Ausstellung in Krefeld: Engländer interpretieren Brexit-Schleuderkurs

Vernissage in alter Schmiede : Engländer interpretieren Brexit-Schleuderkurs

Englands Premierministerin Theresa May müht sich um Zustimmung zu einem geordneten Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union. Lange und bislang erfolglos. Wie zwölf englische Künstler das Thema Brexit aufarbeiten, ist ab morgen in einer alten Schmiede am Westwall zu sehen.

„Strike while the iron is hot“ bedeutet übersetzt: Das Eisen schmieden, so lange es heiß ist. Zwölf Künstler aus England stellen ihre Werke zum Thema Brexit in einer alten Schmiede in Krefeld am Westwall aus. Der Ort ist symbolträchtig. Knapp drei Jahre nach dem Referendum in Großbritannien ist die Flamme der Austrittsbegeisterung offenbar erkaltet. Selbst unter dem Schmiedehammer bewegt sich keine der Parteien auf der Insel und in der Europäischen Union mehr.

Den kritischen Umgang mit dem britischen Schlingerkurs aus Sicht englischer Künstler zeigen die Macher der Krefelder Kulturinitiative 35 Blumen um Ulrike Oppel, Karl Heinz Krüger und Lutz Krossa ab morgen, 19 Uhr, auf gut 100 Quadratmetern. Der Zugang zum Projektraum „Zum alten grünen Weg“ erfolgt über den Durchgang zu den Hinterhöfen am Westwall 80. „Wir sind keine Galerie, eher ein Art Space“, betonte Krossa. Das Angebot sei insgesamt breiter gestreut.

Die Fäden im Vorfeld der Präsentation liefen bei Ulrike Oppel auf deutscher und Chris Shaw Hughes auf britscher Seite zusammen. Schnell hatte der englische Künstler elf weitere Kollegen um sich geschart, die ihre Arbeiten zum Thema Brexit mit Post und Kurieren nach Krefeld schickten. Die Hängung ist fertig und birgt manche Überraschung.

Noel Grassy Macken mag’s plakativ. Foto: Norbert Stirken

Lee Cartledge hat eine Reihe Krüge – Bierhumpen ähnlich – getöpfert, die der Schriftzug Brexit ziert. Die Buchstaben sind allerdings nicht eingefärbt oder aufgedruckt, sondern ausgespart. Das heißt, der Krug ist für den eigentlichen Zweck, daraus zu trinken, unbrauchbar. Bier oder andere Flüssigkeiten würden durch die Buchstaben aus dem Gefäß herauslaufen.

Lee Cartledge töpferte spezielle Humpen. Foto: 35 Blumen

Andrew Steys schickt ein Triptychon aus billigsten Materialien, das er kurz nach dem Referendum zum Austritt im Juni 2016 gefertigt hat. Gut zwei Jahre später, so schreibt er, hänge die mentale Katastrophe über den Köpfen der Briten, und es sei kein Licht am Ende des Tunnels für eine Einigung von Befürwortern und Gegnern zu entdecken. Die Nutzung von Müll als Medium seiner künstlerischen Arbeit sei Absicht. Sie werde genau so in der Abfalltonne landen, wie der Brexit in der Mülltonne der Geschichte, erklärte Steys.

Andrew Stys schickte Kunst für die Tonne. Foto: Norbert Stirken

Noel Grassy Macken ist ebenfalls ein Freund des Triptychons. Seine Dreiteilung zeigt Masken, Drucke, Malerei und Fotos. Spielkarten sind zu sehen, ein Totenkopf, eine Grimasse und ein Eulenspiegel. Wem er im politischen Geschehen bei der EU und auf der Insel welche Rolle zugedacht hat, bleibt sein Geheimnis. Offensichtlich ist, die Akteure spielen mit der Zukunft der Menschen in Europa.

Von ihm stammt auch das Motiv eines vor Kraft strotzenden Fahrzeugs mit Großbritannien-Fahne auf dem Dach und züngelnden Flammen als Airbrush. Das Gefährt ist auf einem leeren Parkplatz unterwegs und gerät für Außenstehende offenbar außer Kontrolle. Der oder die Fahrer halten ihre Performance vielleicht für ein Kunststück. Parallelen zu Akteuren auf dem politischen Parkett sind gewollt.

Zur Eröffnung der Ausstellung in Krefeld wollen einige Künstler anwesend sein. „Die Vernissage ist für uns auch Anlass zum Gedankenaustausch und zur Auseinandersetzung mit Künstlern und Gästen“, sagen die Einlader aus Krefeld. 35 Blumen will das Thema Brexit so lange schmieden, wie es heiß ist. Stand aktuell: Das Austrittsdatum der Briten aus der EU ist zunächst mal verschoben.

Mehr von RP ONLINE