Krefeld: Mann zündet sich vor Landgericht an - Tod im Krankenhaus

Vorfall vor Krefelder Landgericht : Mann stirbt nach Selbstverbrennung

Der Mann, der sich vor dem Krefelder Landgericht selbst angezündet hat, ist gestorben. Der 43-Jährige hatte mit seiner Tat Ende Februar für Aufruhr in der Stadt gesorgt. Sein Motiv ist immer noch unklar.

Der 43-jährige Mann, der sich am 20. Februar vor dem Landgericht in Krefeld selbst angezündet hatte, ist am Freitagmorgen in einem Duisburger Krankenhaus seinen schweren Verbrennungen erlegen. Wie die Polizei weiter mitteilt, wird es auf Antrag der Staatsanwaltschaft Duisburg zur Klärung der Todesursache eine Obduktion geben. Es ist unklar, ob der Mann sich aus persönlich-psychischen oder aus politischen Gründen selbst angezündet hat.

Der Mann war der Justiz bekannt. Gegen ihn lief ein Berufungsverfahren zu einem Urteil des Amtsgerichts Krefeld. Das hatte den Mann wegen Sachbeschädigung und Körperverletzung verurteilt. Bei einem Prozess vor zwei Jahren war er angeklagt, weil er das Handy seiner Ex-Frau zerstört haben soll. Im Prozess soll er dann einen Polizisten angegriffen haben und wurde deswegen vom Amtsgericht zu 1550 Euro Geldstrafe verurteilt.

Das Berufungsverfahren war ausgesetzt worden, weil ein Gutachten über die Schuldfähigkeit des 43-Jährigen erstellt werden sollte. Es habe Hinweise auf eine psychische Erkrankung des Mannes gegeben. Ob es einen Zusammenhang zwischen dem Prozess und der Selbstanzündung gibt, ist nicht geklärt.

Möglicherweise hatte die Aktion auch einen politischen Hintergrund. Nach Erkenntnissen der Polizei sympathisierte der Mann mit der PKK. Die PKK ist eine Untergrundorganisation, die in der Türkei für einen autonomen Kurdenstaat kämpft. Deutschland stuft sie als Terrororganisation ein. Laut Polizei hat der Mann in der Vergangenheit an zwei pro-kurdischen, nicht angemeldeten Versammlungen in Düsseldorf teilgenommen. Nach der Selbstverbrennung hatten etwa 50 kurdische Aktivisten vor dem Krefelder Gerichtsgebäude eine Mahnwache abgehalten. Die Gruppe zeigte ihre Solidarität mit dem verbrannten Mann. Ein Bekannter des 43-Jährigen gab an, dass dieser keine psychischen Probleme gehabt habe. Vor seiner Tat soll er seine Motive aufgeschrieben haben. Den Brief habe er einem Freund gegeben.

In dem Schreiben, das unserer Redaktion vorliegt, heißt es: „Ich protestiere gegen die Isolation Abdullah Öcalans und grüße meine hungerstreikenden Genossinnen und Genossen, die das Leben so sehr lieben, dass sie bereit sind, dafür zu sterben.“ Und weiter: „Um die Existenz des kurdischen Volkes gegenüber denjenigen zu verteidigen, die glauben, die Kurdinnen und Kurden mit dem internationalen Komplott vernichten zu können, werde ich den würdevollsten Akt des Widerstands leisten.“

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