Ausverkaufte Operngala in Krefeld – zweieinhalb grandiose Stunden Verdi

Kultur : Ausverkaufte Operngala – zweieinhalb grandiose Stunden Verdi

Intendant Michael Grosse führte mit drei informativen Beiträgen durch das Programm, das nur einem Komponisten gewidmet war.

An einem solchen Abend verlässt man das Theater mit einem Lied auf den Lippen und vielen anderen im Herzen: Zur ausverkauften Operngala hieß es „Es lebe Verdi!“ – „Viva Verdi!“. Das Publikum sah seine Erwartungen  erfüllt und spendete begeisterten Applaus.

Intendant Michael Grosse führte mit drei informativen Beiträgen durch das Programm, das eben nur einem Komponisten gewidmet war und dadurch eine wohltuende Geschlossenheit aufwies. Beteiligt waren an diesem festlichen Abend zehn Solisten des Hauses, die Niederrheinischen Sinfoniker unter der Leitung des Generalmusikdirektors Mihkel Kütson und der Chor mit Extrachor. Die Choreinstudierung lag bei Maria Benyomova.

Im Hintergrund der Bühne prangte ein roter Vorhang, dahinter das Porträt des großen Italieners. Er wurde 1813 geboren und starb 1901 in Mailand. Grosse beschrieb sein kompositorisches Werk als zweigeteilt: Den „Galeerenjahren“ folgte eine ruhigere zweite Schaffensperiode. „Verdi war einer der produktivsten Komponisten und schuf in den Jahren von 1839 bis 1893 29 Opern“, erläuterte Grosse.

Zwei komische Opern zählen dazu: „König für einen Tag“ hat er mit 27 Jahren komponiert und den „Falstaff“ nach den „Lustigen Weibern von Windsor“ im Alter von 80 Jahren. Die anderen Opern befassen sich mit großen Themen aus der Geschichte oder mit den Dingen des Lebens. Wegen der Zensur wählte Verdi für die historischen Plots weit entfernte Orte und Zeiten: Kreuzfahrer, König Gustav III von Schweden, Macbeth oder Otello gehören zu seiner Personnage.

Für den ersten Teil des festlichen Abends hat das Theater Stücke aus der ersten Phase Verdis zusammengestellt. Die Ouvertüre aus „Die Macht des Schicksals“ stand am Beginn. Mit einerseits tänzerischer Heiterkeit und andererseits Dramatik war dieses Stück gut gewählt als vielversprechender Auftakt für die Hommage an Verdi. Dann machten Chor und Extrachor sich auf einen Kreuzzug und schwärmten mit vorweggenommenem Heimweh von den lieblichen Landschaften Italiens.

Eva Maria Günschmann vermittelte eindringlich die Seelenqual der Lady Macbeth, und Johannes Schwärsky heimste für die Arie des Jago in „Otello“ das erste Bravo ein. Die vier jungen Talente des Opernstudios Niederrhein Maya Blaustein, Boshana Milkov, Woongyi Lee und Guillem Batllori sangen voller Lebensfreude und und Lebendigkeit ein heiteres Quartett aus der Oper „Rigoletto“. Sophie Witte, Liebling des Publikums, trug mit glänzendem Sopran die Arie und Cabaletta aus „I Masnadieri“ vor.

Nach der Pause setzte der Gefangenenchor aus Nabucco ein: „Das ist der berühmteste und beliebteste Opernchor“, sagte Grosse. Das Programm endete mit dem fulminanten Finale aus Falstaff: „Alles ist Spaß auf Erden“ – „Tutto nel mondo è burla“. Das war ein Augen- und Ohrenschmaus zugleich. Auch Hayk Dèninyan, James Park und Kairschan Scholdybajew sangen mit allen anderen Solisten und dem Chor diesen spritzigen Rausschmeisser. Die Damen in festlicher Robe, die Herren im Smoking – alle Solisten, der Dirigent, die Chorleiterin und die Erste Geige erhielten vom Oberbürgermeister Frank Meyer einen Blumenstrauß. Zwei schwungvolle Zugaben rundeten die gelungene Veranstaltung ab – mit „Donna è mobile“ wurde das sehr zufriedene Publikum nach zweieinhalb Stunden in den frostigen Abend entlassen.