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Bob Dylan - ein scheuer Weltstar zu Gast in Krefeld

Konzert am Donnerstag : Bob Dylan - ein scheuer Weltstar in Krefeld

Eigentlich ist die Folklegende aus den USA ein anspruchsloser Gast bei seinen Konzertauftritten. Einzige Ausnahme: Meist gilt absolutes Fotografier-Verbot für Presse und Crew. Morgen Abend tritt er im Königpalast auf.

Eigentlich ist die Folklegende Bob Dylan aus den USA ein anspruchsloser Gast bei seinen Konzertauftritten. Einzige Ausnahme: Meist gilt absolutes Fotografier-Verbot für Presse und Crew. Am Donnerstagabend tritt er im Krefelder Königpalast auf.

Mit Bob Dylan besucht nach Elton John der zweite wirkliche Weltstar Krefeld. Das Konzert mit dem legendären Musiker, der im vergangenen Jahr den Literaturnobelpreis verliehen bekommen hat, findet am Donnerstag im Königpalast statt. Es ist eines von sechs Konzerten in Deutschland. Knapp 5000 Karten sind verkauft; noch sind Karten zu haben.

Dylan-Fans dürfen sich auf ein gutes Konzert freuen - die Kritiken aus den vergangenen 14 Tagen für den 76-jährigen Sänger sind ausgesprochen positiv und voller Respekt vor der musikalischen und auch stimmlichen Leistung Dylans. Deutlich wird auch dies: Er ist, wie die "Stuttgarter Nachrichten" resümieren, "ein großartiger Künstler", aber eben auch "ein schwieriger Mensch".

Der Aufwand ist eines Stars würdig. Nach Angaben des Veranstalters bringen zehn Lastkraftwagen zwischen 150 und 200 Tonnen Material für den Bühnenaufbau. Mehr als 200 Mitarbeiter sind für Bühnenbau, Sicherheit und Catering im Einsatz. Die Betreuung des Weltstars selbst ist wenig aufwendig. Dylan gilt als anspruchslos während des Konzerts.

Das ist keineswegs selbstverständlich. Beyoncè beispielsweise fordert laut "Bild", dass ihre Garderobe hinter der Bühne exakt auf 22,2 Grad aufgeheizt sein müsse; über Madonna heißt es, sie erwarte rosa und weiße Rosen von einer bestimmte Länge (6 Inches = 15,24 Zentimeter). "Solche Wünsche hat er nicht", sagt Jardena Kifle, die für den Sparkassenpark das Konzert in Krefeld mit vorbereitet.

Einziger Sonderwunsch seit Jahrzehnten: In den Konzerträumen gilt für Presseleute Fotografierverbot. Selbst dem Orga-Team des Konzertes sind Selfies untersagt. "Er will sich ganz auf die Musik beschränken, kommt auf die Bühne, spielt und fährt wieder."

Wie und von wo er nach Krefeld kommt und in welchem Hotel er absteigt, ist nicht bekannt. Fest steht: Dylan absolviert mit seinen 76 Jahren eine Knochentour. Er war am 16. April in Wien, heute, Mittwoch, spielt er in Leipzig, am Donnerstag in Krefeld, am 21. in Bielefeld, am 22. in Nürnberg, am 23. in Baden-Baden. Danach geht es nach Italien - am 26. spielt er in Jesolo nahe Venedig.

Das Verbot von Fotos erstreckt sich nicht nur auf den Künstler selbst. Auch die Auf- und Abbauten der Bühne sollen nicht in Bildern festgehalten werden. Der Zugang zur Halle ist untersagt, die Anlieferung des Materials wird durch Sichtschutzmaßnahmen verdeckt.

Auch bei seinen Auftritten ist Dylan quasi zurückgezogen; Höflichkeits- und Begrüßungsfloskeln gehören wohl nicht zu seinem Repertoire. "Der alte Griesgram hat es noch drauf" titeln etwa die "Stuttgarter Nachrichten" in ihrem Bericht über Dylans Auftaktkonzert in Neu-Ulm am 12. April, wo der Songwriter das erste Mal nach der Verleihung des Nobelpreises in Deutschland auftrat.

Dylan, so heißt es, verschwende keine Zeit mit Geplauder: "Der Musiker betritt grußlos die Bühne und heißt sein Publikum auch später nicht willkommen. Während des Auftritts blickt er griesgrämig drein und zeigt ansonsten keinerlei Mienenspiel. Er verabschiedet sich ebenso grußlos." Fans oder Dylanolgen, wie die größten Fans genannt werden, dürfen sich als auf einen puristischen Abend freuen.

Musikalisch sind die Berichte der jüngsten Konzerte voller Respekt. Dylans Auftritt in Wien am 16. April vor 8.500 Zuschauern wurde von der österreichischen Presse gefeiert, die Wiener "Kleine Zeitung" schrieb von einem "wunderbaren Erlebnis"; bei drei mit viel Kraft vorgetragenen Liedern aus dem "großen amerikanischen Songbook" habe Dylan spontane Ovationen für seine ausdrucksstarke Stimme bekommen.

Die "Kronen-Zeitung" sprach von Dylans bestem Österreich-Konzert seit langer Zeit; in die Mischung aus Hits und Obskuritäten aus mehr als fünf Dekaden habe sich "tatsächlich ein ungewohnt intensiver Hauch an Spielfreude" gemischt. Der "Grandseigneur der Populärmusik" habe sich "auf seine unsterblichen Songs, eine gediegene Stilistik und seine einzigartige, auch im Spätherbst des Lebens noch eindringliche Singstimme" verlassen.

Freilich: Ein Dylan-Konzert ist offenbar immer auch eine Wundertüte. Die gleiche Kronen-Zeitung schreibt, ein Dylan-Konzert sei "jedes Mal ein riskanter Ritt durch unbekanntes Land"; manchmal spiele er ein "perfektes Set", manchmal "verunstaltet der Amerikaner sich und sein Kultwerk so dermaßen harsch, dass nur die unverbesserlichen Dylanologen ehrfürchtig vor dem großen Meister stehen". Es bleibt also spannend - auch für Bob Dylans Auftritt in Krefeld.

Zur Erhöhung der Sicherheit dürfen Veranstaltungsbesucher keine Taschen oder Rucksäcke, die "DIN A4" (21 x 29,7 cm) überschreiten, in den Königpalast mitnehmen. Ansonsten aber spielt die Sicherheit keine übergroße Rolle. Die Polizei wird kein Personal abstellen. Weder Straßensperren unter polizeilicher Aufsicht, noch Polizisten vor Ort wird es geben.

Karten fürs Konzert am Donnerstag, 20 Uhr, sind an der Abendkasse zu haben. Einlass ab 18 Uhr, Karten ab 61,64 Euro

(RP)