Krefeld: Tastkanten sorgen an Markthalle für Unfallgefahr, sagt ADFC.

Kritik des ADFC : Unfallrisiko für Radfahrer an der Markthalle

Zwei Unfälle haben sich an der südlichen Parkplatzausfahrt der Markthalle Richtung Fischeln ereignet. Grund dafür ist nach Meinung des ADFC eine Blindentastkante auf dem kombinierten Fußgänger- und Radfahrweg.

Eine Blindentastkante an der südlichen Ausfahrt der „Markthalle“ an der Hafelsstraße soll Ursache für zwei Unfälle sein, bei denen Fahrradfahrer stürzten und sich verletzten. Der Krefelder Sprecher des Allgemeinen Deutschen Fahrrad Clubs (ADFC) Andreas Domanski kritisiert die Untätigkeit der Verwaltung und fordert, die Stelle dringend zu entschärfen.

Einer der Verletzten ist Martin Lindhauer. Er erzählt: „Ich war im Juli 2018 in der Markthalle einkaufen und habe die rechte Ausfahrt benutzt, um über den Radweg der Hafelsstraße Richtung Fischeln zu fahren.“ Eine scharfe Kante auf dem Radweg, die in Richtung Straße niedriger wird, sei Ursache für seinen Sturz gewesen, erzählt er. „Sie ist deswegen tückisch, weil man sie unterschätzt oder gar nicht erst bemerkt“, meint er. Er rutschte mit dem Vorderrad weg und schlug sich beide Knie auf. „Die Verletzungen sieht man heute noch. Und auch mein Rad war reparaturbedürftig“, berichtet Lindhauer.

Mindestens zwei Unfälle hat es an dieser Stelle schon gegeben. Foto: ADFC

Um dieVerwaltung auf diese Gefahrenquelle hinzuweisen, schreibt er kurz nach dem Unfall an das Beschwerdemanagement der Stadt. Aber außer einer Eingangsbestätigung bekommt Lindhauer keine Antwort. „Außerdem habe ich zeitgleich den ADFC informiert“, ergänzt er. Der reagierte sofort. Dort war besagter Gefahrenpunkt bereits bekannt. Die Experten wussten: Denn an dieser Stelle hatte es zuvor schon mindestens einen weiteren ähnlichen Unfall gegeben.

„Durch den barrierefreien Umbau der Ausfahrt im Jahr 2017 ist diese Risikostelle entstanden“, beschreibt Andreas Domanski die Situation. „Damals wurden die Ecken des Bürgersteigs abgerundet, um Autos mit Anhängern die Fahrt durch die Kurve zu vereinfachen.“ Domanksi erklärt: „Diese Kanten sind in Krefeld drei Zentimeter hoch und müssen laut Norm scharfkantig sein. Bei kombinierten Rad- und Fußwegen wird es so gemacht, dass der jeweils rechte Bereich eine Tastkante bekommt und die linke Seite eine Nullabsenkung auf Fahrbahnhöhe.“ Da die meisten Radfahrer auf der rechten Hälfte des Weges fahren würden, um möglichem Gegenverkehr nach der Kurve auszuweichen, besteht laut Domanski das Risiko, das Gleichgewicht zu verlieren, falls die Radler in einem ungünstigen Winkel auf die Kante treffen.

Bei dem Bau der Tastkanten richtete sich die Stadtverwaltung nach eigenen Angaben nach der DIN 18040-3 Norm, die festlegt, dass die Kanten scharf sein müssen. Sie dürften nicht abgerundet werden, da sehbehinderte Personen und Blinde spüren können müssen, wann sie von dem Gehweg auf die Fahrbahn kommen und wann sie auf der gegenüberliegenden Seite angekommen sind, teilt die zuständige Fachabteilung der Stadtverwaltung Lindhauer schließlich im April dieses Jahres mit. Das Ergebnis der Untersuchung: „Aus Gründen der Barrierefreiheit kann in diesem Fall keine bauliche Änderung vorgenommen werden kann.“

Der ADFC hat Vorschläge ausgearbeitet, wie die Stelle entschärft werden könnte. Foto: ADFC

Der ADFC ist seit Monaten aktiv und hat inzwischen zwei Lösungsvorschläge ausgearbeitet: „Entweder, der Weg bleibt auf dem Hochniveau, wodurch die Autos dann über eine Bodenwelle fahren, die Tastkante aber komplett wegfällt. Das wäre ein etwas größerer Umbau“, sagt Domanski. „Oder man sorgt dafür, dass die Tastkante etwas weiter weg von der Kurve gebaut und eine Sperrfläche für Radfahrer eingezeichnet wird, so dass sie die Kurve nicht so eng nehmen.“ Die Sachverständigengruppe für Behindertenfragen schaut sich jetzt Stelle an und wird beim nächsten Treffen am 28. Mai über die Lösungsvorschläge des ADFC beraten.

Aber auch nach der Entscheidung der Sachverständigengruppe muss Stadtverwaltung nicht zustimmen. „Dann bleibt uns theoretisch nur der Klageweg vor dem Verwaltungsgericht“, erklärt Domanski. „Oder es passiert irgendwann ein schlimmer Unfall und der Verunfallte klagt.“

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