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Autor Hans-Martin Große-Oetringhaus veröffentlichte sein zweites Hüls-Buch.

Heimatkunde aus dem Krefelder Stadtteil : Buch als Hommage an den Stadtteil Hüls

Vor Jahren veröffentlichte der Jugendbuch-Autor Hans-Martin Große-Oetringhaus sein Buch „Hüls lieben lernen“. Nun legte er mit „Auf Spurensuche in Hüls“ einen Nachfolger vor, in dem er verborgene Ecken und Historie erkundet.

Seit elf Jahren wohnt Hans-Martin Große-Oetringhaus in Hüls. Ursprünglich stammt er aus dem Sauerland, heiratete dann aber die Krefelder Schriftstellerin Liesel Willems und verlagerte in der Folge den Lebensmittelpunkt hierher. Seiner neuen Heimat näherte sich der erfolgreiche Kinder- und Jugendbuchautor bereits vor Jahren, wie es ein Autor eben tut: Mit einem Buch. „Hüls lieben lernen“ war seinerzeit der Titel. Dem ließ er nun ein zweites Buch folgen. „Auf Spurensuche in Hüls“ befasst sich dabei mit verborgenen Ecken, mit Natur und deren Bedrohung, aber auch der Geschichte des Stadtteils.

„Die Bücher sollen nicht kommerziell erfolgreich sein. Der Markt ist naturgemäß sehr klein. Entsprechend schwierig hatte ich mir die Verlagssuche vorgestellt. Meine Kontakte halfen mir dann aber und der Iatros-Verlag erklärte sich bereits, es zu verlegen. Die Erlöse gehen zur Hälfte an den Heimatverein, zur Hälfte an den Verein Lebenswertes Hüls“, sagt der Autor. Sein erstes Werk war zu 100 Prozent zu Gunsten des Heimatvereins verkauft worden.

Was aber will er mit dem Buch erreichen? Es richtet sich in erster Linie an Hülser oder Krefelder, die mehr über ihre Heimat erfahren wollen. Dabei suchte der promovierte vergleichende Erziehungswissenschaftler viele verborgene Orte auf und stellt auch deren Geschichte dar. So zum Beispiel die eines Pulverturms im Gartengelände an der Fette Henn. „Im Nachgang der Revolution von 1848 bildete sich hier eine Bürgerwehr. Deren Pulverreserven durften aus Sicherheitsgründen aber nicht im Ort gelagert werden. Darum wurde der Turm gebaut. Heute ist er mit Efeu überrankt und in Vergessenheit geraten“, erzählt Große-Oetringhaus.

Doch natürlich grub er auch in unschönen Kapiteln. Vor allem in der Nazi-Zeit. „Darüber etwas herauszufinden war sehr schwer. Wie mir im NS-Dokumentationszentrum gesagt wurde: ‚Sie kennen doch die Hülser. Die mauern’“, erzählt er lachend. Trotzdem fand er Berichte und sogar eine Zeitzeugin. Diese wuchs im Haus einer Jüdin auf, die im ersten Weltkrieg als Krankenschwester mit dem Eisernen Kreuz erster Klasse ausgezeichnet worden war. „Dadurch fühlte sie sich sicher vor Verfolgung. Ein Trugschluss. Als sie abgeholt wurde, gab die Mutter der Zeitzeugin etwas zu Essen, mit dem Auftrag, es der Frau zu bringen. Dafür wurde die Familie zum Bürgermeister bestellt und ihr gedroht, sie im Wiederholungsfall auch ins KZ zu stecken. Mir zeigt das zweierlei: Erstens wie grausam es damals war, aber auch, dass die Menschen sehr wohl wussten, was KZs waren. Sonst hätte die Drohung ja nicht funktioniert“, befindet der Autor.

Auch einige weitere Geschichten aus dem dritten Reich sind vorhanden und bleiben in Erinnerung. Doch in seiner Gänze soll das Buch keineswegs eine Kritik oder Abrechnung sein. Im Gegenteil. Es ist eine Liebeserklärung an einen Stadtteil, der immer ein bisschen eigen, ein bisschen besonders und ein in sich geschlossenes System ist. Der viele schöne Ecken, viel Grün und einen guten Zusammenhalt besitzt.

„Gerade auch das Grüne als schützenswert zu zeigen, war mir ein Anliegen. Gelände wie das an der Fette Henn sind wichtig. Für die Natur wie zum Beispiel Insekten, als Rückhaltefläche für Regen, aber auch als Grünfläche um eine Überhitzung der Stadt im Sommer zu verhindern. Das erachte ich als zentralen Punkt“, gibt Große-Oetringhaus zu bedenken.

Er hofft, dass sein Buch auch in dieser Hinsicht ein Anstoß ist. Grundsätzlich aber geht es ihm vor allem um eine Liebeserklärung an den Ort, der ihm nach „wilden Jahren“, in denen er in seiner Tätigkeit für terre des hommes in der ganzen Welt unterwegs war, eine Basis bot, wie er selbst sagt. Hier fand er Heimat und das will er transportieren. „Aber eben nicht nur. Zu dieser Heimat gehört auch Kritikwürdiges. Von der Zerstörung der Natur, Insektensterben und Bebauungsplan 550 bis hin zur Nazizeit.“ Mit all diesen Fehlern liebt er Hüls. Und so fühlt sich der im katholischen Rheinland gestrandete protestantische Westfale heute in Hüls wirklich zu Hause.