Krefeld: Wie kann eine Gasflasche explodieren?

Nach Explosion in Wohnung : Gasdose mit ungeahnter Sprengkraft

Mit einer handelsüblichen Abfüllflasche für Feuerzeuge soll ein junger Mann die Explosion an der Uerdingerstraße entfacht haben. Welcher Druck in solch einer Flasche steckt, erklärt ein Professor der Hochschule Niederrhein.

Ein Warnhinweis prangt auf den Nachfüllflaschen für Feuerzeuggas. „Entflammbar, Behälter steht unter Druck“, ist dort etwa zu lesen.

Solch eine handelsüblichen Nachfüllflasche für Feuerzeuggas war es, die in der Badewanne eines Krefelder Wohn- und Geschäftshauses, zu einer Explosion geführt habe. Das berichtet die Polizei.

Gerade einmal 20 Zentimeter sei die Flasche hoch gewesen. Ihre Wirkung war verheerend. Denn am Sonntag kam es gegen 17.43 Uhr zu einer Explosion in einem Wohn- und Geschäftshaus. Dabei wurde eine Wohnung komplett verwüstet, Türen und Fenster wurden aus ihrem Rahmen gesprengt – Glassplitter bedeckten die angrenzende Kreuzung. Rund zwei Stunden lang wurde die Umgebung des Gebäudes abgesperrt. Dass niemand verletzt wurde, grenzt dabei schon fast an ein Wunder.

Drei Verdächtige hatte die Polizei daraufhin festgenommen, die sich in der Wohnung aufhielten. Ein 18-Jähriger soll gestanden haben, mit dem Gas gezündelt zu haben. Das hatte die Polizei in einer gemeinsamen Pressemitteilung mit der Staatsanwaltschaft verkündet.

Danach habe der junge Mann erst das Feuerzeuggas auf dem gläsernen Wohnzimmertisch entzündet, das Feuer sei jedoch wieder erloschen. Auch bei einem zweiten Versuch, bei dem er Feuerzeuggas in die Badewanne strömen lassen wollte, sei nichts passiert. Daraufhin habe der 18-Jährige die Nachfüllflasche in die Wanne gelegt und darauf ein T-Shirt und eine Mülltüte entzündet. Die Flasche sei dadurch so stark erhitzt und entzündet worden, dass es zu einer heftigen Explosion kam. Ein Sachverständiger habe die Angaben des Mannes bestätigt. Mit solcher einer Wirkung, so habe es der junge Mann in seiner Vernehmung gesagt, habe er nicht gedacht.

Dass die Abfüllflaschen für Feuerzeuggas kein Spielzeug sind, wird nicht nur anhand der Warnhinweise deutlich.

„Beim Feuerzeuggas handelt es sich um Butan“, sagt Heyko Schultz. Er ist Professor im Fachbereich Chemie an der Hochschule Niederrhein und lehrt dort chemische Technik und Sicherheitstechnik. „Butan ist ein Alkan, ein brennfreudiges Gas und Flüssiggas. Bei durchsichtigen Feuerzeugen kann man beispielsweise eine Flüssigkeit erkennen“, erklärt der Wissenschaftler. „Wenn dieses Gas mit der Umbungungsluft in Kontakt kommt, bilde sich sehr schnell ein explosionsfähiges Gemisch.“ Für eine Explosion müssen jedoch drei Bedingungen gegeben sein – der Brennstoff, Sauerstoff und eine Zündquelle. Butan habe jedoch eine Explosionsgrenze, die erst bei einer bestimmten Mischung aus Luft und Gast erreicht wird. Liegt das Verhältnis von Luft und Gas unter oder über diesem Spielraum, kommt keine Explosion zustande. „Bei optimalen Bedingungen kann ein Druck von 9,4 Bar durch Feuerzeuggas erreicht werden“, sagt Schultz. Die Sprengkraft sei zwar deutlich kleiner als von Dynamit oder einer Handgranate, habe aber dennoch eine starke Wirkung. „Den Druck kann man sich so vorstellen: Wenn man 90 Meter in die Tiefe taucht, hat man eine Wassersäule auf sich lasten, die etwa dem Wert entspricht“, sagt Schultz und fügt hinzu: „Oder man denke an das Luftablassen eines Autoreifens. Der dreifache Druck eines Reifens, der sich plötzlich entlädt, entspricht dem Wert.“

Wenn das Feuerzeuggas ordnungsgemäß verwendet wird, dürfte es laut dem Wissenschaftler keine Gefahr geben: „Wer auf Nummer sicher gehen will, kann das Abfüllen auf dem Balkon oder im Garten vornehmen“, rät er. Außerdem könne darauf geachtet werden, dass die Flasche dicht auf dem Feuerzeug aufsetzt, damit kein Gas entweicht. Das Abfüllen sollte nicht in der Nähe einer heißen Herdoberfläche geschehen oder etwa während des Rauchens gemacht werden.

„In den Warnhinweisen wird darauf hingewiesen, dass die Flasche nicht erhitzt werden soll“, sagt auch ein Sprecher der Feuerwehr. „Das heißt sie soll nicht an eine Wärmequelle gebracht werden. Die Dose auf einem Kaminofen abzustellen, wäre also problematisch. Mit der Wirkung ist nicht zu Spaßen.“ Am Tag der offenen Tür zeige die Feuerwehr immer wieder, was passiert, wenn einfache Spraydosen durch Hitze zerknallen.

Der 18-Jährige, der in der Krefelder Wohnung gezündelt haben soll, ist laut Polizeiangaben ohne festen Wohnsitz und bereits polizeilich bekannt. Er sollte am Montag auf Antrag der Staatsanwaltschaft wegen Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion einem Haftrichter vorgeführt werden.

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