1. NRW
  2. Städte
  3. Krefeld

Krefeld: Ausstellung: Totentanz in der Burg Linn

Krefeld : Ausstellung: Totentanz in der Burg Linn

Der Krefelder Künstler Georg Opdenberg zeigt anlässlich 100 Jahre Erster Weltkrieg ab morgen, 11 Uhr, eine Auswahl seiner Arbeiten übers Jenseits, die Pest, den Krieg, den Tod und die besondere Symbolik im In- und Ausland.

100 Jahre Erster Weltkrieg, Millionen Opfer - Anlass für eine Sonderausstellung im Museum Burg Linn. Der 63-jährige Krefelder Künstler Georg Opdenberg zeigt ab morgen 11 Uhr rund 30 Arbeiten unter dem Titel "Memento Mori auch ein Totentanz" in den Rittersälen, der Knappenstube und der Kemenate. Die Arbeiten, die seit Beginn der 70er-Jahre nach und nach entstanden sind, fügen sich in ihrer archaischen Wucht ideal in die rustikale Umgebung der Burg ein. Es sind Fundstücke aus der Natur, Gebrauchtes von Maurern und Dachdeckern, die Opdenberg zu morbiden Motiven verarbeitet hat. Überall taucht - logischerweise - der Tod auf: einmal in Gestalt eines Sense schwingenden Gerippes, dann quasi als Rattenfänger, der ins Verderben lockt.

Die Reihenfolge derer, die auf den Tod zugehen (ganz links nicht im Bild) und ihn als erstes erreichen, ist austauschbar. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Symbole wie Schädel, Knochen oder Totenglocke prägen seine Medien. Giftiges Blei zeugt von der Schwere und der Trauer, die mit dem Tod verbunden ist. Im Mittelalter war es die Pest, die ohne Ansehen der Person, des Geschlechts und der sozialen Stellung die Menschen aus dem Leben riss. Im Ersten Weltkrieg war es eine Kriegsmaschinerie, eine moderne Materialschlacht, die ohne Unterschiede wahllos ihre Opfer fand.

Der Tod - ein Gerippe mit Sense - steht oben und erwartet seine Opfer. Das Kunstwerk funktioniert wie ein Glücksrad und heißt auch zynischerweise so. Es versinnbildlicht, dass der Tod unterschiedslos zuschlägt. Foto: Thomas Lammertz

Diese schicksalhafte, willkürliche Wahl des Todes veranschaulichte Opdenberg vorbildlich in seinem Werk mit dem zynischen Titel Glücksrad. Oben wartet der Tod, wer nach dem Drehen der Scheibe in seine Nähe kommt, wird ins Jenseits befördert. Mal ist es der Soldat, dann die Mutter, das Kind oder der Greis. Inspiriert vom Rad der Fortuna aus Carl Orffs Carmina Burana wählte Opdenberg mitte der 90er-Jahre diese Idee für eine Teilnahme an einem Wettbewerb der Stadt Kevelaer. Seine provokante Variante des Totentanzes, die für alle sichtbar an einer Friedhofsmauer angebracht werden sollte, traf bei der Wettbewerbsjury nicht auf Begeisterung. "Wundert mich nicht", kommentierte Opdenberg die damalige Entscheidung.

In der Museumsausstellung steht das Werk sinnbildlich für die Sinnlosigkeit kriegerischer Auseinandersetzungen. Des Künstlers Prinzip, der Austauschbarkeit der Opfer unterstreicht er auch bei anderen Arbeiten durch wechselfähige Elemente in seinen Objekten. Wer dem düsteren Tod zuerst in den Radius der daseinsbeendenden Sense gerät, obliegt der Entscheidung des Künstlers oder desjenigen, der das Recht besitzt, Hand ans Kunstwerk zu legen. Museumsleiter Christoph Reichmann und der Krefelder Künstler kennen sich mehr als 40 Jahre lang. Opdenberg ist von Beruf Landvermesser und war seinerzeit an den archäologischen Arbeiten rund um die Burg beteiligt. Aus dieser Zeit rührt eine Freundschaft, die jetzt dazu geführt hat, dass Opdenberg die Gelegenheit bekam, seine Arbeiten zu zeigen. Der 63-Jährige hat sich intensiv mit der Historie des Totentanzes, der religiösen Einordnung und der Symbolik im In- und Ausland beschäftigt. "Ich habe inzwischen meine eigene Formensprache gefunden", erklärt er. Dazu zählen insbesondere auch seine Holzschnitte, die er in beliebiger Stückzahl herstellen und verteilen kann. Je mehr der Bögen einen Interessenten finden, umso größer ist die Chance, dass des Künstlers Idee als dauerhaftes Monument überlebt. Aus diesem Grund verkauft und verschenkt Opdenberg bisweilen seine Drucke - gleichsam sein Stellvertreterkampf gegen Zerstörung, Vergessen, Untergang.

(RP)