Krefeld: Bauherr zäunt öffentliche Grünfläche ein

Krefeld : Bauherr zäunt öffentliche Grünfläche ein

In der Oppumer Solarsiedlung hat ein Bauherr "Tatsachen geschaffen" und einen städtischen Grünstreifen eingezäunt und seinem Grundstück zugeschlagen. Nachbarn warten seit August 2017 darauf, dass die Stadt eingreift.

In der Oppumer Solarsiedlung am Geschwister-Scholl Weg hat ein Bauherr Tatsachen geschaffen und Teile einer städtischen Grünfläche seinem kürzlich mit zwei Doppelhaushälften bebauten Grundstück zugeschlagen. Der öffentliche Grünstreifen, der vom Spielplatz des Wohngebiets entlang des Geländes der angrenzenden Grundschule verläuft, ist nun mit stabilen Zäunen abgetrennt, mit einer Terrasse sowie einem großen Gartenhaus bebaut worden und folglich der Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich.

Direkt mit Beginn dieser Baumaßnahmen im August 2017 haben mehrere Nachbarn sich an die Stadt gewandt. Rückmeldungen der Verwaltung vom August 2017 lassen vermuten, dass der Bauherr offenbar unrechtmäßig gehandelt hat. In einem Schreiben des Fachbereichs Grünflächen vom 23. August heißt es, das Bauunternehmen sei mit der "Bitte" angeschrieben worden, die "Zaun- und Pflasteranlagen bis zum 9. September 2017 zurückzubauen und unsere Flächen wieder fachgerecht herzustellen".

Getan hat sich seither nichts. "Im Gegenteil", erzählt Anwohnerin Kristina Kagerer. "Im März wurde auf städtischer Fläche nun auch noch ein großes Gartenhaus errichtet." Sie fragt sich, mit welchem Nachdruck die Verwaltung eigentlich an dem Fall arbeitet. Eine Anfrage unserer Redaktion zum Thema blieb bis gestern unbeantwortet. Die Anwohner gehen davon aus, dass der öffentliche Grünstreifen nicht zur Disposition steht.

"Mehrere Nachbarn versuchen seit Jahren, die Fläche hinter den Grundstücken zu kaufen oder wenigstens zu pachten, leider vergeblich", berichtet Kagerer. "Die Verwaltung hat uns mitgeteilt, dass beides nicht möglich sei." Deswegen war die Überraschung groß, als rund um den Neubau plötzlich Zäune gezogen wurden, die öffentliche Grünfläche eingeschlossen. "Die ursprüngliche Idee, dass in der Solarsiedlung komplett auf Zäune verzichtet wird und als Abgrenzung ausschließlich Hecken gepflanzt werden dürfen, scheint auch nicht mehr zu interessieren", wundert sich Kagerer außerdem.

Die beiden Doppelhaushälften mit ihren hohen Metallzäunen wirken wie Fremdkörper in dem grünen Wohngebiet. Die Nachbarn vermuten, dass der Bauherr, ein Unternehmen aus Düsseldorf, auf Zeit spielt, um die Häuser besser vermieten zu können. "Die Gärten erscheinen natürlich so wesentlich größer, als sie eigentlich sind, potenziellen Mietern werden falsche Tatsachen präsentiert", sagt Kagerer.

Ein Haus sei inzwischen vermietet, das zweite steht leer. Ein anderer Nachbar nennt das Vorgehen des Bauherrn schlicht "dreist". "Das ist doch so, als würde ich mein privates Gartenhaus einfach im Sollbrüggenpark aufstellen", spitzt er den Fall zu. Kristina Kagerer, die selber in einer Behörde arbeitet, ist der Meinung, dass die Verwaltung zum einen mit mehr Nachdruck agieren müsste, nämlich "Abmahnen, Frist setzen und bei Nichtbeachten selber aktiv werden". Zum anderen würde sie erwarten, von den Behörden eine Auskunft zu bekommen, wie es weitergeht.

Immerhin habe eine Anwohnerin die Information erhalten, der Fachbereich Grünflächen plane "den Pflegeturnus des Grünstreifens zu erhöhen". Kristina Kagerer ist gespannt: "Bislang hieß es immer, das sei eine ,extensive Grünfläche'", sagt sie. "Und das ist wohl gleichbedeutend mit ,Keine Grünpflege'. In den acht Jahren, die ich hier wohne, ist seitens der Stadt jedenfalls noch nie was gemacht worden."

(RP)
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