Krefeld: Ballett tanzt den Bolero

Krefeld: Ballett tanzt den Bolero

Am Samstag hat der neue dreiteilige Tanzabend von Robert North Premiere im Theater.

Mit André Parfenov über Johann Sebastian Bach zu reden ist mehr als ein abendfüllendes Programm. "Ich habe etwa drei bis vier Stunden Bach-Musik im Kopf", sagt der Pianist und Komponist. Bach gehört zu seinen großen musikalischen Lieben, an der Essener Musikhochschule hat Parfenov bereits Bachs letzte Fuge zu Ende komponiert. "Das war für mich auch ein Test, ob mich daran wagen darf", sagt er. Er hat große Anerkennung geerntet, und das hat ihn bestärkt, sich jetzt mit Bachs "Goldberg Variationen" zu beschäftigen. Variationen der Variationen sozusagen sind die Grundlage für Robert Norths Choreografie, die am Samstag uraufgeführt wird: "Nachtvariationen" ist der erste Teil des dreiteiligen Ballettabends, zu dem auch "Für meine Tochter" (zu Musik von Leos Janácek) und der Publikumsrenner "Bolero" (Musik: Maurice Ravel) gehören. "Nachtvariationen" führt in die Traumerlebnisse eines jungen Mannes. Von Bach ist überliefert, dass er seine Goldberg-Variationen im Auftrag des Grafen Hermann Carl von Keyserlingk komponiert habe, der unter Schlafstörungen litt und sich deshalb vom Meister Musik wünschte, die ihm sein Hofcembalist, ein gewisser Johann Gottlieb Goldberg, vor dem Einschlafen vorspielen sollte. 30 Variationen und am Anfang und Ende je eine Arie sind heute als "Goldberg Variationen" überliefert. Sie gaben Parfenov Futter für seine Klaviersätze. Musikalisch sind die hochkomplex und fordern Parfenov als Pianist aufs Höchste. "Natürlich bin ich selber schuld. Aber als Komponist schere ich mich nicht um den Interpreten, auch nicht, wenn ich es selbst bin", sagt Parfenov. Im vergangenen Sommerurlaub hat er die Variationen komponiert, ein Teil entstand in Leipzig, wo Bach als Thomaskantor gewirkt hat und Parfenov an der Musikhochschule unterrichtete. Die Musik wird auch als CD erscheinen. Erzählt wird von Träumen, wilden Fantasien, von Alpträumen, vom Fliegen und Verlieren. "Viele Impulse sind von den Tänzern im Studio gekommen", berichtet der Komponist.

Beim mittleren Part des Abends ist Parfenov als Pianist ebenfalls im Orchestergraben. "Für meine Tochter" liegt Janaceks Musik zugrunde. In seinem Zyklus "Auf verwachsenem Pfade" hat er den Tod seiner 21-jährigen Tochter Olga verarbeitet. Die Erinnerungen will North in seiner Choreografie Gestalt annehmen lassen. Er hat sie im Auftrag des dänischen Fernsehens entwickelt. 1983 wurde sie mit dem Prague Award ausgezeichnet und in den USA für den Emmy nominiert.

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Drei Ballette - drei Stimmungen: Das ist das künstlerische Prinzip des Ballettchefs North. Und so soll das Publikum auch diesmal wieder eine Explosion der Leidenschaft erleben: Maurice Ravels Bolero. "Es ist schwierige Musik, aber wunderbar zu tanzen", schwärmt North. "Hier werden auch die männlichen Tänzer gefordert. Wenn man Bolero im Programm hat, tanzen die Männer auch in anderen Balletten wesentlich besser." Für seine Choreografie, erzählt er, hat er sich inspirieren lassen von den Menschen, die knieend auf den Treppen spanischer Kirchen beten. "Mir geht es um die Unterdrückung, die Armut und das harte Leben, aus dem sie ausbrechen wollen."

Das Team des Ballettabends: (v.l.) Chefchoreograf Robert North, Dramaturgin Regina Härtling, Ausstattungsleiter Udo Hesse und Komponist André Parfenov. Foto: ped
(RP)