Krefeld: Geisterfahrer wegen mehrfachen versuchten Mordes vor Gericht

Mordprozess in Krefeld : Angeklagter schweigt zu Vorwürfen der Staatsanwaltschaft

Weil er absichtlich als Geisterfahrer über die Autobahn gerast sein soll, steht ein 26-Jähriger wegen mehrfachen versuchten Mordes in Krefeld vor Gericht. Die Tat sei heimtückisch gewesen und die Tatwaffe Auto ein „gemeingefährliches Mittel“, so die Staatsanwältin.

Ein 26-Jähriger soll mehrfach mit dem Auto in den Gegenverkehr gefahren sein und damit Menschenleben gefährdet haben. Die Staatsanwaltschaft geht von versuchtem Mord aus. Möglicherweise ist der Mann schuldunfähig und muss dauerhaft untergebracht werden. Gestern hat das Sicherungsverfahren vor dem Krefelder Landgericht begonnen. „Er hat versucht, heimtückisch und mit gemeingefährlichen Mitteln Menschen zu töten“, heißt es in der Antragsschrift. Am 8. Juni 2017 sei der Mann in der Absicht, einen Unglücksfall herbeizuführen, auf der Hückelsmeystraße auf die Gegenfahrbahn gefahren. Eine Autofahrerin habe ihre Geschwindigkeit zunächst von 70 auf 50 km/h gedrosselt, habe dann aber eine Vollbremsung machen und  auf den Grünstreifen ausweichen müssen. Dann habe der Beschuldigte erneut versucht, einen Zusammenstoß zu provozieren. Der nächste Wagen wich auf ein Feld aus. Er habe sich so selber das Leben nehmen wollen, aber auch den Tod einer unbestimmten Personenzahl in Kauf genommen.  

Der 26-Jährige wollte zu dem Geschehen gestern vor Gericht keine Angaben machen. Er wirkte ruhig und tauschte sich immer wieder leise mit seinem Verteidiger aus. Eine Zeugin gab an, der Mann habe sie überholt und sei mit seinem Wagen vor einen Baum gefahren. Weitere Zeugen berichteten, dass er dann versuchte, auf mehrere fahrende Autos zu springen. Das sei ihm in einem Fall gelungen. Bei einem weißen PKW habe sich erst an der Motorhaube festgehalten und sei kurz darauf auf dem Dach des fahrenden PKW gesehen worden. „Der Fahrer hat versucht, ihn  abzuschütteln“, sagte ein Taxifahrer, der den Vorfall beobachtete. 

Der Mann könnte aufgrund einer Schizophrenie schuldunfähig sein und wird möglicherweise dauerhaft untergebracht. Die Mutter des jungen Mannes soll die Polizei angerufen haben nachdem er angekündigt hatte, sich das Leben zu nehmen und in das Auto stieg. Der 26-Jährige soll seit der Kindheit psychisch auffällig und schon mehrfach in Behandlung gewesen sein. Die Verhandlung wird am 18. Dezember fortgesetzt.

(BL)