Krefeld: Bockumer sammelt Halbedelsteine am Rhein

Krefeld : Bockumer sammelt Halbedelsteine am Rhein

Der 75-jährige Krefelder Wolfgang Verbeek sammelt mit sicherem Blick Achate und andere Schmucksteine am Uerdinger Rheinufer, zersägt und schleift sie, um daraus Ringe, Armreife, Ohrstecker und Broschen in Silber zu fertigen.

Der Krefelder Wolfgang Verbeek hat wenige Semester Mineralogie und Geologie studiert. Das war ihm dann zu trist, und er sattelte auf Chemie um. Beruflich kam der heutige Pensionär dann zu den Bayer-Werken - und die liegen in Uerdingen bekanntlich am Rhein. "Bei meinen Spaziergängen am Fluss entdeckte ich zwischen den vielen Steinen am Ufer so manche kleine Kostbarkeit", berichtet der 75-Jährige im Gespräch mit unserer Zeitung. Auf seinem Tisch hat der überzeugte Naturwissenschaftler jede Menge geschliffene Halbedelsteine ausgebreitet. Manche sind sogar kunstvoll in silberne Armreife, Ohrstecker oder Broschen eingearbeitet. Die Unikate hat Verbeek, der für das Erlernen der handwerklichen Fertigkeiten einen Goldschmiedekursus der Volkshochschule besucht hat, in seiner kleinen Werkstatt im Keller für seine Frau und seine Tochter gefertigt.

Verbeek sieht die unscheinbaren Steine am Rheinufer. Erst die Nässe oder noch viel stärker der Schliff verdeutlichen auch einem Laien, dass die Achate, Quarzkiesel oder Eisenkiesel etwas Besonderes sind. Der 75-Jährige geht immer mit offenen Augen spazieren, und so findet er in seinen Urlauben auf Zypern, in den USA, in Griechenland am Peloponnes oder auf Lesbos Millionen Jahre altes versteinertes Holz oder Achate, die im Gegensatz zu denen vom Rhein nicht rötlich bräunlich, sondern eher gräulich gelb schimmern. "Durch das Schleifen wird verhindert, dass sich das Licht bricht und die Oberfläche matt scheint. Der Stein bekommt seinen Glanz. Dafür hat Verbeek sich einen so genannten Spirator gekauft. In dieser Trommelmaschine füllt er die Steine plus Wasser plus Siliziumcarbid ein und drückt auf den Startschalter. Dann dreht und rüttelt das Gefäß mit den Steinen, bis die Achate und Maaseier blitzeblank sind.

Am Rheinufer gesammelt und geschliffen: Achate mit ihrer typischen rötlich braunen Färbung. Foto: Strücken,Lothar

Die im Rhein zu findenden Eisenkiesel, so Verbeek, stammen aus dem Lahn-Dill-Kreis, wo im vorvorigen Jahrhundert Eisenerzlagerstätten ausgebeutet worden sind. Diese Eisenkiesel haben sich im Oberdevon vor rund 370 Millionen Jahren durch Vulkanismus gebildet. Sie sind also über die Lahn in den Rhein gelangt. "Die von mir entdeckten Achate stammen aus dem Hunsrück aus der Idar-Oberstein-Region und sind über die Nahe in den Rhein nach Krefeld geschwemmt worden", berichtet der promovierte Chemiker, der rund 30 Jahre lang bei Bayer in leitender Position tätig war.

Am Krefelder Rheinufer sind Halbedelsteine zu finden, die über Nebenflüsse wie Lahn und Nahe in den Rhein geschwemmt worden sind. Foto: Foto. Stephan kaluza

Mit dem Schleifen seiner Fundstücke ist es nicht getan. Im Keller an der Yorckstraße steht auch eine Diamantensäge mit einem feinen, nur 0,5 Millimeter dünnen, durch Wasser laufendem Sägeblatt. Damit schneidet der 75-Jährige sich seine Partien zurecht, aus denen er Cabochons herstellt. Unter einem Cabochon (französisch für "Nagelkopf") versteht man eine nicht facettierte, runde oder ovale Schliffform von Schmucksteinen, bei der die Unterseite flach und die Oberseite nach außen gewölbt ist. "Daraus lassen sich tolle Schmuckanhänger machen", erzählt Verbeek.

Wolfgang Verbeek legt die gesammelten Steine in einen Spirator, den er in seiner Werkstatt im Keller seines Hauses stehen hat. Foto: Strücken,Lothar

Der Krefelder hat sich auch mit synthetisch hergestellten Rubinen beschäftigt. Die sind sehr hart. Nach der Skala von Friedrich Mohs weisen die Kunststeine eine Neun von maximal Zehn auf. "Die synthetischen Rubine hat Bayer hergestellt, allerdings nicht Krefeld, sondern Leverkusen", berichtet der frühere Bayer-Beschäftigte.

(RP)
Mehr von RP ONLINE