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Bayer-​Laienspielgruppe in Krefeld startet durch

Krefeld : Neustart der Bayer-Laienspielgruppe 

Als letzter Verein hat die Laienspielgruppe nach der Schließung des BayTreffs eine vorläufige Unterkunft gefunden. Die Theaterleute sind optimistisch, dass sie einen Spielort finden, der auch die Werkstätten aufnehmen kann.

Eine große Zahl der ehemals Aktiven war an diesem Tag dem Ruf von Karlo Toups gefolgt, dem Vorsitzenden und technischen Leiter der Bayer-Laienspielgruppe. Nun bildeten sie in dem Versammlungsraum des evangelischen Gemeindezentrums an der Bergstraße in Uerdingen einen großen Sitzkreis. Carina Mischke, die neue Regisseurin der Theatertruppe, blickte prüfend in die gemischte Runde aus Jugendlichen und Erwachsenen, und fragte dann, was sie nach der gut 14-monatigen Pause zum Kommen bewegt hätte?

Manche hatten sich schon als Kind von den Aufführungen begeistern lassen, andere folgten der Familientradition, da bereits die Eltern bei der Laienspielgruppe mitgemacht hatten. Und beinahe unisono bekannten alle ihre große Liebe zum Theaterspielen und den Willen, an die großen Erfolgen der Vergangenheit anzuknüpfen, als das über die Stadtgrenzen hinaus bekannte Weihnachtsmärchen der Bayer-Laienspielgruppe bis zu 4000 Besucher pro Aufführungssession angezogen hatte. Wer im Gästebuch auf der Website der Laienspielgruppe nachliest, weiß, wovon die Rede ist.

Dann kam die Schließung des BayTreffs an der Duisburger Straße (wir berichteten). Der Auszug aus den alten Räumlichkeiten und die lange Zwangspause danach haben Lücken in die Vereinsstruktur gerissen. Mit der Unterstützung der Bayer-Nachfolgefirma Covestro haben die Uerdinger Musik- und Kulturvereine aus dem BayTreff neue Räumlichkeiten für ihre Vereinsaktivitäten gefunden: die Bayer-Symphoniker, der Foto-Film-Club, der Männer-Gesangverein, das Akkordeon-Orchester, der Briefmarken-Verein und der Schach-Club. Bei der Laienspielgruppe gestaltete sich dieser Prozess auf Grund der besonderen Anforderungen schwierig.

Der BayTreff bot ideale Voraussetzungen für den Verein. Die für perfekte Aufführungen wichtigen Bereiche Technik, Requisite, Näherei und Aufführungssaal lagen unter einem Dach nahe beieinander, perfekt für ein nahtloses Zusammenspiel. Nun ist dies anders. Das Requisitenlager mit provisorisch untergebrachter Technik soll in Linn unter Vertrag genommen werden, geprobt wird im Keller des evangelischen Gemeindehauses an der Bergstraße und die Aufführungen sollen in der alten Dorfschule in Rumeln stattfinden, die zum Kulturzentrum ausgebaut wurde. Diese Zersplitterung ist mit weiten Fahrtwegen verbunden, und es bedarf einer sorgfältigen Organisation, die geplanten Aufführungen in dem nur 130 Besucher fassenden Rumelner Vorstellungsraum auf der dortigen Kleinbühne zu realisieren, die nur fünf mal drei Meter misst. Um die Kosten aufwändiger Aufführungen zu decken, müsste Platz für wesentlich mehr Besucher zur Verfügung stehen.

„Wir starten durch! Es geht weiter, wenn auch anders.“ Unter dieser Devise setzen die Uerdinger Theatermacher nun ihre Arbeit fort, die einem Neuanfang gleichkommt. Karlo Toups hat für die wichtige Regie Carina Mischke verpflichten können. Die 22-Jährige, die in Köln Theaterwissenschaften studiert, geht mit jugendlicher Unbekümmertheit ans Werk. An diesem ersten dreistündigen Treffen werden theatertypische Lockerungsübungen zu Gestik, Mimik und Ausdruck trainiert. Zunächst will man sich im Frühsommer mit Sketchen des unvergleichlichen Loriot erstmals wieder der Öffentlichkeit vorstellen. Daneben arbeitet die Regisseurin an der Bühnenfassung des amüsanten, für junge und erwachsene Zuschauer gleichermaßen geeigneten Stoffes „Urmel aus dem Eis“, bei dem sie sich eng an die Buchvorlage von Max Kruse halten möchte. Mit den vorhandenen Schauspielern kann Mischke die Rollen doppelt besetzen.

Mit dem anspruchsvollen Bühnenerstling möchte die Uerdinger Laienspielgruppe an die frühere Aufführungsqualität anknüpfen. Der eiserne Wille weiterzumachen findet Anerkennung. Eine Theatergruppe für spezielles Inklusionstheater hat sich der Laienspielgruppe bei der Suche nach einer gemeinsamen Unterkunft angeschlossen, die im Idealfall alles unter einem Dach vereint.

Größter Wunsch der Uerdinger Theaterleute ist es nun, dass sich die Uerdinger Politik mit der Firma Covestro und der Laienspielgruppe zusammentut, um gemeinsam nach einer Standortlösung zu suchen, die ein sinnvolles und zukunftsfähiges Arbeiten ermöglicht.