Krefeld: Bei den Römern in die Schule gehen

Krefeld: Bei den Römern in die Schule gehen

Das Museum Burg Linn und die Gesamtschule Oppum bieten eine AG an, in der Fünft- und Sechstklässler Archäologie kennenlernen und ein Gefühl für Geschichte im Allgemeinen und Museen im Besonderen entwickeln.

Zwölf Kinder der fünften und sechsten Klassen der Gesamtschule Oppum sitzen gebannt um einen Museumsmitarbeiter in der Unterkleidung eines römischen Soldaten. Er führt ihnen die Bewaffnung und Rüstung vor. Sie dürfen ein Pilum, eine nachgebaute römische Wurflanze, halten und auch ein Scutum, einen schweren Legionärsschild, heben. Daran, ihn wie einst die Legionäre in der bekannten "Schildkröte" waagerecht über den Kopf zu heben, scheitern fast alle. Auch einen originalgetreuen Helm bekommt jedes Kind einmal aufgesetzt.

Es ist eine Szene, wie sie die Schüler jede Woche erleben. Denn ihre Schule kooperiert seit Schuljahresanfang mit dem Museum Burg Linn. In einer Arbeitsgemeinschaft (AG) wird den Kindern Archäologie nahegebracht. Sie besuchen die Ausgrabungsstätte in Gellep und dürfen sich in kleinem Rahmen sogar an Ausgrabungen und Restaurierungen beteiligen. "Es ist zu spüren, wie die Kinder das Museum als normale Umgebung erfahren. Und auch ihr Respekt für die Exponate steigt sichtbar", berichtete Museumsleiterin Jennifer Morscheiser jetzt bei der Vorstellung der Kooperation.

Birgit Oelmüllers-Hoff, die Leiterin der Oppumer Gesamtschule, pflichtete bei: "Normalerweise reagieren Kinder dieses Alters zurückhaltend auf Museen. Hier können sie Geschichte aber hautnah erleben und haben viel Spaß dabei."

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Die Kooperation ist die neueste Ausprägung des Versuchs, die Lernorte etwas aus den Schulen zu verlagern und die Interessen der Kinder zu erweitern. "Viele Krefelder Schulen arbeiten bereits mit kulturellen Einrichtungen zusammen. Außerschulische Lernorte senken Hemmschwellen und bringen den Kindern Kultur als etwas Selbstverständliches näher. Das ist unsere Zielrichtung", sagte Schul- und Kulturdezernent Gregor Micus.

Die Kinder selbst sind Feuer und Flamme und genießen die Zeit im Museum. "Wir lernen viel dazu und dürfen Dinge anfassen und an Orte gehen, die sonst verboten sind. Das ist toll. Ich habe viel mehr gelernt, als in anderen AGs", sagte beispielsweise der elfjährige Luca.

Für das Museum bietet die Situation auch den Vorteil, sich besser auf junge Besucher einstellen zu können. "Die Rückmeldung wird ehrlicher. Normalerweise bringt es wenig, Kinder zu fragen, ob ihnen etwas nicht zusagt. Sie sagen ihre Meinung selten. Hier fühlen sich die Kinder aber zu Hause und sagen, was ihnen gefallt und was nicht", berichtet Morscheiser von sehr guten Erfahrungen. Auch erbrächten die Kinder beeindruckende Transferleistungen an Wissen und bekämen ein viel besseres Gefühl für Europa: Sie erfahren nämlich, dass Europäer alle durch römische Einflüsse geprägt sind. Damit ist die AG auch ein echter Beitrag zur Völkerverständigung.

(RP)