Brand im Zoo Krefeld: „Himmelslaternen“ sollen Feuer im Affenhaus ausgelöst haben

Drama im Krefelder Zoo : Verdächtige melden sich nach Feuer bei der Polizei

Der Brand im Affenhaus des Krefelder Zoos, bei dem mehr als 30 Tiere starben, soll durch brennende „Himmelslaternen“ verursacht worden sein. Am Nachmittag meldeten sich mehrere Verdächtige bei der Polizei.

  Im Krefelder Zoo ist in der Silvesternacht das Affenhaus in Flammen aufgegangen. Mehr als 30 Tiere starben, darunter fünf Orang-Utans, zwei Gorillas und ein Schimpanse, außerdem verendeten mehrere kleinere Affen, Vögel und Flughunde, wie Feuerwehr, Polizei, Staatsanwaltschaft und Zoo am Neujahrstag mitteilten. Die Ursache für den Brand sollen „Himmelslaternen“ sein, drei von ihnen wurden auf dem Parkplatz des Zoos gefunden. Auf einer stand die Aufschrift „Alles Gute fürs neue Jahr“. Das gaben die Ermittler auf einer Pressekonferenz am Mittwochmittag im Krefelder Zoo bekannt. Mehrere Laternen sollen an einem Ort in Krefeld aufgestiegen sein. Es gebe einen engen zeitlichen Zusammenhang zwischen der Sichtung der Laternen und der Meldung von Feuer am Dach des Affenhauses, sagte Gerd Hoppmann von der Krefelder Kriminalpolizei. Sollte sich die Vermutung der Ermittler erhärten, sei von fahrlässiger Brandstiftung auszugehen. Die Kripo suchte Zeugen und nimmt Hinweise unter der Telefonnummer (02151) 6340 entgegen.

Im Anschluss an die Pressekonferenz meldeten sich mehrere Personen bei der Polizei, die als Verursachers des Feuers in Frage kommen. Die Polizei hat diese Personen vernommen, die Angaben werden nun überprüft. Zudem wird der Brandort von einem Sachverständigen untersucht. Ergebnisse will die Polizei erst am Donnerstag bekanntgeben.

<aside class="park-embed-html"> <blockquote class="twitter-tweet"><p lang="de" dir="ltr">Im <a href="https://twitter.com/hashtag/KrefelderZoo?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw">#KrefelderZoo</a> haben sich in der Silvesternacht schlimme Szenen abgespielt. Das <a href="https://twitter.com/hashtag/Affenhaus?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw">#Affenhaus</a> brannte komplett ab, viele Tiere verendeten. Ein Augenzeugen-Video zeigt, wie heftig die Flammen wüteten. <a href="https://t.co/xYhQrPLnq6">https://t.co/xYhQrPLnq6</a><a href="https://twitter.com/hashtag/Krefeldzoo?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw">#Krefeldzoo</a> <a href="https://t.co/5bGZx1xPcI">pic.twitter.com/5bGZx1xPcI</a></p>&mdash; Rheinische Post (@rponline) <a href="https://twitter.com/rponline/status/1212370721474797568?ref_src=twsrc%5Etfw">January 1, 2020</a></blockquote> <script async src="https://platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script> </aside>
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„Himmelslaternen“ sind fliegende Lampions, die aus China stammen. Sie bestehen aus einer Brennvorrichtung, die von einem Papierkörper umgeben ist. Durch die Hitze können sie weit durch die Luft schweben. Seit 2009 sind sie in NRW verboten, da es bereits mehrere Brände gab, die durch die Laternen ausgelöst wurden. In Siegen starb an Pfingsten 2009 ein zehn Jahre alter Junge bei einem Brand in einem Wohnhaus, der durch die Laternen ausgelöst wurde.

Zoodirektor Wolfgang Dießen sagte bei der Pressekonferenz, dass große Trauer unter Mitarbeitern und Pflegern herrsche. Es habe enge Bindungen zu den Tieren gegeben, er selbst habe  Gorilla „Massa“ altern sehen, sagte Dießen. „Er war trotz seines Alters ein würdiges Tier“, sagte der Zoo-Chef. Die Mitarbeiter des Zoos müssten nun teilweise seelsorgerisch betreut werden.

Zwei Schimpansen haben den Brand leicht verletzt überlebt: „Bally“ und „Limbo“ konnten gerettet werden. Wie die beiden Schimpansen überlebt haben, ist Einsatzleiter Kai Günther nicht klar. "Aufgrund des ersten Bildes bin ich davon ausgegangen, dass keine Maus in dem Gebäude überlebt hat".

Auch für die Erhaltung der Arten sei der Brand ein Verlust. Das Affenhaus sei in den 70er-Jahren weltweit führend in der Tierhaltung gewesen.

Eine Brandmeldeanlage habe es nicht in dem Affenhaus gegeben, die sei auch technisch bei der Bausubstanz nicht möglich gewesen, erklärt die Feuerwehr. Würde man das Affenhaus neu bauen, würde es aber sicher mit einer Brandmeldeanlage geplant werden. Der Wachdienst des Zoos, der an dem Abend im Einsatz war, habe das Feuer nicht frühzeitig bemerkt. Der Brand habe sich auch schnell ausgebreitet, sagte der Zoodirektor. Warum das Feuer so schnell um sich griff, ist noch unklar. Der Zoo erfahre derzeit eine hohe Unterstützung von anderen Zoos aus aller Welt, sagte Dießen.

Die Feuerwehr berichtete, Anwohner hätten um 00.38 Uhr über den Brand informiert. Die Einsatzkräfte seien wenige Minuten später vor Ort gewesen. Beim ihrem Eintreffen habe das Affenhaus bereits im Vollbrand gestanden. Der Zoo schrieb auf seiner Facebookseite: „Eine unfassbare Tragödie hat uns kurz nach Mitternacht überrollt.“ Der Zoo bleibe daher am Mittwoch geschlossen. Man habe bereits zahlreiche Hilfsangebote erhalten und sei überwältigt von dem Mitgefühl: „Zur Zeit ist eine tatkräftige Hilfe am Brandort nicht möglich, da das Haus einsturzgefährdet und als Tatort von Brandsachverständigen und der Kripo abgesperrt ist“, berichtet der Zoo auf Facebook. Man sei aber dankbar über Spenden in jeglicher Höhe. Am 30. Dezember hatte der Zoo auf Facebook dazu aufgerufen, statt in Silvester-Böller lieber in den Bau des neuen Schimpansewaldes zu investieren.

In den Krefelder Zoo kommen über 400.000 Besucher im Jahr. Dort leben große Tierarten wie Elefanten, Leoparden und Nashörner. Das Affentropenhaus wurde den Zoo-Angaben zufolge im Jahr 1975 eröffnet. Die Grundfläche des Baus im Gewächshausstil lag bei 2000 Quadratmetern. Zuhause waren dort Orang-Utans, Schimpansen, Gorillas, Krallenaffen, Epauletten-Flughunde und Vögel. Bis 2020 sollten die Orang-Utans und Schimpansen noch Außenanlagen bekommen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Der Tag nach dem Affenhaus-Brand von Krefeld

(Mit dpa)