Krefeld: Bombardier baut die Bahn

Krefeld: Bombardier baut die Bahn

Das kanadische Unternehmen Bombardier erhält den Auftrag für 19 SWK-Straßenbahnen. Dies gaben die Stadtwerke gestern offiziell bekannt. SWK-Chef Cirener erläuterte, was gegen Siemens und für Bombardier spricht.

45 Millionen Euro werden die SWK in 19 neue Niederflur-Straßenbahnen investieren. Dass Bombardier für sein Modell "Flexity Outlook" im Bieterkonsortium mit dem Düsseldorfer Unternehmen Vossloh Kiepe den Zuschlag erhält, war dem Gewinner und den zwei Verlierern der Auschreibung am 3. Dezember mitgeteilt worden. 14 Tage hatte daraufhin Siemens und Alstom die Möglichkeit eine Vergabebeschwerde einzulegen. "Das ist nicht passiert", sagte Cirener. Es sei ein "wirtschaftlich günstiges Angebot" gewesen, das Bombardier abgeliefert habe.

Für das Projekt wurden Fördergelder beim Land NRW beantragt — das Land gewährte fürs laufende Jahr einen Zuschuss in Höhe von 30 Prozent der gesamten Investitionskosten. Vossloh und Kiepe wird für die Elektrik der neuen Straßenbahnen mit einem Volumen von 30 Prozent am Gesamtprojekt zuständig sein. Gefertigt werden die Bahnen zwar in Bautzen und Wien. Christoph Klaes, Verkaufsdirektor bei Bombardier, unterstrich aber, dass sein Unternehmen die Fahrwerke im nordrhein-westfälischen Siegen produzieren lasse. Vossloh und Kiepe produziert in Düsseldorf. Ein Drittel der Produktion bleibt somit immerhin in Nordrhein-Westfalen.

Krefelder wollten Bombardier

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Die SWK folgen mit der Entscheidung für Bombardier dem Wunsch der statistischen Mehrheit: Im Sommer hatten 1000 Krefelder die Straßenbahnen auf dem Betriebshof besichtigen können. 59 Prozent entschieden sich nachher in einer Umfrage für Bombardier. Alle neuen Bahnen fahren mit Niederflurtechnik. Die Befragten hätten im Sommer durchweg die Stufenlosigkeit, Sitzkomfort und Geräumigkeit der Bahnen gelobt, sagte SWK-Vorstandsmitglied Carsten Liedtke.

Die neuen Straßenbahnen sind 30 Meter lang, 2,30 Meter breit, haben 52 Sitz- und 106 Stehplätze. Vier Motoren à 142 PS treiben die Bahn an. Die Digital-Anzeige ist mit orangefarbener Schrift hinterlegt ("Amber"-Farbe) — das ist für Sehbehinderte besser lesbar. Für die SWK war auch die Möglichkeit der Zwei-Richtungs-Bahn wichtig. Die Haltestelle Rheinstraße am Ostwall wird künftig "Crossover-Haltestelle" — Fahrgäste steigen links aus. Der persönliche Kontakt zum Kunden soll in den neuen Bahnen gewährleistet sein. Tickets können beim Fahrer gekauft werden — in Köln, wo Bombardier ebenfalls die Straßenbahnen stellt, können Tickets nur am Automaten gelöst werden.

Im September 2009 werden die ersten Bombardier-Straßenbahn in Krefeld rollen. Zunächst werden die Linien 041 (Tönisvorst — Fischeln) und 044 (Rheinhafen — Hüls) bestückt. "Danach bekommen wir zwei neue Bahnen pro Monat", erklärte SWK-Vorstandsmitglied Carsten Liedtke. Mitte 2010 soll die letzte im aktuellen Vertrag vereinbarte Bahn ausgeliefert sein, doch schon jetzt existiert eine Option der SWK auf 19 weitere Straßenbahnen. Die alten Bahnen werden ausrangiert. Ob sie verkauft werden (Asien, Afrika?), blieb gestern bei der Pressekonferenz noch offen.

(RP)