Beim Krefeld-Gastspiel gab es viel Applaus für den "Silberprinz" vom Theater der Klänge

Gastspiel in Krefeld : Theater zeigt Gropius und die Bauhäusler im politischen Kampf

„Der Silberprinz“ des Theaters der Klänge hat Längen, aber auch viele spannende Momente.

Es kann spannend werden, wenn Theatermacher im Bauhaus-Jubiläumsjahr ihr Augenmerk auf die Protagonisten der damaligen Avantgarde legen. Das Düsseldorfer Theater der Klänge richtet seinen Blick auf den Gründervater der Kunsthochschule. Herausgekommen ist ein unterhaltsamer, szenischer Abend zu Walter Gropius. Die Aufführung des Stücks über den Silberprinzen, wie ihn seine Zeitgenossen aufgrund seines frühen Ergrauens liebevoll nannten, fand unter besonderen Umständen statt. Hauptdarsteller András Sosko war erkrankt, und Felix Banholzer ist eine Woche vor Aufführungstermin in die Rolle des Silberprinzen geschlüpft – eine enorme Leistung, die das Publikum auch zum Ende des Stücks mit einem langen Schlussapplaus würdigte.

Wer war Walter Gropius? lautet die große Frage, an der sich das streckenweise etwas langatmige Stück abarbeitet. Weimar beruft den Berliner Architekten Walter Gropius 1919 an die Kunstschule. Einer seiner vielen Weggefährten ist Max Thedy. Thedy, wunderbar gespielt von Simon Fleischhacker, ist bereits über zwei Jahrzehnte an der Kunsthochschule. In seinem Unterricht lehrt er altmeisterliche Salonkunst, denn die Staffelei gilt es schließlich zu verteidigen, heißt es an späterer Stelle. Dass der junge, weltgewandte Gropius mit dem althergebrachten Kunstverständnis und den Meisterklassen aufräumen möchte, die Kunsthochschule kurzerhand in Bauhaus – Das Modell für die Verbindung von Kunst und Handwerk umbenennt, ist nur eine von vielen Erneuerungen, die bei den alten Professoren und teilweise auch Studenten auf großen Unmut stoßen.

Vor allem im ersten Teil erfährt das Publikum viel über die Vision Bauhaus als Einheitskunstwerk: „Architekten, Bildhauer und Maler, alle müssen zurück zum Handwerk – denn dort liegt der Urquell allen schöpferischen Gestaltens“, predigt Gropius immer wieder und seiner Zeit weit voraus. Im Salon seiner ersten Ehefrau, Alma Mahler, sehr überzeugend gespielt von Miriam Gronau, begegnet er 1919 Johannes Itten. Itten, der auch in Krefeld gewirkt hat (mit Schweizer Akzent gelungen von Manuel Rittich gespielt) wird Bauhäusler und begeistert zunächst mit seiner Schule der Beobachtung („die Diestel ist eine Explosion an Formen und Farben“), eckt jedoch zunehmend mit seinem radikalen Kunstverständnis, Kunst sei nicht erlernbar, an und löst sich wieder vom Bauhaus.

All das wird nicht chronologisch erzählt, sondern in schnellen Zeit- und Raumsprüngen. Einen wichtigen Part spielt die Videoszenografie. Die vielen Szenen (insgesamt 30) werden von bewegten Videobildern eingeleitet. Mal sind Originalaufnahmen der Bauhäusler zu sehen, mal werden einzelne Objekte stark konturiert auf die Leinwand projiziert – immer, und das ist besonders schön, die reduzierte, kubische Ästhetik des Bauhauses wahrend.

Regisseur, Komponist und Autor des Stücks J.U. Lensing, hat sich für seinen „Silberprinz“ sehr viel vorgenommen. Mit einem nur sechsköpfigen Schauspiel-Team besetzt er zehn Hauptrollen und zahlreiche Nebenrollen. Für die Bühne wählt er ein schlichtes Bild, weiße Kuben und kleine Bauklötzchen werden immer wieder umgestellt und neu angeordnet – sie geben Auskunft darüber, ob Gropius von Freunden oder Feinden umgeben ist.

Leider verliert sich der Text streckenweise in langen Monologen. Ganz anders wirkt das Verhältnis von Spiel und Text im zweiten, deutlich stärkeren Teil. Sehr schön ist die Szene zwischen Gropius und Ilse Frank, seiner zweiten Ehefrau (ebenfalls von Miriam Gronau gespielt), wenn sie langsam tanzend aus ihren Liebesbriefen zitieren.

Der Umzug von Weimar nach Dessau bringt für Gropius weder Ruhe noch Rettung. Und obwohl viele internationale Künstler wie Lyonel Feininger, Oskar Schlemmer, Laszlo Moholy-Nagy, Wassily Kandinsky und Paul Klee am Bauhaus lehren ist die finanzielle Situation immer prekär. Diese Zerrissenheit zwischen künstlerischer Vision, Aufbruch und politischem Kampf wird sehr gut deutlich.