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Krefeld: Bürger werden für Engagement geehrt

Krefeld : Bürger werden für Engagement geehrt

Seit 1983 verleiht die Stadt Krefeld einen Preis für "Bürgerschaftliche Selbsthilfe", der mit 2500 Euro dotiert ist. In diesem Jahr wurde das Geld unter vier Projekten aufgeteilt, unter anderem für die Wildblumenwiese von Joachim Dönitz.

Das hat es in Krefeld so noch nie gegeben: eine Wildblumenwiese mitten in der Stadt, die eine unschöne Fläche, die durch Kanalbauarbeiten noch mehr gelitten hat, aufpeppt. Die Idee kam von Joachim Dönitz, Vorsitzender des Imkervereins, der 12,5 Kilo Wildblumenmischung auf dem Von-Beckerath-Platz gesät und sich anschließend auch noch um die Bewässerung gekümmert hat. Dafür wurde der Krefelder jetzt von der Stadt mit dem Preis für "Bürgerschaftliche Selbsthilfe" ausgezeichnet.

 Wo zuvor ein wenig gepflegter Rasen war und anschließend gebuddelt wurde, wachsen dank Joachim Dönitz' Initiative seit Juni traumhafte Wildblumen.
Wo zuvor ein wenig gepflegter Rasen war und anschließend gebuddelt wurde, wachsen dank Joachim Dönitz' Initiative seit Juni traumhafte Wildblumen. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Ganz bescheiden nahm Dönitz die 1000 Euro entgegen, sagte, viele andere hätten den Ehrenamtspreis ebenso verdient. Und dann setzte der Bienen-Experte seine Dankesrede sozusagen in der Symbolik der Bienen fort: "Ein Bienenvolk kann nur als ein Ganzes existieren, jeder für sich nicht überleben." Durch sein Engagement sollen andere motiviert werden, ein Teil des Ganzen zu sein. Auch wenn es manchmal Geduld und Stehvermögen koste. Das Geld - wie soll es anders sein - will Joachim Dönitz wieder in Blumen investieren, in das Projekt am Von-Beckerath-Platz und in andere.

 Für ihr ehrenamtliches Engagement wurden von OB Gregor Kathstede ausgezeichnet (v.l.): Joachim Dönitz, Carla Kaiser, Karin Nitschke sowie Angela Klepper, Jeanette Merkel und Mechthild Klepper vom Aktionskreis Miteinander.
Für ihr ehrenamtliches Engagement wurden von OB Gregor Kathstede ausgezeichnet (v.l.): Joachim Dönitz, Carla Kaiser, Karin Nitschke sowie Angela Klepper, Jeanette Merkel und Mechthild Klepper vom Aktionskreis Miteinander. Foto: Lothar Strücken

Jeweils 500 Euro des mit insgesamt 2500 Euro dotierten Preises gingen an Karin Nitschke, Carla Kaiser und das "Besondere Sonntagscafé" des Aktionskreises Miteinander. Mit Umgestaltung und Verschönerung konnte auch Carla Kaiser bei der Jury punkten. Sie nahm sich den Bismarckplatz vor, sammelte 40 000 Euro Spenden, damit der erste Bauabschnitt realisiert werden konnte. Ohne Kaiser würde der Bismarckplatz vermutlich noch immer vor sich hin öden. "Wenn bald die Sitzgelegenheiten installiert sind, ist der Platz das Herzstück des Viertels", lobte Oberbürgermeister Gregor Kathstede, der die Preisträger im Rathaus empfing. Wie wichtig und effektiv das Miteinander sei, das zeigen Dönitz und Kaiser, die sich inzwischen gegenseitig unterstützen.

Das Thema Menschlichkeit, Nähe und Integration hat sich Karin Nitschke auf die Fahne geschrieben. Schon seit Jahren unterstützt sie die Tafel und den Verein "Menschen für Menschen". Jetzt gründete sie die Initiative "Abendsonne" - ein Besuchs- und Begleitdienst für alte Menschen, die durch Verlust des Partners einsam sind oder durch körperliche Beschwerden von der Gesellschaft isoliert leben. Für diese Menschen ist Nitschke Ansprechpartnerin, Zuhörerin und Freundin. Weil "alt nicht gleich einsam sein muss", sagte Kathstede.

Einsam muss auch niemand im "Besonderen Sonntagscafé" sein, das ebenfalls mit dem Preis "Bürgerschaftliche Selbsthilfe" ausgezeichnet wurde. Angela Keppler, Mechthild Keppler und Jeanette Merkel vom Aktionskreis Miteinander nahmen den Preis entgegen. Seit zehn Jahren gibt es das Café nun, das von Menschen mit Behinderung für Menschen mit und ohne Behinderung einmal im Monat organisiert wird. Sie legen die Termine fest, kaufen ein und bewirten die Gäste. Ganz schön viel Verantwortung, aber jedes Mal ein Erfolg. Der nächste Termin des "Besonderen Sonntagscafés" ist übrigens am 9. November von 15 bis 17 Uhr an der Erkrather Straße. Dort soll ein bisschen St. Martin gefeiert werden. Einzigartig ist dieses Projekt in Krefeld, so wie auch die Wildblumenwiese, der Besuchs- und Begleitdienst und die Umgestaltungen von Carla Kaiser. Vier Beispiele stellvertretend für viele in Krefeld, von denen es aber noch viele mehr braucht. Von zupackender Hilfsbereitschaft sprach der Oberbürgermeister bei der Preisverleihung, "Krefeld ist eine Stadt mit sozialer Nähe."

Nach dem offiziellen Teil gab es nicht nur unter den Preisträgern gestern abend noch jede Menge zu bequatschen. Und vielleicht ist dabei die ein oder andere neue Idee entstanden, die es Wert ist, im nächsten Jahr mit dem Preis für "Bürgerschaftliche Selbsthilfe" ausgezeichnet zu werden.

(RP)