Krefeld: Bülent Ceylans wilde Kreatürken

Krefeld : Bülent Ceylans wilde Kreatürken

Heavy Metal dröhnt aus den Boxen, ein Countdown auf zwei Großleinwänden zählt die Sekunden runter. Das Hallenlicht geht aus, lila Suchscheinwerfer erleuchten die Bühne, Nebelschwaden wabern über die Aufbauten.

Mit einem Satz springt er auf die Bühne, die 6000 Zuschauer im ausverkauften Krefelder Königpalast jubeln und kreischen. Rechts, links, die Faust mit dem Heavy Metal Gruß, der Pommesgabel, in die Luft gereckt. Feuerfontänen schießen hinter ihm hoch. Minutenlang bekommen die Zuschauer den Eindruck, auf einem Rockkonzert gelandet zu sein und nicht in Bülent Ceylans neuestem Programm "Wilde Kreatürken".

Ehe der Mannheimer, dessen Fernsehsendung für den Grimme-Preis nominiert ist, in seine zahlreichen Rollen schlüpft, plaudert er erst mal locker mit dem Publikum. Das reagiert begeistert, ist bereit, jeden Scherz mitzumachen — egal wie zotig. Schließlich wendet sich Ceylan Richtung Gitterkäfige, hinter denen er seine "wilde Kreatürken" eingesperrt hat. Fluchs verwandelt sich Ceylan mit Hilfe weniger Requisten in den einfältigen Harald, der nicht in seine Sportjacke schlüpfen kann, weil der Reißverschluss zu ist. Trotz seiner Trotteligkeit wird er schnell zum Liebling aller Schnappschuss-Jäger: So wie er es mal bei Robbie Williams gesehen hat, sollen alle zeitgleich ein Foto machen. Mit Blitz — weil es von der Bühne aus so toll aussieht.

Macho Hasan wirft dem Publikum immer wieder ein "Produzier mich nicht" an den Kopf. Und Paraderolle Anneliese hat noch größere Schwierigkeiten, die richtigen Worte im breitesten Mannheimer Dialekt zu finden. Noch schlimmer wird es beim Yeti Gündaa, der immer nur Schlagerradio hört und deswegen nur in Liedtiteln spricht. Die Zuschauer wischen sich immer wieder die Lachtränen aus den Augen.

Am besten ist Ceylan jedoch, wenn er aus seinem eigenen Blickwinkel die deutschen Eigenheiten aufs Korn nimmt, von seinem Campingurlaub oder von seinem gigantischen Auftritt auf dem Heavy Metal Festival Wacken erzählt. So verabschiedet sich Ceylan nach fast drei Stunden von seinem Publikum mit einem Lied in Rammstein-Manier. Natürlich nicht, ohne die Zuschauer vorher aufgefordert zu haben, die Plätze zu verlassen und nach vorne zur Bühne zu komme

(areh)
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