Pfingsten Das Fest Der Ausgießung Des Heiligen Geistes: Babel in Krefeld: 15 Sprachen - eine Religion

Pfingsten Das Fest Der Ausgießung Des Heiligen Geistes: Babel in Krefeld: 15 Sprachen - eine Religion

In Krefeld ist jeden Tag Pfingsten: In der Stadt gibt es christliche Gottesdienste in 15 Sprachen. Die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen hat sie jetzt in einer Broschüre zusammengetragen. Sprachenvielfalt bedeutet auch eine Wanderung durch 16 Glaubenswelten.

Und dann sagt Pfarrer Veselov etwas sehr Schönes: "Ikonen sind Fenster zum Himmel." Die sinnliche Pracht in orthodoxen Kirchen ist das weltweit bekannteste Markenzeichen dieser Kirche. Im Gespräch mit dem 31-jährigen Priester der Russisch-Orthodoxen Gemeinde St. Barbara spürt man, dass er immer mal wieder gegen Missverständnisse ankämpfen muss. "Wir beten Ikonen nicht an", sagt er, "sie sind Erinnerungen an Gott, vergleichbar mit Fotos von seinen Liebsten, die man zu Hause aufstellt."

PfarrerAlexej Veselov (31) ist in Düsseldorf
Pfarrer Alexej Veselov (31) ist in Düsseldorf aufgewachsen und kam mit 16 zum Glauben. Er habe zuvor tagelang mit einem Gemeindemitglied diskutiert, wollte sein Gegenüber überzeugen, dass das mit Gott alles Unsinn sei. Dann aber packte es ihn. Rasch kam dann auch der Entschluss, Priester zu werden. Foto: Lammertz Thomas

Die orthodoxe Kirche ist eine doxologische, eine den Herrn lobpreisende Kirche (von griech. doxa, Herrlichkeit, Ehre). Wer also die Pracht der Bilder würdigen will, muss diese Intention ins Auge fassen: Es geht nicht um irdische Eitelkeit, sondern um Lob Gottes. Das mag für den protestantisch geprägten Blick fremd sein, ist aber nicht weniger zu respektieren als protestantische Kargheit, die ja auch theologisches Programm ist: Konzentration auf das Wort Gottes. Protestanten kämen ja auch nicht auf die Idee, ihre Kirche für weniger lobpreisend zu halten, weil diesem Lobpreis nicht mit Kirchenschmuck Ausdruck verliehen wird.

Die Doppeltür zum Altarraum zeigt in
Die Doppeltür zum Altarraum zeigt in orthodoxen Kirchen immer Mariä Verkündigung: Der Engel Gabriel offenbart Maria, dass sie Gottes Sohn gebären wird. Foto: Lammertz Thomas

So gibt es viele Wege zu Gott. In Krefeld sind es mindestens 15. Denn in so vielen Sprachen finden christliche Gottesdienste statt. Dies hat Klaus Norbert Kremers von der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) dokumentiert. Er hat ein Faltblatt zusammengestellt, in dem alle fremdsprachlichen christlichen Gottesdienste notiert sind - in 14 Sprachen an der Zahl, macht mit dem Deutschen 15. Krefeld ist Babel, aber ohne den Hochmut, von dem in der Bibel erzählt wird: Denn Vielfalt lehrt Bescheidenheit. Der je eigene Weg der Frömmigkeit ist eben nur einer.

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Bei den Orthodoxen zum Beispiel ist im Kirchenjahr Ostern das höchste Fest, dann folgt die Epiphanie in der Taufgeschichte Jesu, dann erst Weihnachten. Die Taufgeschichte spielt im Frömmigkeitsleben von Protestanten und Katholiken nur eine Nebenrolle, für die Orthodoxen ist es das erste Mal, an dem die Heilige Dreifaltigkeit - Gott Vater (als Stimme vom Himmel), Gott Sohn (Jesus) und Gott Heiliger Geist (als Taube, die vom Himmel herabkommt) - offenbar wird. Sind an normalen Gottesdiensten 150 Gläubige in St. Barbara, sind es an den hohen Feiertagen bis zu 500, berichtet Pfarrer Veselov. Es gibt in Krefeld katholische Messen in kroatischer, polnischer, tamilischer, rumänischer, portugiesischer spanischer, vietnamesischer, italienischer und ukrainischer Sprache. Protestanten, die landeskirchlich organisiert sind, kommen in koreanischer, englischer und französischer Sprache zusammen, wobei Englisch und Französisch in afrikanischen Gemeinden gesprochen werden. "Da geht die Post ab", sagt Kremers; die Gottesdienste sind voller Musik, Leben und Tanz.

Freikirchlich-evangelische Gottesdienste gibt es in tamilischer, englischer, russischer und italienischer Sprache; orthodoxe Gottesdienste in russischer, ukrainischer und griechischer Sprache. Es gibt Gottesdienste für die indische Gemeinschaft für Gläubige aus Indien, Sri Lanka, Bangladesh und Afghanistan in Tamilisch und Englisch. Viele Sprachen - ein Heiliger Geist, folgt man der Pfingstgeschichte in der Apostelgeschichte (Kapitel 2).

Pfarrer Veselov sagte übrigens zum Abschied "Gott befohlen". Ein Gruß, den man nur noch selten hört. Manchmal sind eben nicht nur Kirchen karg, sondern auch - jedenfalls wenn es um Religiosität geht - die Sprache. Wie oft sagt man "Schöne Feiertage" statt "frohe Pfingsten". Dass andere den Gruß dann doch ernsthaft nach oben lenken, ist etwas, das man in Babel-Krefeld lernen kann.

(RP)