Krefeld: Aus Sydney zum Klassentreffen

Krefeld : Aus Sydney zum Klassentreffen

Die Abschlussklasse 1958 der Albert-Schweitzer-Realschule feierte jetzt ein Wiedersehen. Die weiteste Anreise zum Klassentreffen hatte Ralf Keussen auf sich genommen: Er war eigens aus Australien eingeflogen.

Klassentreffen sind stets ein Hort von Erinnerungen. Geschichten aus der Vergangenheit, Wiedersehensfreude und Gespräche über den Werdegang des jeweils Anderen sind an der Tagesordnung. Je länger die Schulzeit her ist, desto mehr dieser Geschichten werden gepflegt. Entsprechend reichhaltig war das Repertoire der Anekdoten und Unterhaltungen, als sich jetzt die Abschlussklasse 1958 der Albert-Schweitzer-Realschule in Krefeld nach 60 Jahren wiedertraf.

Einige der 18 Teilnehmer hatten dafür lange Anreisen in Kauf genommen. So zum Beispiel Ralf Keussen. Er war im Jahr 1984 im Alter von 42 Jahren nach Sydney ausgewandert. "Heute würde ich sagen, es war eine Art Midlife-Crisis. Ich wollte einfach neu anfangen", erzählt der Rentner, der in Down Under eine Möbelfirma eröffnete, die mittlerweile seine Söhne leiten. Über Athen und München war er eigens für das Treffen eingeflogen, bleibt aber noch zwei Wochen in Krefeld, ehe er noch einen viermonatigen Urlaub anschließt.

Peter von Hofe hatte es nicht ganz so weit, doch immerhin kommt der 78-Jährige aus einem Dorf in der Nähe von Nyon in der Schweiz an den Niederrhein. Er war ursprünglich in die Alpenrepublik gezogen, um sein Französisch zu verbessern. Nach einem Aufenthalt in Paris zum selben Zweck blieb er zunächst in Genf, dann in Nyon und schließlich einem kleinen Ort in der Nähe.

Sein zwei Jahre jüngerer Bruder Detlef, der wieder in Krefeld wohnt, organisierte das Treffen. "Damals war es ganz normal, dass Brüder in einer Klasse waren. Wir waren zu Beginn 62 Schüler pro Klasse - dreizügig - das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen", berichtet der jüngere Bruder, der es nach der Mittleren Reife 1958 über den zweiten Bildungsweg bis zur Habilitation brachte und Universitätsdozent wurde.

Beeindruckend auch, dass sogar ein ehemaliger Lehrer der Männer anwesend war. Dr. Wilhelm Krapohl zählt mittlerweile 94 Jahre. Im Mai feiert er wieder Geburtstag, ist aber noch fit und sogar recht gut zu Fuß. Er freut sich immer, seine ehemaligen Schützlinge wiederzusehen.

"Ich habe auch alle von mir entlassenen Schüler zu meinem 90. Geburtstag eingeladen. Ganze 80 waren da", berichtet der Lehrer für Deutsch, Geschichte und Kunst, der später ans Moltke-Gymnasium wechselte und nur ein einziges Klassentreffen all seiner Schüler wegen eines Krankenhausaufenthaltes versäumte. Zu seinen ehemaligen Schülern gehört auch der frühere Oberbürgermeister Krefelds, Dieter Pützhofen. "Er war bei uns in der Parallelklasse", berichtet Peter von Hofe.

Auch andere legten illustere Karrieren hin. Insgesamt brachten es drei Männer der Klasse zu Universitätsdozenten. Andere gründeten Unternehmen oder bereisten die ganze Welt für ihren Beruf. Robert Kesseler studierte chemische Verfahrenstechnik in Karlsruhe. Dann ging er in die Kerntechnik und war lange am Kernforschungszentrum tätig, ehe er als Hauptprojektleiter für den Schnellen Brüter nach Kalkar ging. Er hatte einen Passepartout für das Gelände und führte die ehemaligen Mitschüler sogar bei einem früheren Klassentreffen herum.

Die Turbinenanlage für das Projekt wurde übrigens von Detlev von Hofe geliefert. "Das war unsere erfolgreichste Arbeit. Es gab nie eine Beschwerde oder Reklamation", erzählt dieser lachend. Schließlich ging der Schnelle Brüter nie wirklich ans Netz, auch wenn Kesseler korrigiert. "Doch, kurzzeitig lief die Anlage. Die Turbinen haben Strom produziert, der sogar ins Netz eingespeist wurde", sagt er.

Die Männer unterhalten sich, während sie von Schulleiterin Christa Lunkenheimer herumgeführt werden. Erinnerungen an zerstörte Gebäude in der Schulzeit werden ebenso wach gerufen, wie an den Tag, als 1957 der Sputnik, der erste menschengemachte Satellit, in die Erdumlaufbahn geschossen wurde. Auch an Spickzettel erinnerten sich die Männer, und wie sie dabei erwischt wurden. An der Schule, den dortigen Gebäuden und Einrichtungen zeigten sich die Teilnehmer sehr interessiert.

Auch über die Zukunft der Einrichtung wird gesprochen und gesellschaftliche Themen erörtert. Alle Teilnehmer blicken auf ein langes, zumeist sehr erfolgreiches Leben zurück, in dem sie ihren Teil dazu beigetragen haben, Deutschland aufzubauen. Heute schwelgen sie vor allem in Erinnerungen und hoffen, sich noch das ein oder andere Mal treffen zu können. "Einige von uns sind mittlerweile verstorben. Das bleibt in unserem Alter nicht aus", berichtet Detlef von Hofe. Doch so lange es geht, wollen sie sich weiter treffen.

(RP)