Aus den Krefelder Stadtteilen: Verplempert Stadt mit Nichtstun Spenden?

Aus den Krefelder Stadtteilen : Verplempert Stadt mit Nichtstun Spenden?

Unmut über den Sollbrüggenpark: Die Sanierung des Grabens stockt; das bereits investierte Geld könnte vertan sein.

In der Bockumer Bürgerschaft stößt das Hinauszögern der Sanierungsarbeiten des Wassergrabens im Sollbürggenpark trotz bereits bewilligter Geldmittel auf zunehmendes Unverständnis. Die bereits investierten 12.000 Euro der engagierten Bürger des Stadtteils könnten zu einem Großteil durch das Nichtstun vertan sein. Bezirksvorsteher Wolfgang Merkel bezeichnet das Vorgehen der Verwaltung als ein „schlechtes Zeichen für bürgerliches Engagement in unserer Stadt“.

Gemeinsam haben die Bürgerinitiative „Bockum bewegt sich“ und der Bürgerverein des Stadtteils sich für die Sanierung des Wassergrabens im Sollbrüggenpark starkgemacht. Durch zahlreiche Spenden kamen 12.000 Euro für die Sanierung zusammen. Das Geld ist bereits für die Instandsetzungsarbeiten eines Teilabschnittes zwischen den beiden historischen Brücken, die von der Parkanlage zur Musikschule führen, verwendet worden. „Momentan sieht die Situation so aus, dass der Abschnitt, um den wir uns kümmern, vom restlichen Wassersystem durch Sandsäcke und Betonplatten abgetrennt wurde. Damit nicht der ganze Unrat und das Brachwasser unseren Abschnitt wieder vollständig verdreckt. Das Problem ist jedoch, dass unser Abschnitt unter der fehlenden Wasserzirkulation leidet; so sinkt die Wasserqualität“, erklärt der Geschäftsführer des Bürgerverein Bockum, Jörg Ludewig.

Die fehlende Wasserzirkulation  sollte durch die Reparatur einer angeschlossenen Pumpe wiederhergestellt werden. Die Anlage befindet sich am anderen Ende des Grabensystems und förderte Grundwasser in den Wasserlauf. Durch die Pumpe wäre das Grabensystem mit Frischwasser versorgt. Diese  Maßnahme würde der Gefahr einer neuen Verlandung vorbeugen.

Haben Sorge, dass 12.000 Euro Spendengelder für den Sollbrüggenpark sinnlos vertan sind, weil nichts mehr geschieht: Manfred Läckes,Jörg Ludewig und Volker Leist im Sollbrüggenpark (v.l.). Foto: Jamie Duponcheel/Jamie Duponcheel

Ein weiteres Problem der ausstehenden städtischen Sanierungsarbeiten ist, dass diese nicht zu jeder Jahreszeit durchgeführt werden können, da sie das gesamte Ökosystem massiv beeinflussen. So muss der gesamte Unrat entfernt sowie verlandete Stellen wieder wasserführend gemacht werden. Außerdem wird Brachwasser abgeführt und durch Frischwasser ersetzt. Besonders zu Frühlings- und Sommerzeiten sind Ökosysteme bei derartigen Eingriffen stark belastet. Somit könnte mit den Arbeiten erst im Herbst beziehungsweise im Winter des kommenden Jahres begonnen werden.

Großes Unverständnis zeitigt außerdem der Umstand, dass die finanziellen Mittel für die Sanierung des Wasserlaufes bereits für den diesjährigen kommunalen Haushalt bewilligt und festgelegt worden sind. „Es fehlt einfach nur jemand in der Verwaltung, der sich dieser Arbeiten annimmt und sie letztendlich umsetzt. Uns fehlt einfach ein Ansprechpartner für die Umsetzung dieses Projekts“, resümiert der Vorsitzende des Bürgervereins, Manfred Läckes. Er vermutet: Mit der Schaffung des Kommunalbetriebes und der damit einhergehenden Neuverteilung von Aufgabenbereichen im städtischen Verwaltungsapparat scheinen die Zuständigkeiten noch nicht final geklärt zu sein.

Auch die Bezirksvertretung Ost, in deren Zuständigkeitsbereich der Sollbrüggenpark gehört, bemängelt das Stocken der Arbeiten. Auf eine Anfrage im September an die Stadt erhielten die Kommunalpolitiker bislang keine Auskunft über den Sachstand. „Es kann nicht sein, dass man die Bezirksvertretung als politische Vertretung des Stadtteils so im Dunkeln lässt. Bei der Verwaltung sind die anstehenden Arbeiten schon seit Jahren bekannt. Das ist ein schlechtes Zeichen in Richtung Bürgerschaft und gesellschaftliches Engagement“, sagt der Bezirksvorsteher Ost, Wolfgang Merkel. Die Bezirksvertretung unterstütze den Bürgerverein seither großzügig. Die Hälfte des Haushaltes der Bezirksvertretung Ost des Jahres 2018 und 2019 ließen die Kommunalpolitiker der Grabensanierung unter der Schirmherrschaft des Bürgervereins und der Bürgerinitiative zukommen.

Trotz wachsenden Ärgers lassen sich die Bürger nicht entmutigen. „Wir bleiben dran, aber schauen auch gleichzeitig nach vorne“, sagt der stellvertretende Vorsitzende des Bockumer Bürgervereins, Oliver Leist. Der Bürgerverein wird sich auch nach der Beendigung der Grabensanierung um seinen Teilabschnitt kümmern und diesen regelmäßig instandsetzen. Außerdem planen die Bürger, das Endstück der Grabenanlage in naher Zukunft zu sanieren.

„Wir wollen den an das Grabensystem angeschlossenen Weiher, der, von der Musikschule aus gesehen, am anderen Ende der Parkanlage liegt, von Laub, abgestorbenen Baumresten und Unrat befreien. Dabei soll wie bei unserer Teilsanierung zwischen den zwei Brücken vorgegangen werden“, sagt Jörg Ludewig.

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