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Beim A-Gang in Krefeld ist die Ateliergemeinschaft Feuerfest von Beginn an dabei

Künstler in Krefeld : Die Feuerfesten – seit 40 Jahren ein Gespann

Am Sonntag hätte der 50. A-Gang Besucher in die Ateliers gelockt. Die Jubiläumsausstellung ist abgesagt wegen der Pandemie. In einer Serie stellen wir die Künstler und ihre Werke vor. Diesmal geht es ins Atelier Feuerfest zu Rieke Hartwig und Antje Schwittmann-Schops.

Die Gottesanbeterin ist 41 Zentimeter lang. Das entspricht der Sitzfläche eines bequemen Stuhls. Die vier hinteren Beine halten sie am Boden, die beiden vorderen sind wie der blau-grün-gelb irisierende Körper der Sonne entgegen gestreckt. Nicht nur entomologisch Interessierte können dieser Riesenheuschrecke etwas abgewinnen. Der glatte Körper verlockt geradezu, hinzufassen. Auch den Rotfuchs, der nur unwesentlich größer ist, möchte man berühren – obwohl er kein weiches Fell hat. Der Tierpark im Atelier Feuerfest wird von Kreaturen bevölkert, die mehr den Gesetzen der Fantasie als der Natur entsprechen. Antje Schwittmann-Schops hat die Geschöpfe geschaffen, „aus Erde“ möchte man ganz selbstverständlich hinzufügen. Ein Schöpfungsakt aus Ton, jedes Tierchen mit eigenem Charakter. Die Keramikerin begeistert sich „für alles, was kreucht und fleucht“, sagt sie. Und das schließt kaum eine Spezies aus. Zurzeit versorgt sie im großen Garten obdachlose Igel. Auch diese possierlichen Tiere stehen ihr Modell.

Seit fast den 80er Jahren bildet Antje Schwittmann-Schops eine Ateliergemeinschaft mit Rieke Hartwig – zunächst unter dem Namen Klärwerk-Keramik, weil beide ihre Künstlerwerkstatt im alten Uerdinger Klärwerk hatten. Seit dem Umzug an die Inrather Straße firmieren sie unter Atelier Feuerfest. Kennengelernt haben sie sich während des Studiums an der FH Niederrhein (heute Hochschule Niederrhein), das beide mit dem Diplom als Keramik-Designerin abschlossen.

Die eine arbeitet figürlich, die andere abstrakt – ein Gegensatz mit Inspirationspotenzial. Der künstlerische Faden, der die beiden verbindet, ist nicht auf den ersten Blick auszumachen. Noch am ehesten ist das Gefühl für harmonierende Farben und Materialqualität als Bindeglied zu erkennen. Denn Rieke Hartwig verzichtet selbst bei ihren keramischen Wandarbeiten und Lichtobjekten auf Gegenständlichkeit. Selbst wenn sie malt, ist die 1958 geborene Kranenburgerin Architektin. Sie arbeitet mit Formen und Farbflächen, die oft Spuren des Urmaterials und des Arbeitsprozesses offenbaren.  Das verleiht den Objekten eine aus der Zeit genommene Besonderheit, die mit dem Ewigkeitsmoment des Materials „Erde“ spielt.

Fotografien von morbiden Gebäuden dienen der Künstlerin oft als Vorlage für ihre Wandreliefs und Bildplatten. Sie benutzt beim Arbeiten verschiedene keramische Drucktechniken und / oder sie integriert die Fotos in die Fläche. So wird eine Fotografie zur Keramik. Der flüchtige Moment, der mit der Kamera eingefangen ist, bekommt einen steinernen Hauch von  Unvergänglichkeit. Arbeiten von Rieke Hartwig befinden sich in öffentlichen Sammlungen.

Antje Schwittmann-Schops ist 1957 in Krefeld geboren und hat neben dem Keramikstudium in Krefeld in Köln Kunst auf Lehramt studiert. Seit 1987 ist sie freischaffende Künstlerin und stellt im In- und Ausland aus. „Viecher“ aus Steinzeug sind ihr Markenzeichen. In der Gestaltung folgt sie ihrer Intuition und schafft so drollige Charaktere. Im Nachklang zum Bauhaus-Jubiläumsjahr hat sie auch ein Triadisches Ballett kreiert – in ganz eigenem Stil. Ihr Kosmos wird bevölkert von originellen und drolligen Kreaturen und Kreatürchen, die rundum sympathisch sind, und denen das Herzblut der Schöpferin für auch kleinste Wesen erkennen lassen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Zu Besuch im Atelier Feuerfest