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Krefeld: Bewegendes zum Gedenken an die Reichspogromnacht

Krefeld : Bewegendes zum Gedenken an die Reichspogromnacht

Mit dem Appell, immer wieder Worte des Erinnerns zu finden, auch wenn es schwerfällt, über die grässlichen Vorfälle vor 79 Jahren zu reden, hat Oberbürgermeister Frank Meyer bei einer Zeremonie an der Petersstraße an die Reichspogromnacht am 9. November 1938 erinnert. In dieser Nacht wurden deutschlandweit Juden misshandelt und Synagogen zerstört. In Krefeld traf es die Synagogen in der Stadt, in Hüls, Linn und Uerdingen.

Meyer fand bewegende Worte über die Not des Erinnerns und zitierte Augenzeugenberichte wie den von Inge Wolfssohn. Sie erlebte als 13-Jährige, wie am Morgen des 10. Novembers der Schulhof des Mädchengymnasiums (heute "Ricarda Huch") mit der Asche verbrannter Bücher übersät war und sie von Mitschülern verhöhnt wurde, sie solle doch die hebräischen Worte übersetzen. Meyer beendet seine Lesung mit den Worten: "Niemals wieder."

Michael Gilad, Vorsitzender der jüdischen Gemeinde betonte dankbar die positiven Entwicklungen im Zusammenleben der Religionen, ging aber auch auf das Erstarken der Rechten ein. "Im Bundestag sitzen Menschen, die solche Erinnerungen am liebesten nicht fortsetzen wollen, aber das braucht uns hier nicht zu erschrecken; wir haben viele Freunde hier", sagte er. Dankbar zeigte er sich auch dafür, dass Krefelder Fundstücke aus der jüdischen Geschichte an die jüdische Gemeinde weiterleiteten - jüngster Fund: Es soll eine Turmspitze der zerstörten jüdischen Synagoge an der Petersstraße aufgetaucht sein. Nach einem Gebet des Krefelder Rabbiners Wagner beendete Gilad den offiziellen Teil der Zeremonie mit dem Kaddish-Gebet, einem der wichtigsten Gebete im Judentum, in dem es um den Lobpreis Gottes ebenso geht wie um Trauer um die Toten.

(vo)