch dicht mit Menschen umringt.

Nach einer kurzen Besichtigung der Doppelvilla gingen die Steinmeiers weiter zum nahen Kaiserpark, um den Pavillon des Künstlers Thomas Schütte zu sehen. Schütte empfing den Bundespräsidenten zusammen mit der Kunsthistorikerin Christiane Lange, die in Krefeld das MIK-Projekt („Mies in Krefeld“) zur Erinnerung an den Bauhaus-Architekten Mies van der Rohe initiiert hat. Steinmeier war es ein Anliegen, zum Jubiläumsjahr des Bauhauses, das vor 100 Jahren in Weimar gegründet worden war, Krefeld als Bauhausstadt mit bedeutenden Werken dieser Epoche zu würdigen. Lange und Schütte erläuterten den Pavillon, das Projekt MIK und die Bezüge zum Bauhaus.

Letzte Station des Besuchs war ein Empfang in der Fabrik Heeder mit einer Podiumsdiskussion, in der es um neue Formen politischer Bildung ging. Erneut rief Steinmeier eindringlich zu einem Dialog auf Augenhöhe zwischen Politik und Bürgern auf. Die Demokratie sei „spürbar unter Druck“, Politik wie die Akteure politischer Bildung müssten sich „auf den Weg machen, hingehen zu den Menschen“, die man nicht mehr erreiche oder die nicht mehr erreicht werden wollten, „weil sie sich der Politik fern, entfremdet und abgehängt fühlen“. Es gebe einen „Vertrauensverlust“ und „eklatante Defizite in unserer demokratischen Streitkultur“; er rief dazu auf, den Mut zu haben, „Demokratie nicht nur zu ertragen, sondern ein Teil von ihr zu sein“. Das Wahlrecht, so wünschte er es sich, solle nicht nur ein Recht sein, sondern „Ausdruck von Bürgerstolz“. In Debatten gehe es darum, zu differenzieren statt zu diffamieren, und darum zuzuhören: „Zuhören können heißt vor allem zuhören wollen“, sagte Steinmeier.

In der anschließenden Diskussion mit Fachleuten aus der politischen Bildungsarbeit ging es um Konzepte „aufsuchender politischer Bildungsarbeit“, um die Menschen dort zu erreichen, wo sie leben. Steinmeier folgte der Diskussion aufmerksam.

Am Ende nahm er aus Krefeld nicht nur viele Eindrücke mit, sondern auch Geschenke; im Rathaus hatte Oberbürgermeister Frank Meyer ihm eine Krawatte und einen Herrenschal aus dem Haus der Seidenkultur sowie eine gerahmte Fotografie der Häuser Lange / Esters überreicht.