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Beinahe-Katastrophe: 13 Krefelder vergiftet

Kohlenmonoxid : Beinahe-Katastrophe: 13 Krefelder vergiftet

13 Personen, die an einer Familienfeier in einer Wohnung an der Martinstraße teilgenommen hatten, befinden sich zur Behandlung wegen einer Kohlenmonoxid-Vergiftung in Krankenhäusern in Düsseldorf und Gelsenkirchen. Sieben von ihnen hatten mit eindeutigen Symptomen das Helios aufgesucht.

Kohlenmonoxid ist tückisch: Es ist farb- und geruchlos sowie geschmacksneutral und im schlimmsten Fall tödlich. Das Atemgift erzeugt zunächst so gut wie keine Reizungen. Deshalb werden die Folgen erst spät bemerkt. Sieben Personen, die am  Samstag an einer Familienfeierlichkeit in Krefeld teilgenommen hatten, suchten mit eindeutigen Symptomen wie Kopfschmerzen und Übelkeit das Helios-Klinikum auf. Dort berichteten sie von ihrer geselligen Runde in einer Wohnung an der Martinstraße. Dort sei unter anderem auf einem Kohleofen Kaffee gekocht worden.

Bei den behandelnden Ärzten läuteten alle Alarmglocken. Sie verständigten sofort die Krefelder Berufsfeuerwehr und den Rettungsdienst, um den Gesundheitszustand  weiterer Personen aus der Runde prüfen zu lassen. Sie hatten die berechtigte Sorge, dass auch andere Teilnehmer der Familienfeier eine Kohlenmonoxi-Vergiftung erlitten haben könnten.

Der Notruf ging am Samstag um 20:45 Uhr in der Leitstelle ein. An der Martinstraße wurden drei weitere Personen mit erhöhten Kohlenmonoxid-Werten angetroffen. Sie wurden ebenfalls rettungsdienstlich versorgt und in ein Krankenhaus transportiert. Nach der bereits durchgeführten Lüftung der Wohnung konnte die Feuerwehr kein CO mehr in der Raumluft messen.

Johanniter, Malteser und Rotes Kreuz kümmerten sich um 13 Vergiftete. Foto: Samla Fotoagentur/samla.de

Durch Rücksprache mit den Patienten erfuhren sie, dass noch drei weitere Personen schon zurück nach Hause waren. Der Rettungsdienst machte sich auf den Weg und holte die Drei in ihren Wohnungen ab,  versorgte sie medizinisch und  transportierte sie in ein Krankenhaus. Unterm Strich kamen insgesamt elf Patienten zur weiteren Behandlung in ein Krankenhaus nach Düsseldorf und zwei Patienten nach Gelsenkirchen. Dazu wurden Rettungsdienstfahrzeuge der Hilfsorganisationen Rotes Kreuz, Johanniter Unfallhilfe und Malteser Hilfsdienst eingesetzt.

Das ganze Drama einer Kohlenmonoxid-Vergiftung zeigt ein tragischer Unglücksfall von vor zwei Jahren im bayerischen Arnstein. Dort starben sechs Jugendlich bei einer Feier in einer Gartenlaube an den CO-Abgasen eines defekten Stromgenerators.

in Krefeld gingen die nicht wenigen Fälle bislang glimpflich ab. Im vergangenen Jahr lag ein bewusstloses Kind im Badezimmer einer Dach-
geschosswohnung an der Straße „An der Elisabethkirche“. Als die Rettungsleute die Wohnung betraten, schlugen sofort ihre ständig mitgeführten Kohlenmonoxid-Warner an. Eilig schafften die Helfer alle vier Personen aus der Wohnung und alarmierten die Feuerwehr zur Unterstützung. Sie untersuchten alle Bewohner und ließen ein zehnjähriges Mädchen aufgrund erhöhter Kohlenmonoxid-Werte im Blut mit einem Rettungshubschrauber zur Uni-Klinik Düsseldorf fliegen. Die Zwillingsschwester des Mädchens, ein dreijähriger Bruder und der 34-jährige Vater der Kinder wurden zur weiteren Untersuchung in ein Krefelder Krankenhaus transportiert. Aufgrund der Blutwerte wurde der Vater später ebenfalls in die Uni-Klinik nach Düsseldorf verlegt.

Etwas länger ist die Einsatzliste für die Krefelder Shisha-Bars. In einem Zeitraum von nur acht Wochen kam es 2017 zu vier Vorfällen, bei denen Feuerwehr und Rettungskräfte ausrücken mussten. Am Südwall war es in einer Bar zu vermehrter Rauchbildung gekommen. Zum Glück waren noch keine Besucher in den Räumen. An der Rheinstraße verlief es nicht so glimpflich. Eine Person musste wegen einer Kohlenmonoxid-Vergiftung ins  Krankenhaus gebracht werden. Ebenfalls mit Vergiftungserscheinungen in eine Klinik kamen zwei Frauen, die zuvor eine andere Krefelder Shisha-Bar besucht hatten.

Nach Aussage der Universitätsklinik Düsseldorf werden die Patienten in einer speziellen Druckkammer behandelt. Bei der Therapie wird unter Zuhilfenahme von Überdruck 100 Prozent Sauerstoff zugeführt, um das Kohlenmonoxid aus dem roten Blutfarbstoff und lebenswichtigen Organgeweben – unter anderem dem Gehirn – zu verdrängen.