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Krefeld: Bartoks verschollen geglaubtes Quartett

Krefeld : Bartoks verschollen geglaubtes Quartett

Die Mitglieder des Alban Berg- und des Mandelring-Quartetts, die Pianisten András Schiff und Menahem Pressler oder der bekannte Cellist Clemens Hagen, sie alle sind Lehrer oder Mentoren des Notos-Quartetts, deren musikalisches und menschliches Potenzial zu fördern ihnen ein Anliegen ist.

Der Geiger Sindri Lederer, die Bratschistin Andrea Burger, der Cellist Philip Graham und die Pianistin Antonia Köster bilden nicht nur eines der bemerkenswertesten und inzwischen international gefragten jüngeren Klavierquartette - sie setzen auch darüber hinaus Zeichen. "Notos" war das erste Ensemble, das jüngst seinen in Verruf gekommenen "EchoKlassik" zurückgab, und in der vergangenen Woche gaben die engagierten Instrumentalisten in Wien zwei Benefizkonzerte - eines für das Rote Kreuz und eines zur Finanzierung einer Reise jüdischer und muslimischer Jugendlicher nach Auschwitz.

Gerade aus Wien zurückgekehrt, bestritten die jungen Musiker nun das letzte Kammerkonzert dieser Saison im wieder sehr gut besuchten Rittersaal von Burg Linn. Im Gepäck hatten sie - neben Mozart und Schumann - eine veritable musikalische Sensation - das einzige Klavierquartett von Béla Bartók(1881-1945), das dieser im Alter von 17 Jahren komponierte und das nie verlegt worden ist. "Notos" entdeckte das Werk und spielte es als Weltpremiere auf seiner Debüt-CD ein. Nun kamen die spürbar irritierten Zuhörer auf Burg Linn in den Genuss, dieses verschollen geglaubte Tongemälde zu erleben - und zwar gespielt aus fast vergilbt erscheinenden Noten.

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Doch was war das für ein Bartók? Keine Spur von Spröde, Härte oder Grenzen zur Atonalität. Die vier technisch hoch anspruchsvollen Sätze, die das Quartett in untadeliger Präzision und Abstimmung meisterte, bewegen sich klanglich zwischen Brahms, Liszt und Beethoven - ein großartiges Erlebnis.

Auch Robert Schumanns vor allem im ersten Satz von schwungvollem Brio getragenes Quartett Es-Dur op. 47 gaben der Brillanz der Pianistin und der Glut der prachtvollen Streicher genug Möglichkeiten, ihre Güte, Homogenität und musikantische Frische darzustellen.

Etwas ganz Besonderes war gleich zu Beginn zu bewundern - das Es-Dur-Quartett KV 493 von Wolfgang Amadeus Mozart, für das - so formulierte es ein Zeitgenosse - "es eines Herzens und eines für Musik reif gebildeten Verstandes bedarf". Solches brachten die Gäste in Hülle und Fülle mit, und die Zuhörer dankten begeistert mit großem Applaus.

(RP)