Krefeld: Außengastronomie wird immer beliebter

Krefeld : Außengastronomie wird immer beliebter

Die Zahl der Anträge für Terrassen auf Straßen und Plätzen ist unterm Strich um 35 Prozent gestiegen. Die Stadt nimmt damit jährlich rund 80 000 Euro über die Terrassengebühr ein. Der Bund der Steuerzahler fordert den Verzicht auf solche Einnahmen.

Im Freien sitzen und im Sonneschein gemütlich eine Tasse Kaffee trinken wird in Krefeld immer beliebter: Die Zahl der bei der Stadt gestellten Anträge aus der Gastronomie, im öffentlichen Straßenraum Stühle, Tische und Sonnenschirme aufstellen zu dürfen, hat unterm Strich im vergangenen Jahr um 35 Prozent zugenommen - Tendenz weiter steigend. 167 statt 124 Betriebe nutzen städtische Flächen für ihre Außenterrassen und Biergärten und müssen dafür eine Sondernutzungsgebühr (Terrassengebühr) bezahlen. Um Missverständnissen vorzubeugen: In Krefeld gibt es deutlich mehr Möglichkeiten, Kaffee und Kuchen, Bierchen und Eis unter freiem Himmel zu genießen. Wenn die Flächen im Privatbesitz sind, finden sie in der Statistik für die Terrassengebühr keine Berücksichtigung.

Knapp 80 000 Euro haben die Gastronomen für ihr Recht auf Sondernutzung des öffentlichen Raums an die Stadt Krefeld im vergangenen Jahr gezahlt. Der Bund der Steuerzahler hat die Höhe der Gebühr für alle Städte in Nordrhein-Westfalen mit mehr als 60 000 Einwohnern verglichen. Die Musterfläche ohne feste Umrandung ist 25 Quadratmeter groß und mit fünf Tischen mit jeweils fünf Stühlen bestückt und fünf Monate im Sommer genutzt. Am meisten müssen die Betreiber von Eisdielen, Restaurants, Bistros und Wirtshäuser dafür in Bonn an die Stadtverwaltung überweisen. Bei zehn Euro pro Quadratmeter kommen pro Betrieb rein statistisch 1250 Euro für die sommerliche Zeit zusammen. Von den 54 Städten rangiert Krefeld im hinteren Feld an 41. Stelle. In der Seidenstadt beträgt die Quadratmetergebühr 3,22 Euro und liegt damit um mehr als 25 Prozent unter dem NRW-Durchschnitt von 4,42 Euro. Bei einer Angleichung an den Mittelwert könnte die Stadt Krefeld in Zeiten des Nothaushalts rein rechnerisch mehr als 100 000 Euro im Jahr einnehmen.

Politische Forderungen gehen allerdings in die entgegengesetzte Richtung. Die Krefelder CDU hat beispielsweise im vergangenen September die Abschaffung der Terrassengebühr in Krefeld gefordert. Argument: Die Wirte seien mit dem neuen Raucherschutzgesetz genug bestraft. In die gleiche Kerbe schlägt auch der Bund der Steuerzahler. In Zeiten des strikten Rauchverbots sei es geradezu widersinnig, der Gastronomie das gute Geschäft mit der Außengastronomie zu verleiden. Außerdem profitierten die Kommunen sowieso schon von den guten Geschäften über die Gewerbe- und die Anteile an der Einkommensteuer. Schlussendlich zahle der Verbraucher, der Kunde die kommunale Sondernutzungsgebühr über höhere Preise für den Eisbecher oder den Cappuccino.

Die Stadt Krefeld bestätigte auf Anfrage unserer Zeitung, dass sich die Verhältnisse mit Einführung des Rauchverbots in öffentlichen Gebäuden geändert hätten: Früher sei es so gewesen, dass die Wirte in der Regel vom 1. April bis zum 30. September Flächen gemietet hätten. Das war vor den gesetzlichen Änderungen in der Gastronomie zum Thema Nichtraucherschutz. "Heute haben viele Wirte ganzjährig Flächen gebucht und stellen Heizpilze oder ähnliches auf, um die Flächen für die Raucher zu haben. Im Jahr 2012 gab es in Krefeld 31 neue Anträge für Außengastronomien, in 2011 waren es 30. Für 2013 hat die Stadt mit der zweieinhalb bis dreifachen Anzahl kalkuliert", berichtete Stadtsprecherin Angelika Peters zur Entwicklung.

(RP)
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