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Krefeld: Blaue Herde und weiße Kunst

Krefeld : Blaue Herde und weiße Kunst

Die Herde von Blauschäfer Rainer Bonk ist auf ihrer Friedenstournee in Krefeld angekommen. Die Galerie Heidefeld präsentiert die Aktion für Toleranz. Bereichernd dazu sind weiße Bilder von Bertamaria Reetz.

Die blauen Schafe hätten Antoine de St. Exupéry gefallen. Sie könnten Freundschaft geschlossen haben mit dem Kleinen Prinzen. Für seine Weltenwahrheiten wie "Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar" hat er nun am Ostwall die sichtbare Bestätigung. Denn in der Ausstellung, die Egon Heidefeld in seiner Galerie und im benachbarten Teppichhaus Küstermann präsentiert, geht es um "Die blaue Herde" und um "Das Wesentliche" – und beides ergänzt sich in den Arbeiten des Künstlerpaares Rainer Bonk und Bertamaria Reetz in inniglichem Einverständnis.

Die knallblauen, etwa kniehohen Schafe erobern den Blick auch der wenig kunstinteressierten Passanten. Auf das strahlende Ultramarin hat Rainer Bonk sich ein Patent erteilen lassen. Als "Blauschäfer" schickt der 65-Jährige seine Herde aus Polyesterharz seit drei Jahren auf Tournee. Vor dem Berliner Schloss und bei der Biennale in Venedig, im Essener Gruga-Park und im Schlosspark Neersen hat er seine Tiere bereits aufgestellt – als Hingucker und als Botschafter für tolerantes Miteinander. "Alle sind gleich – jeder ist wichtig", ist Bonks Credo. Und jede Stadt, in der seine Tiere auftauchen, bezieht er ein in seine Tournee. Als erkennbares Zeichen verbleibt immer ein Blauschaf im Rathaus. Bonks Ziel: Er möchte eine Herde auf den Golanhöhen aufstellen, israelische und palästinensische Kinder sollen sie von der einen auf die andere Seite der Grenze tragen.

Wer vom markanten Blau und der knuddeligen Form der Tiere aufsieht, entdeckt "Das Wesentliche": Buchstaben bilden den Schriftzug mitten durch die Herde. Er gilt den Arbeiten von Bertamaria Reetz. Die 58-Jährige hat unter anderem an der Düsseldorfer Kunstakademie bei Professor Siegfried Cremer studiert – und dessen Einfluss ist unübersehbar. Die weißen Bilder, die manchmal wie weiterentwickelte Gedanken von Herbert Zangs wirken, fordern Aufmerksamkeit. Hier muss man sich einlassen. Erst dann öffnet sich der Blick für die verschiedenen Arten von "Weiß". Die Farbe erhebt sich kugelförmig auf dem ebenfalls weißen Untergrund oder überzieht die Leinwand wie handgesponnene Schnüre. Monotonie vermeidet Reetz, weil alles individuell handgeformt ist. Je länger das Auge auf dem vermeintlich schlichten Bild ruht, desto stärker wird die Spannung, die von den Arbeiten ausgeht. Die Stärke der Bilder nimmt nur wahr, wer sich auf die leisen Töne einstellt.

Ein Bild fällt heraus: eine frühere Arbeit aus der Reihe "Gesichter – schwarz-weiß". Ein überlebensgroßes Antlitz hat Reetz aus den "Graten und Kratern" ihrer pastos aufgetragenen Malschichten geschaffen. Und doch bleibt das Gesicht vage, die Züge sind verwischt, es geht nicht ums Individuum. Sondern um das Wesentliche. Und da ist weniger sehr viel mehr.

(RP)