Krefeld: Bezirksvorsteher Tacken wegen "Roggekamp-Posse" in Defensive

Krefeld: Bezirksvorsteher Tacken wegen "Roggekamp-Posse" in Defensive

Heftige Kritik musste der Bezirksvorsteher von Oppum/Linn, Hansjürgen Tacken, von den Mitgliedern des Bürgervereins Oppum einstecken. Tacken verließ nach der Diskussion vorzeitig die Veranstaltung.

Mit einem Sturm der Entrüstung musste sich Oppums Bezirksvorsteher Hansjürgen Tacken (SPD) jetzt bei der Jahreshauptversammlung des Bürgervereins Oppum auseinandersetzen. "Ich bin selten so enttäuscht worden, wie von Ihnen", formulierte Oppums Urgestein und Mühlen-Retter Franz-Josef von der Hocht in Richtung Tacken und bekam dafür anhaltenden Applaus der Mitglieder, aus deren Reihen - auch Tacken meinende - Sätze wie "Der Mann hat keinen Anstand" und "Oppum wurde in der ganzen Stadt blamiert" zu hören waren.

Grund für die Kritik am Bezirksvorsteher, der den Abend über alleine an einem Tisch saß, war dessen umstrittene Aktion, den Namensvorschlag des Bürgervereins für die Neubenennung einer Straße im Oppumer Kamp-Wohngebiet mit einem eigenen Vorschlag auszuhebeln. Tacken selber hatte dem Bürgervereins-Vorstand bis zur aktuellen Hauptversammlung angehört und war, wie alle Vorstandsmitglieder, in die Erarbeitung des Vorschlags "Bockertskamp" mit eingebunden gewesen. Wie berichtet, hatte der Bürgerverein unter Führung von Thilo Forkel (CDU) der Bezirksvertretung Oppum/Linn "Bockertskamp" vorgeschlagen, unterlag aber bei der Abstimmung knapp der Tacken-Kreation "Roggekamp". Tacken hatte seinen Vorschlag damit begründet, das krieewelsche Wort "Bockert" sei für Neu-Zugezogene nicht zu verstehen. Diese Ansicht verteidigte der SPD-Mann jetzt erneut bei der Hauptversammlung - sehr zum Unverständnis der Mitglieder. "Ich wollte eine Namensgebung, die für Auswärtige nicht so absonderlich ist", sagte Tacken. Gegenfrage von Frank Wübbeling, der später zum neuen Vorsitzenden des Bürgervereins gewählt wurde: "Soll man jetzt das Krieewelsche Platt abschaffen, weil Zugezogene es nicht verstehen?"

Werner Siebertz, langjähriger CDU-Ratsherr und letztes noch lebendes Gründungsmitglied des Bürgervereins Oppum sagte, ihm ginge es in seiner Empörung über den Vorgang weniger um den Straßennamen an sich, sondern um die Vorgehensweise Tackens. "Es ist in Krefeld vornehmer Brauch, dass die Bürgervereine darum gebeten werden, für neue Straßennamen einen Vorschlag zu erarbeiten, und die Bezirksvertretung dann zustimmt." Tacken habe mit seiner Aktion jedes Fingerspitzengefühl vermissen lassen. "Welcher Teufel hat Sie geritten?", fragte Siebertz.

  • Fotos : Dachstuhlbrand in Krefeld-Oppum

Hansjürgen Tacken verließ nach der Diskussion vorzeitig den Saal und gab seinen Posten im Bürgervereins-Vorstand auf.

Die Verwaltung hat signalisiert, dass es trotz des Wirbels um die Namensfindung bei der Entscheidung für "Roggekamp" bleiben soll. Damit ist der Roggen dann im Wohngebiet gleich zweimal vertreten, wie ein Krieewelsch-Kenner des Bürgervereins anmerkte: Denn "Kore" aus "Korekamp" sei das krieewelsche Wort für Roggen.

(RP)