Krefeld: Ungepflegte Gräber auf dem Hauptfriedhof

Gräberfeld versinkt im Matsch : Heftige Kritik an Friedhofsverwaltung

Urnengräber, die im Matsch versinken oder zugewuchert sind: Für Hinterbliebene ist der Zustand von Gräberfeld 47 auf dem Hauptfriedhof ein emotionales Thema.

Der ungepflegte Zustand eines Urnen-Grabfeldes auf dem Hauptfriedhof ist ein emotionales Thema für die Hinterbliebenen. Nach Berichterstattung unserer Redaktion über die Erlebnisse der Witwe Karola Königs, die beklagte, das Grab ihres Mannes würde bei schlechter Witterung im Matsch versinken, haben sich eine Reihe von Angehörigen gemeldet, deren Verstorbene ebenfalls auf dem Gräberfeld 47 ihre letzte Ruhestätte haben. Die Stimmung schwankt zwischen trauriger Resignation und blanker Wut. Berichtet wird von abgesackten und zugewucherten Grabplatten, Matsch, achtlos agierendem gärtnerischen Personal und dem schlechten Pflegezustand der Fläche.

Die Mutter von Friedhelm Kurtz ist 2012 auf dem Grabfeld bestattet worden. Er ärgert sich vor allem über die nachlässige Pflege. „Bis 2014 sah das Feld verhältnismäßig normal aus“, berichtet er. In der nachfolgenden Zeit habe sich der Zustand zum Schlechten verändert. „Schlampig“ nennt Kurtz das gärtnerische Tun des städtischen Personals. Und bemängelt, dass auf den Grabsteinen abgestellter Schmuck immer wieder zerstört wird, durch, wie er annimmt, achtlosen Umgang beim Mähen.

Die Bestattungsform, die er für seine Mutter gewählt hat, ist ein im Rasen eingelassener Einzel-Gedenkstein, ein „pflegefreies Rasengrab“. Auf der Webseite der Stadt ist nachzulesen, dass die Pflege der gesamten Anlage durch die Stadt Krefeld erfolgt. Laut Auskunft der Friedhofsverwaltung wird die Fläche in 14-tägigem Rhythmus gemäht, die Kanten der Steine werden zweimal pro Jahr beschnitten. „Aber wie ist es dann zu erklären, dass das Gras teilweise wadenhoch steht und die Grabsteine zuwuchern?“, fragt Kurtz. Er stellt außerdem in Frage, dass das Friedhofspersonal mit der gegebenen Sorgfalt und auch Pietät agiert: Denn neben der Kritik in Sachen Pflege von Feld 47 hat er in dessen Nähe kürzlich einen menschlichen Hüftknochen gefunden.

Gespräche mit der Friedhofsverwaltung seien im Sande verlaufen, Verbesserungen zwar in Aussicht gestellt, aber nicht umgesetzt worden. Auch unserer Redaktion gegenüber will die Friedhofsverwaltung nicht Stellung nehmen zu den erneuten Vorwürfen. Beschwerden seien dort nicht bekannt, es habe sich niemand gemeldet, heißt es auf Anfrage. Diese Aussage verwundert nicht nur Friedhelm Kurtz, der einen umfangreichen Schriftwechsel mit dem Amt führt, sondern auch Karola Königs, die, wie Kurtz, immer wieder versucht hat, die Friedhofsverwaltung zu einer Verbesserung der Situation zu bewegen. Die Behauptung eines Mitarbeiters, sie sei dort vor Erscheinen des RP-Artikels nicht bekannt gewesen, nennt sie eine „bodenlose Unverschämtheit“, und sagt: „Er lügt wie gedruckt“. Auch der Hamburger Markus Werthmann, dessen Vater auf Feld 47 begraben ist, hat sich schon mehrfach schriftlich an das Amt gewandt und die Friedhofsverwaltung aufgefordert, die Fläche in einen „vertragsgemäßen — also pflegefreien — Zustand“, zu versetzen.

„Ich bin zutiefst schockiert über das, was hier passiert“, sagt Werthmann. Der Besuch des Grabes sei für seine 80-jährige Mutter bei schlechtem Wetter nicht möglich. Regelmäßig, berichtet er, fließen Tränen, weil die Situation rund um das Grab sie „unfassbar belastet“. Bei der Beerdigung im September vor drei Jahren seien die Trauergäste bereits im Matsch versunken, für den Friedhofsbesuch binden er und seine Mutter sich Plastiktüten um die Schuhe. „Es kann doch nicht das Problem sein, eine Wiese trockenzulegen“, sagt er. Viele Gräber seien nicht nur vom Schlamm unterspült, sonder außerdem zugewuchert. „Das ist kein würdiges Grab“, sagt Werthmann.

Er und auch Kurtz haben das Gefühl, mit ihren Beschwerden auf einer Art „Schwarzen Liste“ des Friedhofsamtes gelandet zu sein. Die Frage nach Umbettung, die alle drei Betroffenen schon gestellt haben, wird von der Friedhofsverwaltung abgeblockt. Das sei „Störung der Totenruhe“. Auf Kurtzs Bemühen, das Grab seiner Mutter selber zu pflegen, folgte erstmal eine schriftliche Abmahnung des Friedhofsamtes, dies zu unterlassen. Ähnlich ging es Markus Werthmann. „Die Grabpflege obliegt ausschließlich der Stadt Krefeld“, hieß es im Brief an Kurtz. Es folgt eine A4-Seiten lange Belehrung, was nicht erlaubt ist. Zum Beispiel sei das Aufstellen von Blumentöpfen und Grableuchten kein „Grabschmuck“, sondern „Grabanlagen“ und daher sowieso nicht gestattet. Inzwischen hat Kurtz auf eigene Kosten einen Gärtner für das eigentliche pflegefreie Grab beauftragt, der sich „satzungsgemäß“ um das Grab kümmert. Dieser habe den Grabstein bereits zweimal höher setzen müssen. Denn aufgrund des feuchten Untergrundes sacke er immer wieder ab und sei eben nicht, wie die Friedhofsverwaltung schreibt, „bündig mit der Erdoberfläche im Boden eingelassen“. „Würdevoll sieht anders aus“, fasst Friedhelm Kurtz die Situation auf Feld 47 zusammen. „Es ist überaus beschämend.“

Karola Königs hat inzwischen Antwort auf ihre Beschwerde zur Matsch-Situation bekommen. „Ein Mitarbeiter sei zweimal dort gewesen und hat mitgeteilt, es sei „alles in Ordnung. Sehr sinnvoll bei 28 Grad und trockenen Wetter“, kommentiert sie sarkastisch. „Aber ich soll mich melden, wenn das Grab mal wieder unter Wasser steht. Jedenfalls bin ich keinen Schritt weitergekommen und einfach nur wütend.“ Das Verhalten der Friedhofsverwaltung nennt sie „unverschämt“.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Gräber auf Krefelder Friedhof in schlechtem Zustand

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