Krefeld: Bei Popolskis wenig Neues

Krefeld: Bei Popolskis wenig Neues

Hits der Musikgeschichte in Wodka-Polka-Fassung sind ihre Spezialität: die Popolskis in der ausverkauften Kulturfabrik. Doch diesmal sind es wenig neue alte Hits – und das Publikum vermisst den Kick.

Hits der Musikgeschichte in Wodka-Polka-Fassung sind ihre Spezialität: die Popolskis in der ausverkauften Kulturfabrik. Doch diesmal sind es wenig neue alte Hits — und das Publikum vermisst den Kick.

Natürlich war "Der Popolski-Show" auch am Karnevalsfreitag in der Kufa wieder ausverkauft. Die Mischung aus Cover-Band und Popstar-Parodie, in der die Knüller aus den Hitparaden längst vergangener Tage als Werke von Opa Pjotrek Popolski aus dem polnischen Zabrze offenbart und in ihrer Wodka-Polka-Urfassung gespielt werden — so die Band-Legende — hatte diesmal besonders das reifere Publikum angezogen.

Wie schon in den vergangenen Jahren ging es mit einem angeschrägten "Back In The USSR" vom weißen Beatles-Album mitten hinein ins groteske Ostblock-Kirmes-Feeling, Led Zeppelins "Whole Lotta Love", stückweise schon in Speed-Polka-Manier, wurde zur Antrittshymne der Sängerin Dorata und "Ein bisschen Frieden" als cooler Bossa Nova und "Winds Of Change" waren auch diesmal wieder dabei.

Die Kapelle, in deren Online-Gästebuch die Fans mit den Mitgliedern wetteifern, wer die abgedrehteste Plattenbau-Grammatik und den exotischsten pseudo-polnischen Akzent zu Papier bzw. Bildschirm bringen kann, hatte allerdings versucht, ihre Darbietung ein bisschen zu erneuern. Und so lobenswert diese Absicht auch war, es gelang nicht immer zum Besten.

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Die Story, dass all diese Hits dem Opa geklaut wurden, mag man inzwischen als bekannt voraussetzen dürfen, aber manche Geschichten hört man halt immer wieder gern, erst recht, wenn sie für die Show von so tragender Bedeutung sind. Und gerade bei diesen Anekdoten und den dazugehörigen Fotomontagen haperte es diesmal. Dass einer von Doratas Verehrern vergeblich versuchte, ihr Herz mit dem Geschenk eines Hubschraubers zu gewinnen, ohne daran zu denken, dass kaum ein Schuhgeschäft über einen Hubschrauberlandeplatz verfügt, gehörte noch zu den amüsantesten Pointen.

Die chaotische Weltreise der Zwillinge Henjek und Stenjek dagegen verlief ziemlich zäh, bis sich herausstellte, dass auch die Las Vegas-Show von Siegfried & Roy nur geklaut ist, denn erfunden wurde sie eben von den Zwillingen, die sie mit einem übergroßen weißen Hasen hatten aufführen wollen. Lachsalven gab es zwar, doch gebogen und gebrezelt wie einst sah man das Publikum nicht. Im Gegenteil, noch vor der Pause verließen die ersten Gäste den Saal, wenn auch nur vereinzelt.

Auch war es nicht gelungen, genug neue alte Hits auf den erfrischenden Popolski-Sound umzutrimmen. Zwar geizte die Band nicht mit Beweisen ihres instrumentalen Könnens, doch immer wieder fehlte der Wiedererkennungswert, der den entscheidenden Kick gebracht hätte. So ging "der Post" nicht immer "durch der Decke".

(RP)
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