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Booster-Impfung in Krefeld: Stadt pocht auf Sechs-Monate-Frist und schickt Leute weg

Menschen aus Impfzentrum weggeschickt : Ärger um Booster-Impfung in Krefeld – Stadt pocht auf Sechs-Monate-Frist

Bei einem Mann aus Krefeld fehlten nur fünf Tage – doch er wurde nach langem Warten vom Impfzentrum weggeschickt. Die Stadt begründet ihre Haltung mit der Erlasslage in NRW.

Mehrere unserer Leser haben uns von einer unangenehme Erfahrung beim Impfzentrum berichtet: Sie wollten sich boostern lassen, wurden dann aber nach langem Warten auf die Impfung unverrichteter Dinge weggeschickt, weil ihre Zweitimpfung  noch nicht sechs Monate zurücklag – in einem Fall fehlten nur fünf Tage. Warum diese Konsequenz, obwohl doch mittlerweile zu hören ist, dass Boosterimpfungen auch nach fünf Monaten  sinnvoll sein können? Die Stadt antwortete auf Anfrage: Weil die Erlasslage in NRW noch so ist, dass die Kommunen an die Sechs-Monate-Frist gebunden sind. Insofern ergeht noch einmal dringlich der Appell an alle Impfwilligen und  Boosterkandidaten, sich einen Online-Termin zu besorgen und  die Frist einzuhalten. „Wir haben auf unserem Portal www.krefeld/de/impftermin wieder zahlreiche Impf-Termine bis Ende Dezember freigeschaltet“, erklärte ein Sprecher der Stadt auf Anfrage.

Er äußerte Verständnis für den Unmut, zumal die Ständige Impfkommission (Stiko) mittlerweile eine Fünf- bis Sechs-Monatsfrist  für sinnvoll halte und dies auch öffentlich kommuniziert habe. „Die Stadt ist aber  noch an die Erlasslage in NRW gebunden“, heißt es in Krefeld, „derzeit gilt in NRW eine entsprechende Erlasslage für Booster-Impfungen, an die sich die Stadtverwaltung hält.“ Die Vorschläge der Stiko, wonach eine Booster-Impfung schon nach fünf Monaten sinnvoll sein könne,  seien in NRW noch nicht in eine entsprechende Erlasslage übergegangen.  Die Stadt betont weiter, in der entsprechenden Mitteilung der Stiko  heiße es, der Beschlussentwurf samt wissenschaftlicher Begründung  sei in dem vorgeschriebenen Stellungnahmeverfahren an die Bundesländer und die beteiligten Fachkreise gegangen, „die endgültige Empfehlung der Stiko für die Auffrischung einer COVID-19-Impfung bei Personen ab 18 Jahren erscheint zeitnah im Epidemiologischen Bulletin.“

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Der Vorgang bestätigt die grundsätzliche Kritik an der Informationspolitik der Stiko,  zur Verunsicherung der Menschen beizutragen: Die Änderung von Boosterfristen wird in Aussicht gestellt, die Umsetzung aber dauert –  den Leuten draußen ist dann kaum noch klarzumachen, warum die Erlasslage hinter der Stiko-Empfehlung hinterherhinkt.

Die Stadt benennt auch andere Gründe, warum das  Festhalten an der Sechs-Monats-Frist derzeit sinnvoll sei. Zurzeit seit das Ziel,  die besonders vulnerablen Gruppen zu schützen – Personen ab 70 Jahre, die  auch angeschrieben worden seien. „Die Stadt trägt mit ihrem Vorgehen Sorge dafür, dass diese Gruppen mit einem höheren Risiko für einen schweren Verlauf schnell geschützt werden.“ Die Verwaltung sagt  zu, sofort zu reagieren, wenn sich die Erlasslage des Landes ändere.

Ausdrücklich weist die Stadt darauf hin, dass impfende Ärzte freier  entscheiden können.  Für Boostern schon nach fünf Monaten seien demnach nicht die Impfzentren, sondern die niedergelassenen Ärzte  die richtigen Ansprechpartner.

Neben dem Boostern bleibe das Ziel der Stadt auch weiterhin, viele weitere Erstimpflinge zu überzeugen und auch Zweitimpfungen vorzunehmen, betonte der Stadtsprecher weiter.