Brecht in Krefeld - aktualisiert für junge Leute

Krefeld : Brecht – aktualisiert für junge Leute

Mit einer Aufführung des Stadtjugendtheaters 1 hat das Kresch seine Brecht-Reihe fortgesetzt. Das Stück thematisiert unter anderem Homosexualität und die Flüchtlingsproblematik unserer Zeit.

Im Kreschtheater wurde die Reihe zu Bertolt Brecht mit einer Aufführung des Stadtjugendtheaters 1 fortgesetzt. 19 junge Menschen brachten „Stell dir vor, es ist Krieg“ auf die Bühne. Auf dem Bühnenboden standen 19 Holzkisten in blau, rot, grün, gelb – programmatisch für Schatzkiste oder Zettelkasten oder Wetterbox oder ein „Das ist mir geblieben“. Die Kisten wurden  als Bausteine für Traumtreppen oder Gräber eingesetzt (Bühne Frank Andermahr); die Jugendlichen sind schlicht gekleidet mit  Hemden und Hosen in Erdfarben (Ausstattung: Selcuk Suvac).

So vielfältig die Funktion dieser einfachen Elemente, so vielfältig auch die Elemente der Gedankenreise der jungen Schauspieler. Sie setzt mit dem Schlaflied „Guten Abend, gute Nacht“ ein, das in mannigfacher Interpretation immer wiederkehrt. Hier, zu Beginn, wird es mit finsterem Grollen und Bombardement unterlegt – die Bedrohung ist spürbar. Laute „Wenn-Fragen“ schreien die Jugendlichen in das Publikum und liegen dann mit einemmal alle am Boden. Das Grauen hat sie eingeholt.

Kontrastreich wird eine heutige Schulsituation dagegen gesetzt: Die Mädchen und Jungen lümmeln auf ihren Kisten herum und sind von ihrem Schulalltag höchst gelangweilt. Nur Zaida wünscht sich was: Neue Wörter, die ein neues, anderes Leben versprechen. Aber zuerst bekommen die jungen Menschen weiß auf schwarz – wie auf einer Tafel – die Schreckensbegriffe zugeteilt. „Wut, Missbrauch, Schmerz, Angst und Trauer, finster, einsam und verloren…“ Jeder ein anderes, die sie später auf eine Wäscheleine in der Ecke hängen, als würden sie damit ihre Bedeutung abschwächen.

Im Flüchtlingslager erscheint dann ein Liebespaar: Zwei Mädchen halten sich an der Hand und die dritte plädiert für deren „Recht auf Liebe“. Da hätte ein Hetero-Paar durchaus gereicht – vielleicht wollten Regie (Anna Brass) und Ensemble auf die Verfolgungen von Homosexuellen in arabischen Gesellschaften und auch in der neuen „Heimat“ hinweisen.

Eine nächste Szene erzählt vom Tod eines Flüchtlings und das Schlaflied wird zum Totentanz (Musik: Jakob Rullhusen). Und so folgen die Szenen der Flüchtlinge unterwegs und der Jugendlichen in Deutschland aufeinander. Sie vermitteln die Gefühle hier und dort, und zeigen auch Überschneidungen zwischen den Gefühlswelten. Besonders intensiv wird das Stück, wenn Fragen gestellt werden, die in beiden Welten gelten. „Kennst Du das Gesicht Deiner Eltern?“, „In welcher Farbe möchtest Du begraben werden?“, „Woher kommen Träume?“. Ein Mädchen findet einen Ausweg: „Ich träum mich einfach weg.“ Eine andere liest Schönes in ihrem Tagebuch, während um sie Elend herrscht. Alle bekommen am Schluss neue Wörter, so wie Zaida sie sich anfangs gewünscht hat: „Die alten schmeißen wir über Bord!“ Sehr viel Beifall vom Publikum.

Nächste Aufführung am Sonntag, 30. Juni um 19 Uhr, Fabrik Heeder, Studiobühne II.

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