Krefeld: Bayerische Unternehmer­familie kauft Bankgebäude am Ostwall

Krefeld: Bayerische Unternehmer­familie kauft Bankgebäude am Ostwall

Am Krefelder Standort Ostwall 101-107 ging es stets um Geld, um viel Geld: Zuerst machte die Dresdner Bank und danach die Commerzbank dort ihre Geschäfte, anschließend zählte die Immobilie zu einen schottischen Investmentfonds für internationale Anleger, der in Aberdeen verwaltet wurde. Jetzt hat eine bayerische Unternehmerfamilie das Büro- und Bankgebäude gekauft.

Die europaweit tätige Karl-Gruppe aus der niederbayerischen 1500-Einwohner-Gemeinde Innernzell hat das Bank- und Bürohaus am Krefelder Ostwall 101-107 mit 3200 Quadratmetern Fläche erworben. Die Immobilie aus den 1980er-Jahren, in der unter anderem die Dresdner Bank und die Commerzbank ihren Geschäften nachgegangen waren, steht seit einigen Jahren leer. 2011 war die Commerzbank an die Rheinstraße umgezogen. Zum Kaufpreis machte Ramona Graf, Sprecherin der Karl-Gruppe, die in den Geschäftsfeldern Bau, Energie, Industrie und Immobilien mit rund 400 Beschäftigten aktiv ist, keine Angaben. Der Betrag dürfte geschätzt bei mehr als drei Millionen Euro liegen.

Das Objekt sei durch einen Makler angeboten worden. Zuletzt habe es zu einem im schottischen Aberdeen verwalteten Fonds gehört. Der neue Eigentümer wolle es modernisieren und denke an verschiedene Szenarien für eine Nachnutzung. Das könne Handel, Gewerbe, aber auch Wohnen sein. "Unsere Planungen und Überlegungen befinden sich noch im Anfangsstadium", erklärte Ramona Graf aus Anfrage unserer Redaktion. Die Immobilie sei in einem sehr guten Zustand und befinde sich in einer sehr guten Lage in der Innenstadt, ergänzte sie als Erklärung für das Interesse der Karl-Gruppe am Objekt.

Das Familienunternehmen, in dem neben Firmengründer Günther Karl die beiden Söhne Günther junior und André Verantwortung tragen, wurde bei dem Geschäft am Niederrhein von den Spezialisten Rohrbach Real Estate aus Darmstadt unterstützt.

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Nach einer Analyse der Immobilienspezialisten Engel & Völkers für "Die Region West 2016" gehört immer noch etwas Mut dazu, sein Geld als Kapitalanlage in Wohn- und Geschäftshäuser der Seidenstadt anzulegen. Der risikoscheue Investor konzentriert sich auf so genannte A-Standorte wie Düsseldorf und Köln. Krefeld gehört zur unteren D-Kategorie. "Die rückläufigen Transaktionszahlen in Mönchengladbach und Krefeld sind durch die starken Vorjahresumsätze zu erklären", berichtet Engel & Völkers. Dennoch seien die beiden Märkte wieder durch eine hohe Marktaktivität geprägt. Das bedeutet, in Krefeld wechselten im Berichtsjahr beim Kauf von 277 Wohn- und Geschäftshäusern mit mindestens vier Wohnungen 107 Millionen Euro den Eigentümer. Das sind 2,1 Prozent weniger als im Vergleichsjahr. Der Kaufangebotspreis hat sich jedoch bezogen auf den Quadratmeter um 12,7 Prozent auf 1057 Euro erhöht, die Angebotsmiete um 2,6 Prozent auf 6,63 Euro ebenfalls. Die Zahlen gelten für Immobilien in guter Lage.

Das Bank- und Bürohaus der Karl-Gruppe am Ostwall befindet sich planungsrechtlich in einem Kerngebiet. Das heißt, dort sind Spielhallen und ähnliche Nutzungen verboten. Das Gleiche gilt für Nachtbars und Lokale mit Striptease und Filmvorführungen, Sex-Kinos und Videokabinen. "In den Kerngebieten sind oberhalb des Erdgeschosses Wohnungen allgemein zulässig", berichtete Stadtsprecher Dirk Senger auf Anfrage unserer Redaktion.

Für weite Innenstadtbereiche gilt die bauliche Umgebung als Maßstab für die Zulässigkeit eines Vorhabens. Die zum Teil sehr alten Bebaungspläne erfüllen nicht mehr die erforderlichen Mindestfestsetzungen des Baugesetzbuches in der aktuell gültigen Fassung, dürfen also nicht mehr hinzugezogen werden. Baurechtlich steht den neuen Eigentümern aus Niederbayern für die Nutzung des Bank- und Bürogebäudes als neuer Standort für Wohnen und Handel auf den ersten Blick nichts entgegen.

(sti)
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