Krefeld: Familie in Linn wird bei Hauskauf an der Hermann-Rademacher Straße von Verwaltung ausgebootet

Krefeld Vorwürfe gegen Verwaltung: Wirbel um verhinderten Hauskauf

Die Stadt hat zwei jungen Familien per Vorkaufsrecht eine Immobilie in Linn weggeschnappt. Jetzt meldet sich der Makler zu Wort. Er macht der Verwaltung schwere Vorwürfe.

Zwei junge Familien sind beim Kauf eines Eigenheims in Linn von der Stadt ausgebootet worden. Wie berichtet, hatte die Stadt überraschend ein Vorkaufsrecht für das Haus an der Hermann-Rademacher Straße geltend gemacht — und will das Objekt nun für 150.000 Euro kaufen, es anschließend abreißen, um das Grundstück einer Grünfläche zuzuschlagen.

Überraschend war diese unter rechtlichen Gesichtspunkten unangreifbare Aktion der Stadt deshalb, weil die Kaufinteressenten, die Familie Zurnatzis, über einen Zeitraum von sieben Monaten mit verschiedenen Stellen der Krefelder Verwaltung in Kontakt standen, um die Optionen für einen Kauf und Umbau des Gebäudes auszuloten. Es habe, sagt die Familie, keine Warnung gegeben, dass die Stadt Interesse an dem Objekt habe.

Die Stadt ihrerseits hat jetzt in einer Stellungnahme mitgeteilt, sie sei . „erst durch die Anfrage eines Notars auf einen möglichen Eigentümerwechsel der Immobilie Hermann-Rademacher-Str. 22 aufmerksam gemacht worden.“ Das sei am 23. Juli 2018 gewesen. Also zu einem Zeitpunkt, als die Familien bereits den Kaufvertrag unterschrieben hatten. Dieser Aussage wiederum widerspricht Ingo Lux. Er ist der Makler, der die Immobilie vermarktet hat. „Was da abgegangen ist, ist untragbar“, sagt Lux mit Adresse Krefelder Verwaltung. Dass man nichts davon gewusst haben will, nennt Lux eine „Lüge“. Der Immobilienexperte ist so erzürnt über das Verhalten der Verwaltung, dass er sogar eine eidesstattliche Erklärung abgeben würde, um zu bezeugen, dass die Behörden schon Jahre vor dem Notartermin der Familie Kenntnis hatten, dass das Objekt zum Verkauf steht. „Ich selber war im Januar 2017 beim Bauordnungsamt, als ich den Verkaufsauftrag für das Haus übernommen habe. Ein Schritt, den jeder meiner Kunden, der sich seither für das Objekt interessiert hat, ebenfalls gegangen ist“, berichtet er. Tatsächlich sei es so gewesen, dass das Bauordnungsamt allen Interessenten vom Kauf abgeraten habe. „In einer Weise, die ich als geschäftsschädigend bezeichnen würde“, sagt Lux. Man würde nichts genehmigen, ein Abriss sei nicht erlaubt, Kaufinteressenten seien von den Beamten explizit gewarnt worden „man würde ihnen Probleme machen“, wenn sie das Projekt Hermann-Rademacher Straße anpackten.

Schließlich sei, berichtet Lux, die Familie Zurnatzis gekommen, die sich „mit Herz und Hingabe“ in die Immobilie verliebt hätte und auf ihrer sieben Monate dauernden Tour durch die Krefelder Ämter in Absprache mit diesen einen Plan entwickelt hatte, der funktionieren könnte. Er wirft den Behörden vor, dass sie die Familie hätten warnen müssen. „Für die Zurnatzis’ stellt sich nicht nur das Problem, dass sie ihre Kosten erstattet bekommen“, sagt der Immobilien-Fachmann. „Durch die Finanzierung, die nun rückabgewickelt werden muss, rutscht auch deren Schufa in den Keller, jede zukünftige Kreditaufnahme wird erschwert.“

Dass die Ämter die Familie nicht vom Kaufinteresse der Stadt in Kenntnis gesetzt haben, wiegt umso schwerer, als dass der Beschluss, in Linn eine durchgehende Grünverbindung zu schaffen, zu deren Herstellung der Abriss des Hauses der letzte Schritt ist, Jahrzehnte alt ist. „Im August 1990 wurde bei einer gemeinsamen Sondersitzung von Planungsausschuss, Bauausschuss, Bezirksvertretung Oppum-Linn sowie dem Denkmalausschuss (Vorlage 1445/90 und die Anlage 315/90) das Städtebauliche Gesamtkonzept — Historischer Ortskern Linn beschlossen. Dieses sieht auch den Erwerb von Grundstücken für die Gestaltung einer Grünfläche vor der Stadtmauer vor“, schreibt die Stadt jetzt. Ein Plan, der offenbar in städtischen Ämtern so in Vergessenheit geraten ist, dass eine junge Familie nun mit den teuren Konsequenzen behördlicher Erinnerungslücken leben muss.