Bauhaus in Krefeld: Studentinnen entwerfen Mode für das Haus der Seidenkultur

Krefelder Seide: Trendmode für das Bauhausjahr

Studentinnen der Hochschule Niederrhein haben eine Kollektion entwickelt und dabei die Stilistik der Bauhaus-Lehre in zeitgemäße Mode übertragen. Jetzt soll die Mode fürs Haus der Seidenkultur in Serie gehen.

Drei trendige Textilien in den Farben Weiß, Silber, Grau und Schwarz wurden jetzt im Haus der Seidenkultur (HdS) vorgestellt: Acht Studentinnen an der Hochschule Niederrhein haben diese Produkte entwickelt. Im Rahmen ihres Studiums im Fachbereich Textil- und Bekleidungstechnik haben sie im Team einen Gürtel, ein Stirnband und eine Clutch hergestellt.

Es handelt sich dabei um eine Aufgabe im 5. Semester: Alle Studierenden werden per Los zu Gruppen von acht bis zehn Teilnehmern zusammengefasst. In diesem Jahr waren es insgesamt 26 Teams. „Wir haben alle einen anderen Schwerpunkt“, sagten die jungen Frauen der Gruppe 20 im HdS bei der Vorstellung ihrer Stücke.

Lea Solveig Gloeckner präsentiert ihre Tasche, deren Design den Formen der Bauhaus-Lehre nachempfunden ist. ⇥ RP-Fotos (3): Thomas Lammertz. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Einige der Studentinnen kannten sich, einige nicht: „Wir mussten uns erstmal zusammenfinden“, sagt Celina Böcker. Das ist sozusagen der erste Teil der Aufgabe – Teambildung. Und dann haben die acht sich den Herausforderungen gestellt: Was könnte man an Textilien im Haus der Seidenkultur anbieten, das auch jüngere Menschen anspricht?

Für die Erweiterung der Produktpalette haben die Studentinnen sich mit der Historie des Hauses beschäftigt und dessen Angebot analysiert. Gleichzeitig haben sie die Trends in der Mode erforscht, um ein zeitgemäßes handgewebtes Seidenprodukt entwickeln zu können. Sie haben sich die Fragen gestellt: Was ist in? Welche Muster liegen im Trend?

Mit Schiffchen und Webstühlen sollen junge Leute auch die neue Mode künftig verbinden. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Dabei wurde deutlich, dass das Bauhaus-Jubiläum auch im textilen Bereich wirkt. So hat die Designerin mit ihrer Gruppe einen Stoff ganz in diesem Stil entworfen: Gerade Linien, klare Farben, minimale Formen bestimmen den Entwurf. Die anderen haben dann den Stoff aus Seidengarn gewebt, zugeschnitten und genäht. Die Kollektion haben sie 20-19 genannt – das 20. Team im Bauhaus-Jahr ’19.

Neben den Produktionsplänen haben sie eine Broschüre mit Fotos erstellt, das Marketingkonzept und die Kostenplanung entwickelt. Eine weitere Aufgabe: Wie könnte man dieses Seidengewebe auch im HdS herstellen? Die Studentinnen haben sich mit den alten analogen Techniken im Hause befasst. „Besonders die Jaquard-Webstühle sind eine Herausforderung“, sagt Berfin Begtoran, „hier haben wir den Praxisbezug bekommen.“ Insgesamt haben die Studentinnen drei Monate Zeit gehabt: „Wir haben jede von uns 180 Stunden an dem Projekt gearbeitet.“

Wenn der Entwurf auf den alten Webstühlen entstehen soll, müssen erst noch die entsprechenden Karten geschlagen werden. „Dazu werden etwa 400 Karten benötigt“, sagt Dieter Brenner vom HdS. „Aber wir haben jemanden gefunden, der das alte Handwerk beherrscht.“ Im Sommer werden die Prototypen der Kollektion 20-19 hier in einer Bauhaus-Ausstellung gezeigt. Brenner ist zuversichtlich, dass sie später im Jahr in Serie gehen und hier verkauft werden können. Denn schließlich finanziert sich das HdS nicht nur durch Eintrittsgelder, sondern auch durch den Shop. „Wir sind in die Jahre gekommen“, sagt Brenner, „so können wir auch ein jüngeres Publikum ansprechen.“

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