Krefeld: Bayerisches Urviech gegen Komasaufen

Krefeld: Bayerisches Urviech gegen Komasaufen

Seit 2010 tourt Kabarettist Eisi Gulp (62) mit seinem Programm durch Deutschland und warnt ohne moralischen Zeigefinger vor den Gefahren exzessiven Drogenkonsums. Am Montag war er in der Gesamtschule Uerdingen zu Gast.

Mit Humor gegen Sucht und Komasaufen, das ist der Ansatz, den der Münchener Kabarettist Eisi Gulp in Zusammenarbeit mit dem Kinderschutzbund und der Krankenkasse Knappschaft seit Jahren wählt. Im Rahmen der "Hackedicht"-Schultour reist das 62-Jährige bayerische Urviech durch Deutschland. Am Montag war er in der Gesamtschule Uerdingen zu Gast und trat vor 150 Schülern und Lehrern auf. Die Altersklasse ab der neunten Klasse ist seine Hauptzielgruppe. "Manchmal haben wir nur die Jugendlichen zu Gast, manchmal sind auch die Eltern dabei. Das hängt auch von den räumlichen Begebenheiten ab. Gemeinsam mit den Eltern finde ich es eigentlich am sinnvollsten", sagt der Entertainer, der sich eines sehr ernsten Themas annimmt: Drogen-, speziell Alkoholmissbrauch speziell bei Minderjährigen.

Dabei kommt er nicht mit der moralischen Keule daher und mahnt alle Seiten zur Mäßigung. Er lehnt generelle Verbote ebenso ab, wie den exzessiven Konsum. "Verbote bewirken gar nichts. Sie helfen nur den Verbrechern, die mit dem Leid anderer Geld verdienen wollen und dann gestreckte Drogen in Umlauf bringen", sagt er und führt das Beispiel Portugal an. "Dort wurden vor gut zehn Jahren alle Drogen legalisiert. Den prognostizierten Anstieg des Konsums gab es nur in einer ganz kurzen Übergangszeit. Seitdem ist speziell der Konsum harter Drogen stark rückläufig", sagt er. Dabei will er den Schüler nicht das Denken vorschreiben. Es kommt ihm darauf an, dass seine Zuhörer selbstständig denken und ihre Entscheidungen bewusst treffen. Das Gläschen hier und da, der Genuss, sei keinem verwehrt, sagt er. Saufen bis zur Besinnungslosigkeit aber, das sei einfach hirnlos. Ebenso wie der Konsum vieler Drogen, wie auch der Zigarette. Das und mehr war die Botschaft, die er verbreitete. Dabei schloss er mit einer aufrüttelnden Geschichte, wie er zu diesem Thema kam: In den 90er Jahren war er aufgrund einer Malaria-Infektion im Krankenhaus. Sein Zimmergenosse war ein Heroinsüchtiger 21-Jähriger, der sich an der Nadel mit Hepatitis infiziert hatte. Als dieser von seiner Mutter besucht wurde, habe sie ihm vierzig Minuten lang Vorwürfe gemacht und sei verschwunden. Der junge Mann sei danach ins Bad gegangen, habe sich einen goldenen Schuss gesetzt und sei in er Badewanne ertrunken. "Damit will ich Euch sagen: Grenzt nicht aus, hinterfragt, seht Euch an, was dahinter steht. Das gilt für alle Lebensbereiche", sandte er als Botschaft an seine jungen Zuhörer.

Diese werden in den kommenden Tagen noch einiges mehr zum Thema geboten bekommen. Das Kabarettprogramm ist nur ein Teil der Präventionsarbeit. Ein Elternabend, Lehrerschulung und weitere Behandlung im Unterricht gehören ebenfalls dazu. "Wir sind sehr froh, den Zuschlag bekommen zu haben. Wir haben uns beworben und sind ausgewählt worden. Die Botschaft finde ich sehr gut, auch wenn wir als Schule es natürlich weit restriktiver kommunizieren müssen", sagte die didaktische Leiterin der Schule, Kay Beate Becker.

Gulp hatte für seine Zuhörer auch ganz praktische Tipps. So warnte er, dass ein gelegentlicher Joint an sich gar nicht so dramatisch sei. "Wenn er aber kleine Funken versprüht, dann ist das ein Zeichen, dass er mit Bleistaub versetzt wurde, um das Gewicht und damit den Preis zu erhöhen. Das ist eins der stärksten Zellgifte. Dann lasst bloß die Finger davon", riet er. Puristen mögen nun einwenden, die Botschaft müsse klarer sei. Doch der Erfolg gibt den Veranstaltern Recht und der gewählte Weg über Humor findet großen Anklang bei den Jugendlichen.

(RP)