Prozess in Krefeld: Vater droht, Tochter von Balkon zu werfen - Drama um Abschiebung

Prozessauftakt in Krefeld : Vater drohte wegen Abschiebung, Tochter von Balkon zu werfen

Um die Abschiebung von sich und seiner Familie zu verhindern, soll ein Albaner in Krefeld damit gedroht haben, seine kleine Tochter in die Tiefe zu stürzen. Beim Prozessauftakt schwieg der Angeklagte.

Um die Abschiebung zu verhindern soll ein Familienvater aus Albanien gedroht haben, seine Tochter aus dem Fenster zu werfen. Außerdem wird ihm tätlicher Angriff auf Vollstreckungsbeamte vorgeworfen. Seit gestern muss er sich unter anderem wegen Geiselnahme vor dem Krefelder Landgericht verantworten.

Der Prozessauftakt vor dem Landgericht war nach wenigen Minuten bereits wieder zu Ende. Nach Verlesung der Anklageschrift sagte der Verteidiger, sein Mandant werde erst am zweiten Verhandlungstag aussagen. Zeugen waren noch nicht geladen.

SEK-Einsatz in Krefeld bei Widerstand gegen Abschiebung

In den Morgenstunden des 19. September waren Polizisten und Mitarbeiter der Ausländerbehörde an der Wohnung der Familie erschienen, um deren zwangsweise Abschiebung umzusetzen. Gegen die seit 2015 in Deutschland lebende Familie soll der richterlich festgelegte Abschiebebescheid umgehend umgesetzt werden. Der Flug nach Albanien war zu dem Zeitpunkt bereits gebucht. Schon im Vorfeld des Einsatzes sei die Familie mehrfach zur Ausreise aufgefordert worden, heiß es damals. Da sie dem nicht nachgekommen war, sollte die Abschiebung von Amts wegen erfolgen.

Damit, dass der Mann nach einem Messer greifen oder gar seine kleine Tochter als Druckmittel nutzen würde, um die Polizei zu vertreiben, hatte wohl keiner gerechnet. Der Mann, so war seinerzeit zu erfahren, spricht gut deutsch und arbeitete in einem Reitstall in Fischeln als Pferdepfleger in Festanstellung. Dort galt er als fleißig, zuverlässig, höflich, ruhig und sehr beliebt, berichten die Reitstallbetreiber im September, die vorhatten, auch seine Frau in Festeinstellung zu übernehmen. Er sei ein Vorbild von einem Mitarbeiter, der sogar Reiten gelernt hätte, um sich besser auf die Pferde einzustellen.

In der dritten Etage der Wohnung auf der Philadelphiastraße angekommen, sollen die Beamten von dem Angeklagten allerdings massiv angegangen worden sein. Nachdem man die Familie aufgefordert habe, ihre Sachen zu packen und die Wohnung zu verlassen, sei der Mann laut und verbal aggressiv geworden. Die Beamten hätten ihn fixieren wollen, dagegen habe er sich gewehrt. In der Diele der im dritten Stock gelegenen Wohnung habe er zunächst am Arm festgehalten werden können, sich dann aber losgerissen. Die Rangelei soll sich dann in das Wohnzimmer verlegt haben. Der heute 30-Jährige griff laut Anklagevorwurf ein Messer mit einer Klingenlänge von 25 Zentimeter von einer Fensterbank und richtete sie gegen einen der Polizisten. Als dieser seine Dienstwaffe zog und ihn aufforderte, das Messer fallen zu lassen, habe die Ehefrau sich eingemischt. Sie soll sich zwischen ihren Mann und die Waffe gestellt haben. Die Beamten wollten die Situation durch einen taktischen Rückzug entkräften und verließen die Wohnung.

Der Angeklagte soll dann seine knapp zwei Jahre alte Tochter gegriffen und über das Balkongeländer gehalten haben, um die Beamten vor dem Haus zu vertreiben. Er gab ihnen zu verstehen, dass er das Kind sonst fallen lassen würde.

Wenige Stunden später konnte der Angeklagte bei einem SEK-Einsatz festgenommen werden. Die Staatsanwältin sagte gestern, dass er das Leben des Kindes gefährdet habe.

Die Verhandlung wird am kommenden Mittwoch fortgesetzt. Unter den Zeugen ist auch die Ehefrau des Angeklagten. Auch ein psychiatrischer Sachverständiger nimmt teil. Das Gericht hat für das Verfahren insgesamt drei Verhandlungstage vorgesehen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: SEK-Einsatz in Krefelder Innenstadt

(ubg/dpa)
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