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Bordell: Stadt Krefeld setzt Frist für Schließung

Skandalgeschichte in Krefeld : Bordell - Stadt setzt Frist für Schließung

Das Klima wird frostiger, der Ton rauer: CDU-Ratsfrau Simone Römer lobt und kritisiert Oberbürgermeister Frank Meyer gleichermaßen. Seinen markigen Worten zur Bordellschließung müssten endlich Taten folgen.

Anfang des Jahres hatte sich Oberbürgermeister Frank Meyer für die Schließung des Bordells an der Mevissenstraße ausgesprochen. Zehn Monaten später läuft das Geschäft mit der Prostitution dort immer noch weiter. Ein Jahrzehnte währender Skandal hält an. Das will CDU-Ratsfrau Simone Römer nicht länger hinnehmen. Nach der jüngsten Nachricht, dass die Krefelder Polizei – wie sich jetzt herausstellte bereits vor zwei Jahren – Minderjährige aus dem Eros Center geholt hatte, schlugen die Wellen der Empörung besonders hoch.

Polizeipräsident Rainer Furth hat nie Zweifel daran gelassen, dass das Bordell mit Namen Crazy Sexy kein behüteter Ort für die anschaffenden Frauen sei und es in Zusammenhang mit Menschenhandel, Zwangsprostitution, Ausbeutung der Arbeitskraft und Ausnutzung einer Freiheitsberaubung erwähnt. „Auf dem Sektor sind wir mit 13 Fällen in zwei Jahren in einem schwer zugänglichen Milieu auf dem Niveau von Großstädten“, sagte Furth vor Monaten. Zur Einordnung sagte er nur ein Wort: „Bordell“.

Zur aktuellen Berichterstattung in der Rheinischen Post, im Eros Center seien minderjährige Prostituierte aufgriffen worden sowie zum damit verbunden SPD-Antrag im zuständigen Ausschuss für Verwaltung, Vergabe, Ordnung und Sicherheit, erklärte Ratsfrau Simone Roemer am Mittwoch: „Wir sind schockiert, aber nicht überrascht, dass im Bordell an der Mevissenstraße so etwas passiert. Die Polizei hat immer wieder darauf hingewiesen, dass dort kriminelle Machenschaften zu beobachten sind. Ein solcher Zustand ist nicht haltbar, und es ist gut, dass die Polizei hier wiederholt kontrolliert und eingeschritten ist. Das möchte ich ausdrücklich einmal loben. Ich erwarte nun einmal mehr, dass der Oberbürgermeister den Ratsbeschluss umsetzt, das Bordell an der Mevissenstraße zu schließen.“

Erst stelle sich Meyer als der große Aufklärer und Ordnungschef hin, er wolle das Bordell schließen und dann passiere nicht viel. Dass nun über neun Monate später noch nichts passiert sei und die Stadt laut Medien sprachlos sei, zeuge nicht davon, dass die Schließung die Toppriorität sein solle, wie es der Oberbürgermeister mit großen Worten erklärt habe, betonte Simone Römer.

Zum Hintergrund: Das Bordell wird seit Jahrzehnten geduldet, obwohl laut Planungsrecht dort kein Eros Center betrieben werden darf. „Spenden“ der Betreiber haben dafür gesorgt, dass die Verwaltung stets die Augen zudrückte. Meyer brachte die Zustände in Vergangenheit und Gegenwart durch einen Bericht seines Rechnungsprüfungsamtes ans Tageslicht. Die Staatsanwaltschaft erklärte die Vorgänge für verjährt. Eine strafrechtliche Verfolgung wegen des Verdachts der Korruption oder Bestechlichkeit hat seitdem niemand mehr zu befürchten.

Verfahrensrechtlich muss die Kommune vor einer Schließung des Bordellbetriebs einiges beachten: Die Stadtverwaltung Krefeld agiere sowohl auf Grundlage des Prostitutionsschutzgesetzes wie auf Grundlage der Landesbauordnung und des Baugesetzbuches. Bei den beiden ordnungsbehördlichen Verfahren werde die Stadt durch eine externe Rechtsanwaltskanzlei unterstützt. Die Anhörungsverfahren vor Nutzungsuntersagung liefen und würden in diesem Jahr beendet, berichtete Stadtsprecher Timo Bauermeister auf Anfrage unserer Redaktion.

Die Stadt hat dem Betreiber eine Frist genannt, bis wann er das Bordell schließen muss. „In den Anhörungsschreiben ist eine Frist zur Aufgabe der Bordellnutzung festgelegt worden“, bestätigte der Stadtsprecher. Wann die Frist abläuft, bleibt ungewiss. Eine entsprechende Anfrage unserer Redaktion blieb unbeantwortet. Die SPD verlangt Auskunft über den aktuellen Verfahrensstand in der Sitzung des Ordnungsausschusses am 31. Oktober.