Krefeld: Blackmore's Night mag's schummerig

Krefeld : Blackmore's Night mag's schummerig

Blackmore's Night und ihre Minstrels ernteten den ersten Applaus bereits, als sie die Holzbrücke über den Burggraben herab zur Bühne schritten. Das Künstlerduo sparte eisern an der Bühnenbeleuchtung, nur die Sängerin war stets zu sehen.

Ritter sah man keine, als die Band Blackmore's Night am Freitag das Rasenrund vor der Burg Linn mit mittelalterlich inspirierten Klängen beglückte. Aber jede Menge mittelalterlicher Bauern und Handwerker und Spielleute hatten sich unter das zeitgenössische Volk gemischt, auch ein paar Burgfräuleins. Etliche waren ganz in Schwarz gekommen, insgesamt aber war das Publikum - zwischen 17 und 70 und meist über 50 Lenze zählend - so bunt wie das richtige Leben. Sogar ein einzelnes Cocktailkleid wurde gesichtet.

Thomas Roth, seit Jahrzehnten Impulsgeber der Mittelalter-Rock-Szene in Deutschland und nicht zuletzt auch für die Band des Ex-Deep-Purple-Gitarristen Ritchie Blackmore und seiner Frau Candice Night, eröffnete das Konzert - auch das bereits ein Stück Tradition. Mit neu formiertem Trio, seiner meisterlich beherrschten Schlüsselfiedel, dem Lied "Mammon" gegen die Gier und die Überheblichkeit, die oft mit zuviel Reichtum einhergeht, und dem immergrünen Bots-Gassenhauer "Was wollen wir trinken, sieben Tage lang?" entfachte er die rechte Stimmung auf dem praktisch ausverkauften Platz.

Blackmore's Night und ihre Minstrels ernteten den ersten Applaus bereits, als sie die Holzbrücke über den Burggraben herab zur Bühne schritten. Eigentlich mögen sie diesen langen Weg nicht, aber er wirkte wie eine geschickte Inszenierung zur Steigerung der Vorfreude. Los ging's mit "The Dancer And The Moon", einer forschen Pop-Nummer, die wenig mittelalterlich klang, hauptsächlich vom glockenhellen Gesang der Candice Night und einem recht modernen Keyboard-Sound lebte, aber glänzend ankam. Darauf folgte die langsame Ballade "Darkness", als wollte sie erklären, warum man so wenig von der Band sah. Das Künstlerpaar lebt nämlich nicht nur gern in farblich dunkel gehaltenen Räumen, sondern sparte auch eisern an der Bühnenbeleuchtung. Nur die Sängerin war in der einbrechenden Dämmerung immer klar erkennbar, Gitarrist Blackmore blieb selbst bei seinen nach wie vor bemerkenswerten Soli meist im Dunkeln, und erst recht die übrigen, teilweise ganz neu eingestiegenen Band-Mitglieder. "Alle ssussamen" hieß es dann, und das Publikum ließ sich nicht zweimal bitten: "Under A Violet Moon" erklang mit großem Begleitchor, dessen Mitglieder nicht nur aus Krefeld gekommen waren. Auch aus nahegelegenen Städten wie Mönchengladbach und Köln waren Gäste angereist und beinah an den zerrissenen Straßenbahnverbindungen in der Seidenstadt gescheitert. Und neben rheinischem und hohem Deutsch konnte man Niederländisch, Englisch und Französisch hören. "Soldier Of Fortune", ganz sensibel vorgetragen, "World Of Stone" mit einem Mönchschor im Intro und eine nur vom Duo Blackmore und Night vorgetragene, gegenseitige Liebeserklärung waren weitere Höhepunkte vor der stimmungsvollen Kulisse der illuminierten Burg.

(RP)
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