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"Black lives matter"-Demonstration in Krefeld mit bewegender Rede

Anti-Rassismus-Demonstration in Krefeld : Bewegende Rede bei Kundgebung gegen Rassismus

Mehr Menschen als erwartet nahmen am Samstag an einer „Black lives matter“-Demonstration gegen Rassismus teil. Mitorganisatorin Luam Kessette, Vorsitzende des Jugendbeirates in Krefeld, hielt eine bewegende Rede.

Von Sven Schalljo

Rund 250 Menschen versammelten sich auf dem Theaterplatz zu einer Kundgebung gegen Rassismus. Viele trugen schwarze T-Shirts. Foto: Sven Schalljo

Nachdem in den vergangenen Tagen bereits in vielen deutschen Städten Kundgebungen stattgefunden hatten, in denen sich Menschen den „Black lives matter“-Protesten gegen Rassismus in den USA anschlossen, rief das Bündnis für Toleranz und Demokratie mit dem Jugendbeirat für Samstag ebenfalls zu einer solchen Kundgebung auf. Die für 100 Teilnehmer angemeldete Demonstration mit Auftaktveranstaltung auf dem Theaterplatz und Auflösung am Bahnhof zog mehr als doppelt so viele Aktivisten an. Rund 250 Demonstranten, unter ihnen auch Vertreter der Politik rund um Oberbürgermeisterkandidat Thorsten Hansen (Grüne), waren gekommen. Sie hielten sich penibel an die Corona-Abstandsregeln und trugen fast durchgehend schwarze Oberteile. Dazu hatten die Veranstalter aufgerufen.

Mitorganisatorin Luam Kessette, Vorsitzende des Jugendbeirates in Krefeld, ergriff zuerst das Wort. In einer eindrücklichen und oft emotionalen Rede berichtete die selbst dunkelhäutige 19-Jährige, dass auch in Deutschland Rassismus unvermindert ein Problem sei. „Ich bin Deutsche, in Deutschland geboren und aufgewachsen. Aber struktureller Rassismus begegnet mir von klein auf täglich. Schon im Kindergarten wurde ich abschätzig angesehen. Wenn ich in ein Schmuckgeschäft gehe, stehe ich unter Generalverdacht, und plötzlich beobachtet mich jeder Angestellte. Die anderen Kunden sind fast egal. Mir wurde schon als Kind beigebracht, dass ich härter arbeiten muss, als alle anderen, um das gleiche zu erreichen“, sagte die junge Frau, die in ihrer Rede immer wieder spürbar angefasst wirkte.

Noch deutlicher wurde Elisabeth Völlings von der Seebrücke. „Mir ist die Freude, ans Mittelmeer zu fahren, vergangen. Über 20.000 Menschen sind dort gestorben – offiziell. Es ist zu einem Massengrab und Mahnmal für Rassismus geworden“, sagte sie und fuhr fort: „Mit Weißen wäre das sicher nicht passiert.“

Auch das SPD-Ratsmitglied Halide Özkurt oder Hansen stimmten ein und erinnerten an die Anschläge von Hanau. „Wir müssen den Begriff ‚Rasse‘ im Grundgesetz überarbeiten“, forderte Özkurt. Es folgte eine acht Minuten und 46 Sekunden lange Schweigeminute. So lange hatte der Polizist in Minneapolis auf dem Nacken des dunkelhäutigen George Floyd gekniet. Dieser flehte immer wieder, er könne nicht atmen, und kam schließlich zu Tode. Die Demonstranten knieten sich dafür hin, einige erhoben den Arm. Ob der langen Zeit allerdings wurden manche Arme sichtbar schwer.

Zum Schluss zogen die Demonstranten durch die Stadt zum Hauptbahnhof, wo weitere Reden folgten. Dabei gruppierten sie sich in Fünferreihen um auch alle Regeln der Corona-Prävention einzuhalten.